Disco ´Carrusel´: Es dreht sich wieder

Die Mutter aller Playa-Discotheken, ist zurück – ohne Bernd Nieswand

28.03.2013 | 01:15
 Nur ein altes Karussell-Pferd erinnert an die frühere Deko: Ex-„Carrusel"-Besitzer Bernd Nieswand
Nur ein altes Karussell-Pferd erinnert an die frühere Deko: Ex-„Carrusel"-Besitzer Bernd Nieswand

Es war die erste deutsche Discothek an der Playa de Palma. Nun soll sie unter neuer Leitung wiederauf­erstehen auf Mallorca: Am 27. März wird das Carrusel an der Bierstraße neu eröffnet. Für den früheren Besitzer Bernd Nieswand ein Grund zur Freude, auch wenn er mit dem neuen Laden nichts mehr zu tun hat.

Beim Ortstermin könnte man allerdings einen anderen Eindruck bekommen. Schnurstracks spaziert der heute 70-Jährige kurzerhand in das Lokal, in dem die neue Besitzerin Mariana Stefanta gerade am Renovieren ist. Die 43-Jährige schaut etwas pikiert, ist aber zu überrumpelt, um den Zutritt zu verweigern.

Viel sagen will sie nicht. Auch ihr Geschäftspartner scheut die Öffentlichkeit. Nur so viel: Man wolle mit dem neuen Carrusel ein Publikum jenseits der 35 ansprechen. Es werde einen deutschen DJ geben, das Personal spreche Deutsch.

Auch die Inneneinrichtung könnte bei manchem Deutschen Heimatgefühle auslösen, gerade bei Süddeutschen. Es sieht aus wie in einer Almhütte. Holz wohin man schaut. Es sind Überbleibsel des Almrausch, wie der Laden zuletzt hieß, bevor er länger leer stand.

„Früher war ein großes Karussell an die Decke gepinselt", sagt Nieswand, der immer noch etwas ­Dandyhaftes an sich hat und ein wenig zur Verklärung der Vergangenheit neigt. Früher, unter Franco, war alles besser: keine Drogen, leere Gefängnisse, das Wasser kristallklar. Früher, das war Ende der 60er, als der Mittzwanziger zusammen mit seinem Partner Erwin ­Bornscheuer erst ein Grundstück kaufte und dann 1971 dort das Carrusel eröffnete. „Das war hier noch eine Wohngegend mit ­wenigen Hotels, in die vor allem Engländer kamen, die Deutschen zogen Peguera vor."

Der Rubel kam schnell ins Rollen. Nieswand und Bornscheuer kannten sich aus im Geschäft und verfügten als Betreiber dreier Discotheken in Düsseldorf schon über eine Stammkundschaft. Dazu gehörten auch Kegelvereine, die dazu übergingen, ihre Clubkassen auf Mallorca auf den Kopf zu hauen. Bis zu 50 Fass Bier am Abend verkaufte Nieswand damals. „Der Laden war immer voll. Draußen standen die Leute Schlange, sodass wir die Kellner mit Bier rausschickten." So sei der Name Bierstraße entstanden. Morgens hätten die Leute dann Kohldampf gehabt. Also habe um die Ecke ein kleiner Bretterverschlag aufgemacht, wo Schinkenbrötchen verkauft wurden. „Ich habe nicht nur die Bierstraße erfunden, sondern auch die Schinkenstraße", sagt Nieswand, „und den Ballermann auch. Das kannst du ruhig so schreiben." Kleckern war noch nie seine Sache.

Im Laufe der Jahre wurde die Playa de Palma zu einem Synonym für Partytourismus und einflussreiche Unternehmer bemächtigten sich immer mehr eines schon fast industrialisierten Geschäftes. „Es wurde größer und unpersönlicher – nach dem Motto: ,Hammel­herde rein, Hammelherde geschoren, Hammelherde raus´", sagt Nieswand. 1991 verkaufte er seine Discothek und zog für ein paar Jahr nach Florida. Jetzt pendelt er zwischen Deutschland und Mallorca. Er hoffe, dass das neue Carrusel diese Fehler nicht wiederhole. Als Gast wolle er in jedem Fall mal vorbeischauen.

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