Mit Sven und Ka ins Reich der Promis

An der Playa de Palma werden tägliche Ausflüge zu den Cafés von Daniela Katzenberger und Jürgen Drews angeboten. Kaffeefahrten? Da müssen wir mit, sagten wir uns bei der MZ. Das Ergebnis war ernüchternd

05.09.2013 | 13:20
Jessica und Lanii auf der Bühne im Drews-Café – im Hintergrund in verschiedenen Ausführungen die Brüste der Drews-Gattin.
Jessica und Lanii auf der Bühne im Drews-Café – im Hintergrund in verschiedenen Ausführungen die Brüste der Drews-Gattin.

Die Werbung hört sich gut an: „Wir fahren täglich von El Arenal & Can Pastilla nach Santa Ponça zur ­Daniela Katzenberger & Jürgen Drews Café. Wir verbringen mit euch einen Tag im Reich der Promis und zeigen euch dabei die Insel. Es gibt auf Mallorca ja nicht nur den ­Ballermann."
Gut, für einen Tagesausflug im Mini-Bus von Palma nach Santa Ponça sind 50 Euro eine Menge Geld. Doch ausprobieren kann man es ja mal. Die erste Überraschung: Die Reisegruppe besteht aus nur drei Personen. Mit dabei sind neben der Reporterin nur noch Jessica (19) und Lanii (18) aus Mannheim. Die beiden Mädels haben den Ausflug gebucht, weil sie „nicht nur am Strand liegen und auch mal was anderes sehen wollen von der Insel".

Bei einem süßlichen, im Preis enthaltenen Begrüßungssekt in einem Café in MegaPark-Nähe stellt sich der Führer und Chauffeur vor. Er heißt Sven. Für den Minibus hat es heute nicht gereicht, stattdessen geht es in einem Ford Ka in Richtung Palma. Auf der Fahrt dorthin gibt Sven freimütig Auskunft über die Attraktionen am Wegesrand. Zum Beispiel über die vier Schornsteine kurz vor der Einfahrt in die Stadt. „Die Müllverbrennungsanlage der Insel", sagt Sven. Es ist das Wärmekraftwerk Cas Tresorer.

Weiter geht´s nach Palma hinein, wo Sven uns an der Bushalte­stelle vor der Kathedrale absetzt und noch kurz wissen lässt, dass das Gotteshaus im 12. Jahrhundert von den Römern erbaut wurde, und an dieser Stelle zuvor eine Synagoge stand. Das sind gleich drei inhaltliche Fehler in einem Satz, aber man kann ja mal durcheinander kommen. Wir knipsen das Wahrzeichen der Stadt pflichtschuldig mit Handy und Kamera, wobei Jessica und Lanii den Spongebob-Darsteller, der hier von Eltern Geld erbettelt, eigentlich viel lustiger finden.

Der Sven und der Ka warten derweil vor der Lonja, wo gleich darauf eine weitere Sehenswürdigkeit präsentiert wird: die Sommerresidenz des spanischen Königs. In Wahrheit handelt es sich um die Seehandelsbörse und den Regierungssitz Consolat de la Mar. Wir versuchen Sven aufs Glatteis zu locken, sagen: „ganz schön klein für einen Palast". Er aber weiß schlagfertig zu parieren: „Der König ist ja eh immer nur zwei Tage pro Sommer hier, da reicht das." Dann bietet er freundlich an, uns vor dem Palma-Schriftzug einige Meter weiter abzulichten. Eine gute Idee, wir sind dabei.

Jetzt schnell zurück zum ­Ka, bevor da noch ein Knöllchen dran haftet. Jörg zeigt den Yachthafen, schwärmt vom Paseo Marítimo, „der größten Ausgehmeile" der Stadt, und findet auch einen passende Entsprechung für das Einkaufszentrum Porto Pi: „Das ist wie das Centro in Oberhausen, nur in klein und hässlich." Jessica und Lanii fällt vor allem das große Logo eines Drogeriemarktes auf. „Guck mal, sogar Müller gibt es!" Ja, vieles ist wie zu Hause auf Mallorca.

In Santa Ponça angelangt, geht es erst einmal ins Katzenberger-Café. Wir sind offenbar angekündigt: Der Kellner schnauzt uns an, dass wir eine halbe Stunde zu spät seien. Er hätte höchstens noch fünf Minuten auf uns gewartet. Wir bestellen Milchshakes und Kaffees. Sven gibt ein paar Schauermärchen von der Playa de Palma zum Besten. Nach dem Besuch im Fanshop – „dass man mit so ´nem Dreck so viel Kohle machen kann", staunt Jessica – werden noch Give-aways verteilt: eine vorgedruckte Autogramm-Karte, eine dünne Postkarte des Ladens und, Trommelwirbel, eine Papier-Serviette mit ­Katzenberger-Logo.

Wir fahren zum Aussichtspunkt über die Malgrats-Inseln und von dort zum Steinkreuz über dem Hafen, bewundern das klare Wasser und lästern über die „voll hässlichen" Hotelbauten auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Dann geht´s auch schon weiter, ins Jürgen Drews-Bistro. Auch hier ist der Namensgeber nicht zu sehen („Der kommt meistens am Montag"), dafür fällt die Begrüßung durch Wirt Gritzmacher deutlich freundlicher aus als beim ersten Stop.

Jessica und Lanii entscheiden sich für eine Portion Pommes „zum Frühstück". Wir lassen uns auf der mikroskopisch kleinen Bühne des Lokals fotografieren und erhalten eine Jürgen Drews-Single von 2012, die sofort in der großen Umhängetasche verschwindet.

Sven fragt uns, ob wir nun zum Aussichtsturm oder zum Strand wollen. Wir sind natürlich für den Strand. „Können wir machen," sagt Sven, „aber Baden geht nicht, ihr wisst schon, nasse Bikinihöschen auf Stoffbezügen und so ?"

Wir fahren zu einem „Geheimtipp" – es ist die Bucht von Illetes. Fangfrage an Sven: „Wie heißt das denn hier?". Er zuckt mit den Schultern: „Wenn ich das jetzt wüsste. Hab es neulich auf dem Navi gesucht, aber da stand nichts." Dann checkt er zum gefühlten 120. Mal an diesem Tag sein Handy.

Kurz darauf stehen wir mit einer Dose Cola aus der nicht mehr ganz so kalten Kühlbox in der Hand und mit den Füßen im Wasser da und wünschen uns bei Temperaturen deutlich jenseits der 30 Grad-Marke nichts sehnlicher, als den vergnügt planschenden Spaniern Gesellschaft zu leisten. Geht aber nicht. Wegen des Stoffbezugs von Ka.

„Wofür haben wir jetzt eigentlich so viel Geld bezahlt?", fragt Jessica. „Weil der Typ am Strand das viel besser verkauft hat. Da hätten wir uns mal besser ein Auto gemietet!" sagt Lanii.

Die Stimmung ist gekippt. Die restlichen Attraktionen, die uns Sven auf dem Rückweg über die Via Cintura zeigt, wissen wir nicht mehr so richtig zu schätzen. Die Hinweise auf das Fußball­stadion und das Gefängnis entlocken uns nur noch ein müdes „Mhm". Als wir nach knapp fünf Stunden wieder am Hotel angelangt sind, für das Jessica und Lanii inklusive Flug und eine Woche Halbpension 508 Euro bezahlt haben,
fordert Sven uns noch auf, seine Tour im Internet zu bewerten. „Aber schreibt nur etwas, wenn es euch gefallen hat", sagt er noch.

Aber sicher, Sven, machen wir doch glatt.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 29. August (Nummer 695) lesen Sie außerdem:

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