Mallorca trauert um Königsbäcker

Zum Tod von Miquel Pujol: Fast 50 Jahre im Dienst der Ensaimada

22.02.2014 | 09:01
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Mallorca trauert um Königsbäcker

Ein halbes Jahrhundert lang versorgte er seine Kunden mit Traditionsgebäck: Der Bäcker Miquel Pujol ist am Dienstag (18.2.) im Alter von 66 Jahren gestorben. Die MZ erinnert mit diesem Artikel anlässlich seiner Pensionierung an den bekanntesten Bäcker Mallorcas:

Glücklich wirkt Miquel Pujol nicht, wenn er erzählt, dass er am 30. Juni zum letzten Mal seine Bäckerschürze umbinden, Brot in den fast 400 Jahre alten Ofen schieben und die Ladentür von „Can Miquel" in der Calle Sa Pelleteria in Palmas Altstadtviertel Calatrava aufsperren wird. Aber irgendwann müsse eben Schluss sein. Bei ihm ist es jetzt so weit, mit „65 Jahren und sechs Monaten". Ginge es nach seiner Gesundheit, meint Pujol, hätte er schon viel früher aufhören müssen.

Mühsam sieht es aus, wenn er die Stiege aus seinem Büro rückwärts ins Erdgeschoss herunterklettert, das Back- und Verkaufsraum in einem ist. Laufen kann er nicht mehr gut, tiefe Furchen in seinem Gesicht zeugen von einem entbehrungsreichen, arbeitsamen Leben. Jeden Tag, auch sonntags, schuftet Pujol seit neunundvierzigeinhalb Jahren in seiner Bäckerei, von 5.30 Uhr bis 14 Uhr und dann noch einmal von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr.

Trotzdem: „Ich empfinde es eher als Bestrafung, dass ich Ende Juni schließen muss." Vieles wird ihm fehlen, allem voran die Gespräche mit den Menschen aus seinem Viertel. Er habe nicht viele Kunden gehabt, dafür aber sehr treue. An diesem Mittwochvormittag finden vor allem Schüler aus den nahe gelegenen colegios den Weg in seinen Laden. Miquel begrüßt sie mit einem unnachahmlich sonoren und in die Länge gezogenen bon dia. Alle sprechen ihn mit Namen an und fragen, wie es ihm geht.

Objekt der Begierde ist meistens die Spezialität des Hauses, süße Blätterteigteilchen namens cremadillo, gefüllt mit Vanillepudding, Schokolade oder Pfirsich. Die sind so lecker und berühmt, dass sogar die Königsfamilie eine Ladung nach Marivent beordert, wenn sie auf der Insel weilt.

Die königlichen Kalorienbomben sollen demnächst auch in einem Dokumentarfilm mit dem Titel „La vida dolça" (Das süße Leben) gewürdigt werden. Das Projekt angeschoben hat Marta Alonso, eine 32-jährige Journalistin aus Barcelona, die zwei Jahre lang Pujols Nachbarin war und immer wieder gesagt hatte: „Eines Tages drehe ich einen Film über dich und deine cremadillos." Alonso gesteht, sich in Miquel und seinen Laden „ein bisschen verliebt" zu haben. Da sie ihren Job beim Lokalsender IB3 verloren hat, produziert sie nun mit Freunden, Kollegen und Bekannten, die ebenfalls viel Zeit haben, eine 30-Minuten-Bäcker-Doku. Per Crowdfunding muss Alonso bis 15. Juli 7.000 Euro zusammenkratzen, damit sie das Projekt durchziehen kann. „Nach nur einer Woche haben wir schon 1.700 Euro. Ich bin optimistisch", sagt sie. Zumal Miquel kooperiert und seinen Laden später nochmal in Betrieb nimmt, um die Financiers zu belohnen.

Denn je nach Beitragshöhe winken Anreize: Für 15 Euro bekommt der Spender eine DVD und zwei Eintrittskarten für die Premiere (außerdem wird sein Name im Abspann des Films genannt), für 30 Euro eine Führung durch die Backstube mit Ensaimada-Verkostung, für 50 Euro einen cremadillo-Kurs mit Miquel plus Verkostung und für 100 Euro ein Abendessen für zwei Personen mit Spanferkel aus dem Ofen, Ensaimadas und Getränken.



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