Deutscher Filmdreh auf Mallorca: Gestatten, ein rassiger Typ

"Da muss Mann durch" mit Jan Josef Liefers, Julia Jentsch, Wotan Wilke Möhring und Sophia Thomalla - und Pedro Victory als Latino-Bolzen vom Dienst

20.07.2013 | 10:46
Sprang schon mal wie Harrison Ford über die Dächer Palmas: Pedro Victory Ramos
Sprang schon mal wie Harrison Ford über die Dächer Palmas: Pedro Victory Ramos

Dass an der Filmfront auf der Insel derzeit Großes im Gange ist, hat sich inzwischen herumgesprochen: Renommierte Schauspieler sind hier, und dies unter der Fuchtel des gestrengen und öffentlichkeitsscheuen Regisseurs Marc Rothemund (44): Jan Josef Liefers (48), Julia Jentsch (35), Wotan Wilke Möhring (46), Sophia Thomalla (23)! Sie drehen den Film „Da muss Mann durch", der vom Hollywood-Filmstudio ­Warner Brothers finanziert wird. Es ist der zweite Teil einer romantischen deutschen Kino-Komödie, die auf einer Bestseller-Reihe von Hans Rath basiert.

Mit von der Partie ist auch der Spanier Pedro Victory Ramos. Der 34-jährige Schauspieler mit der als Künstlernamen inserierten Siegesgewissheit ist bei Regisseuren seit geraumer Zeit erste Wahl, wenn dem deutschen Publikum ein – wie man gemeinhin so schön sagt – rassiger Mittelmeer-Typ geboten werden soll. Ein Drogen­händler etwa wie in dem TV-Krimi „Tony Costa – Küchenkunst" vom vergangenen Jahr mit Hardy Krüger jr. als Hauptdarsteller. Oder ein Polizist wie jetzt in dem Film „Da muss Mann durch", der sich grob gesagt um Folgendes dreht: Ein Mann namens Paul (gespielt von Wotan Wilke Möhring) verliebt sich in eine Frau namens Lena (gespielt von Julia Jentsch), deren Eltern auf Mallorca leben. Beim ersten Besuch laufen die Dinge – wie in Filmen so üblich – nicht so wie erwartet, und Paul erinnert sich an gute Freunde, mit denen er oft genug nächtelang über das Leben, die Frauen und sonstige Themen schwadroniert hatte.

Fast zwölf Stunden drehte man am Freitag (5.7.) die Abschlussszene des Streifens an Infoschaltern in einem abgeschotteten Bereich des zu dieser Jahreszeit quasi permanent überfüllten Mallorca-Flughafens. „Für die Autos von den Filmleuten wurde sogar ein Bereich vor dem Airport abgesperrt", weiß Pedro Victory. „Ich selbst hatte nicht allzu viel zu sagen", fügt er hinzu. Was er von sich gegeben habe, habe er auf Spanisch geäußert, das für den Film synchronisiert werde. „Ich musste der Hauptdarstellerin Handschellen anlegen und mich bestechen lassen."

Ansonsten sei beim Dreh alles ruhig, konzentriert und professionell verlaufen – auch wegen zwei Hunden, die mitspielen und nicht über Gebühr gestört werden sollten. Er habe auf Englisch mit dem großen Jan Josef Liefers und dessen Kollegen gesprochen, alle seien so wunderbar nett gewesen, zuweilen sogar der Regisseur. „Lediglich ein paar Mal fuhr er aus der Haut, und einmal schleuderte er aus Wut sogar einen Gegenstand auf den Boden."

So kennt das Pedro Victory, wenn Deutsche einen Film drehen. „Von wenigen Ausrastern abgesehen, läuft alles wie am Schnürchen ab." Dabei sei dies noch nicht einmal das Beste: „Die Deutschen zahlen pünktlich, sie kamen sogar mit dem Vertrag in mein Haus!" Da habe er mit spanischen Produktionen ganz andere Erfahrungen gemacht. Wie oft habe man ihm gesagt, dass gar kein Geld da sei. Wie oft habe er sich fast die Seele aus dem Leib verhandeln müssen, um nicht über den Tisch gezogen zu werden! Früher sei er beim balearischen Autonomie-Sender IB3 als Telenovela-Darsteller eine feste Größe gewesen. Als die Krise kam, seien Serien wie „Laberint de Passions" („Labyrinth der Leidenschaften") einfach weggekürzt worden.

„Gut, dass deutsche Filme auf Mallorca gedreht werden", freut sich Pedro Victory und lacht das fast schelmische Lachen des Latino-Bolzens, wie ihn sich die Hausfrau aus Duderstadt oder Saarbrücken gern vorstellt. Vom jungen Hardy Krüger durfte er sich voriges Jahr sogar für eine zehn­minütige Sequenz im Toni-Costa-Film (Regisseur: Peter Sämann) an der Industria-Straße – ganz in der Nähe der bekannten Windmühlen mit ihren Restaurants – wie Harrison Ford über die Dächer von Palma hetzen lassen. „Und kein Stuntman hat mich gedoubelt!" Er habe sich trotz der „schwierigen Action-Szenen" und der Sprachbarrieren bestens mit dem jungen Krüger verstanden. Der habe auch immer mal wieder von seinem gleichnamigen Vater erzählt, der einst sogar in Holly­wood gefragt war und mit Superstars wie John Wayne („Hatari") oder James Stewart („Der Flug der Phoenix") arbeitete. „Mein Gott, war der berühmt!"

Als er, Pedro Victory, im April und Mai – ebenfalls als Polizist – ein paar Szenen für den Sat1-TV-Film „Willkommen im Club" mit Richy Müller und Lisa Martinek gedreht habe – es geht darin um ein Flüchtlingsdrama – habe er am Drehort Playa de Muro ein paar vereinzelte Sätze der für ihn so unbekannten Sprache versucht. Die Phonetik hatte er zuvor fast bis zum Umfallen geübt. „Ich wusste nicht, was ich sagte", lacht Pedro Victory. Inzwischen sei es ihm lieber, seine Texte auf Spanisch zu sagen.

Er spüre, dass die Insel für die deutsche Film-Industrie immer wichtiger werde, sagt Pedro Victory. Man frage immer öfter bei ihm nach, ob er nicht Lust auf eine Rolle habe. „Ist ja auch klar. Hier gibt es verschiedenste Landschaften auf engstem Raum, und weit weg ist das hier von Deutschland bekanntlich nicht."

So oft er bei deutschen Produktionen mitspiele, leben könne er davon allein nicht, sagt der Schauspieler. Deswegen mache er auch gern und oft Werbung – vor etwa einem Monat seien Dreharbeiten für einen Film für die „Glücksspirale" im deutschen Fernsehen absolviert worden. Und dann sei da noch seine in Palma beheimatete eigene Theatergruppe namens „Teatro Visceral" mit der er durch ganz Spanien tourt.

Mit jenen Standbeinen komme er aber ganz gut über die Runden, sagt Pedro Victory. Dabei helfe natürlich Medienpräsenz wie zuletzt am letzten Juni-Sonntag bei seiner Hochzeit mit der Schauspielerin Virginia Quetglas auf dem Gelände eines Landhotels an der Straße von Palma nach Valldemossa – mit einem Schimmel, einem echten Pfarrer und dem üblichen Brimborium.

Die Arbeit geht Pedro ­Victory auch weiterhin nicht aus: Am 3.8. steht sein zweiter und letzter Drehtag für „Da muss Mann durch" an: Dann wird er als nicht ganz koscherer Polizist ein Verhör führen.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 11. Juli (Nummer 688) lesen Sie außerdem:

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