Christian Brückner: ´Ich habe doch gerade erst angefangen´

Seine Stimme kennt fast jeder Deutsche – dabei nimmt sich der Synchronsprecher am liebsten zurück

26.09.2013 | 01:15
Im Tonstudio ist Brückner in seinem Element – gerade synchronisiert er den neuen Film von Robert de Niro
Im Tonstudio ist Brückner in seinem Element – gerade synchronisiert er den neuen Film von Robert de Niro

Den Mann hinter der deutschen Synchronstimme von Filmstars wie Marlon Brando, Harvey Keitel oder Robert de Niro erkenne man „schon dann, wenn er Luft holt", heißt es in der Ankündigung seiner Mallorca-Lesung. Da ist etwas dran. Christian Brückner wurde 1943 in Waldenburg/Schlesien geboren, studierte Publizistik, Germanistik und Theater­wissenschaft und ist nicht nur als Sprecher, sondern auch als Schauspieler und Unternehmer tätig: Gemeinsam mit seiner Frau Waltraud betreibt er zudem den Hörbuch­verlag Parlando. Entsprechend beschäftigt ist er auch: Gerade stand er für die Vertonung des neuen Robert de Niro-Films „Last Vegas" im Studio, im September erscheint sein neuestes Hörbuch: „Erinnerungen an eine Ehe" von Louis Begley.

Herr Brückner, Sie haben 2012 vom Deutschen Hörbuchpreis einen Sonderpreis für Ihr Lebenswerk erhalten – fühlt man sich da schlagartig alt?
Nein, überhaupt nicht. Ich fand das erstens richtig und zweitens lustig. Es ist schon schön, seine Arbeit über eine lange Zeit geschätzt zu sehen, Deswegen empfinde ich den Preis auch wirklich als Auszeichnung.

Sie haben in über 60 Filmen Robert de Niro synchronisiert – sorgt das manchmal für Irritationen, wenn an der Wursttheke plötzlich die Stimme eines Hollywod-Stars bestellt?
Das gehört in der Tat zu meinen täglichen Erlebnissen. Ich könnte auch drauf verzichten, aber die meisten Leute sind ganz freundlich. Worüber ich selbst staune: Viele sprechen mich mit meinem Namen an, kennen also auch mein Gesicht von der Bühne oder dem Bildschirm.

Im Oktober feiern Sie Ihren 70. Geburtstag – ändert sich die Stimme mit dem Alter?
Ganz eindeutig. Sie wird satter, fetter, breiter, auch brüchiger, letzten Endes vielleicht auch interessanter – das hoffe ich zumindest. Ein Bekannter sah unlängst einen ganz frühen Robert de Niro-Film und rief mich anschließend an: ´Warst du das damals auch?´ Er hatte meine Stimme nicht erkannt.

In dem Animationsfilm „Rio 2", der 2014 in die Kinos kommt, leihen Sie Ihre Stimme wie schon im ersten Teil einem Papagei. Wie unterschiedet sich das vom Synchronisieren echter Schauspieler?
Man moduliert die Stimme so, dass sie ganz erkennbar nicht einem wirklichen Menschen gehört. Sie bekommt fast etwas Über- oder Unmenschliches und verliert etwas von der realen Bescheidenheit, auf die ich sonst Wert lege.

Reale Bescheidenheit?
Wenn ich in meinen Jahren als Sprecher irgendetwas stilistisch mitgeprägt habe, dann ein Sich-Zurücknehmen beim Synchronisieren, also klein zu sein im Ausdruck – unauffällig, aber nicht ausdruckslos.

Sie arbeiten mit Sprache, setzen sie bewusst und gezielt ein – schmerzt es Sie manchmal, wie „die Jugend von heute" redet?
Die neue Sprache mit ihren eigenen Ausdrücken stört mich nicht. Was mich aber irritiert und traurig macht, ist die damit einhergehende sprachliche Verarmung. Ich möchte mit dem Programm unseres Hörbuchverlages da auch ein wenig gegensteuern, die Sprache hochhalten. Da ist durchaus auch neue und jüngere Sprache dabei, gerade bei den jüngeren amerikanischen Autoren.

Wie darf man sich dieses Gegensteuern vorstellen?
Mein Wunsch ist, dass die gesprochene Sprache zum Lesen und Denken anregt. Mit meinem Sprechen und Vorlesen will ich nicht nur erreichen, dass zugehört wird, sondern weitergehendes Interesse wecken. Dass sich die Zuhörer etwa denken: ´Wow, das war also von Don de Lillo – von dem möchte ich mehr lesen, den kaufe ich mir mal.´ Die Leute sollen nicht an mir genug haben.

Haben Sie eigentlich irgendwelche Wunschprojekte, die Sie gerne noch angehen würden?
Da gibt es ganz viele Sachen, die kann ich hier gar nicht alle aufzählen. Ich denke immer: Ich habe doch gerade erst angefangen. Das ist natürlich Quatsch, aber da ich bei jedem neuen Projekt bei Null anfange, kommt es mir manchmal eben so vor. Derzeit bereite ich mit Freunden eine Jazz-CD vor, auf der ich singe. Das dauert zwar noch ein bisschen, bis es soweit ist, aber ich freue mich schon sehr darauf.

Sie sind Mallorca-Fan ...
Ja, ich habe eine ganz starke Liebe zur Insel. Sie geht auf meinen ­allerersten Besuch zurück. 1965 war ich zwar noch nicht verheiratet, aber mit meiner heutigen Frau das erste Mal als Student hier im Urlaub. Wir fanden es beide grandios. Im Jahr darauf kamen wir wieder, Vollpension in Cala Ratjada – und es war schrecklich, eine einzige Baustelle, nie wieder ­Mallorca, ­haben wir uns geschworen!

Aber Sie kamen wieder ...
Quasi zwangsweise. 1989 bekam ich für ein paar Folgen ein Rolle in der Serie „Hotel Paradies" – und da kam die Liebe zur Insel dann erneut auf. Und sie ist bis heute geblieben.

Am Mittwoch lesen Sie auf der Kulturfinca in Lloret de Vistalegre Gedichte der deutschen Romantik – warum ausgerechnet die?
Ich habe eine Verbindung zur deutschen Romantik und werde neben den bekannten Vertretern wie Heine, Eichendorff und Mörike auch unbekanntere wie Friedrich ­Rückert lesen. Damit möchte ich zeigen, wie viele verschiedenen Richtungen die Romantik hervorgebracht hat und eben auch die Facetten aufzeigen, die man so nicht kennt.

Ihre Lesungen in Deutschland verbinden Sie oft mit Musik – was ertönt zu den Romantik-­Gedichten auf der Kulturfinca?
Gar nichts, da will ich es ganz ­ruhig. Die Finca ist ein ganz toller Ort, und auch so intim, dass dieses Programm genau das Richtige dafür ist. Ich bin dieses Mal zwar nur kurz auf Mallorca, aber lasse es mir nicht nehmen, diesen Abend für und mit Will Kauffmann zu machen.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 19. September (Nummer 698) lesen Sie außerdem:

- Club Suizo Balear wird 40
- Bike-Rock Mallorca in Porreres
- Zubin Mehta Im Zaubergarten: Stardirigent betört im Formentor



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