Peter Wackel: ´Der Song ist doch positiv für Mallorca´

Sein Sommerhit „Scheiß drauf! Mallorca ist nur einmal im Jahr" ruft nicht nur bei den Einheimischen Kopfschütteln hervor. Der Partysänger über die Stimmung an der Playa

11.07.2013 | 01:00
Peter Wackel vor dem Stein des Anstoßes, dem neuen Plakat
Peter Wackel vor dem Stein des Anstoßes, dem neuen Plakat

Dass sein Ballermann-Hit „Scheiß drauf, Mallorca ist nur einmal im Jahr" unter den Einheimischen für Schlagzeilen sorgt, hat Peter Wackel schon mitbekommen. Die Worte „Scheiß" und „Mallorca" in meterhohen Lettern auf einer Werbe­tafel an der Zufahrt nach Arenal inspirierten den Kolumnisten der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca", Matías Vallés, zu einer Kolumne über den scheinbar abwertenden Songtitel. Verstehen kann der Sänger, der im wirklichen Leben Steffen Peter Haas heißt, die Aufregung nicht so richtig. „Was ist denn da los?", fragt er zu Beginn des Interviews im Bierkönig, wo er dreimal pro Woche auftritt. Immer wieder unterbrechen junge Fans das Gespräch und bitten um ein Foto mit dem 36-jährigen Franken. Der erzählt derweil, dass selbst offizielle Stellen plötzlich wissen wollen, was es mit dem Titel auf sich hat.

Beginnen wir mit der Aktualität: Was sagen Sie zu der Geschichte in der „Bild am Sonntag"?
Das ist wie immer bei „Bild":

50 Prozent ist wahr, 50 Prozent ist erfunden. Was sicher nicht stimmt, ist das mit dem Schutzgeld. So etwas zahlt an der Schinkenstraße niemand.

Die einheimischen Medien empören sich auch über Ihren Sommerhit. Können Sie das verstehen?
Überhaupt nicht. Der Song ist doch positiv für Mallorca: Es geht um Leute, die hier ihren Urlaub genießen und sich nach drei Tagen feiern, wenn sie eigentlich schon total am Ende sind, nochmal aufraffen, um auch am letzten Tag noch Party zu machen.

Ihr Lied erreicht auf der Insel sogar die politische Ebene: Das Konsortium für die Neugestaltung der Playa de Palma hat bei den Verantwortlichen des Bier­königs nachgefragt, was es denn mit dem Text auf sich hat.
Man sollte halt nicht nur ein Internetprogramm für die Übersetzung des Titels nutzen. Ich bin fast ein wenig entsetzt, dass ein spanischer Journalist so was macht. Wie blöd wär´ ich denn, Mallorca als scheiße zu bezeichnen? Ich bin einer der größten Fans überhaupt und würde der Insel nie etwas Schlechtes tun oder wünschen, im Gegenteil. Ich sage den Leuten bei jedem Auftritt in Deutschland: Kommt nach Mallorca! Und ich bringe mit meinen Partyreisen ja jedes Jahr 3.000 Touristen hierher, mache also etwas für die mallorquinische Wirtschaft.

Besonders feingeistig ist der Song trotzdem nicht €
In manchen Situationen, wie eben beim Feiern, muss man die Aussage auf den Punkt bringen. Das Original stammt von Bekannten von mir. Das Lied gibt es schon seit fünf Jahren, die Bamberger Jungs haben das für die „Kerwa", also die Kirchweih, getextet. Ich habe sie darum gebeten, dass ich daraus eine Mallorca-Version machen darf. Demnächst kommen die Autoren des Originals zum ersten Mal an die Playa, um zu sehen, was ihr Lied hier angerichtet hat (lacht).

Und das wäre?
Der Song ist seit vier Wochen in den Top 50 der deutschen Charts vertreten. Dass er so einen Mitgröl-Faktor entwickeln könnte, war mir am Anfang gar nicht bewusst. Das ist auch das einzige, wofür ich mich mit einem Augenzwinkern entschuldigen muss: Dass manche Urlauber hier nicht schlafen können, weil alle Welt das Lied die ganze Nacht lang grölt.

Dabei wollten Sie doch mal seriöser werden und keine Kraftausdrücke mehr in Ihren Liedern verwenden €
Da passt „Scheiß drauf" ja genau! Im Ernst, das sagt man im täglichen Gebrauch doch andauernd, und zwar als eine Art Friedens­floskel nach dem Motto: Ist doch egal, macht ja nichts. Demnächst nehme ich übrigens auch eine spanische Version auf, die heißt dann: ´Dale fiesta – vivimos solamente una vez´ und handelt von Festen, die eben nur einmal im Jahr stattfinden. Wie zum Beispiel Sant Joan.

Die spanische Version klingt aber doch deutlich harmloser. Muss ein Ballermann-Hit Fäkalsprache enthalten?
Viele spanische Liedtexte sind doch kein Stück besser, wenn man sie mal ins Deutsche übersetzt. Und „Scheiß drauf" ist braver als die Hälfte aller englischen Songs. Über den Text von „Joana, du geile Sau" (Wackels Mallorca Hit aus dem Jahr 2007, Anm. d. Red.) hat sich doch auch niemand aufgeregt, so etwas ist heute einfach normal. Was ich persönlich viel schlimmer finde, ist, wenn im Assi-TV am Nachmittag schon gesagt wird: „Und dann gehen wir f €" – so was geht gar nicht.

Gibt es in Deutschland gar keine Kritik an Ihrem aktuellen Song?
Für das ZDF wird es eine entschärfte Version geben, damit ich im Fernsehgarten auftreten darf. Die hatten mit dem Original dann doch ein Problem.

Gehört Provokation für einen Playa-Sänger zur Pflicht?
Das Lied ist einfach ein Motivations­schub für den Party-Marathon. Mallorca ist die beste Plattform, die ich mir vorstellen kann. Das Geld wird allerdings dann in Deutschland verdient, mit Auftritten auf Festen und mit dem CD-Verkauf.

Ist die Stimmung auf deutschen Volksfesten vergleichbar mit der in Arenal?
Trotz des ganzen Alkohols ist das Ambiente an der Playa viel friedlicher als in den Bierzelten daheim. Da gibt es 20 Schlägereien am Abend, hier vielleicht eine pro Woche. Als ich am Ballermann angefangen habe, war es wirklich noch extrem schlimm, da tanzten schon um drei Uhr nachmittags die Nackten auf den Tischen. Aber das ist vorbei, die Feierei ist hier viel organisierter geworden.

Trotz allem sprechen Sie mit „Scheiß drauf" wohl nicht un­bedingt die geistige Elite an.
Von wegen. Immer heißt es, Golfer und Radler wären die besseren Touristen – und dann kommst du in den Bierkönig und triffst abends Leute aus Camp de Mar, bei denen hinter den Zahlen echt viele Nullen auf den Kontoauszügen stehen, und die kommen in Shorts und T-Shirt her und feiern mit. Auf Dauer hat halt auch der Professor keinen Bock, im Urlaub ständig bei Kindern und Ehefrau zu sein.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 27. Juni (Nummer 686) lesen Sie außerdem:

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