Simon Licht: Ohne Dünkel schauspielert es sich besser

Der Schauspieler über Altersunterschiede in Beziehungen, die Herausforderungen seines Berufs und innovative TV-Serien

07.10.2014 | 10:27
Entspannten auf der Insel: die Schauspieler Theresa Krentzlin und Simon Licht im Hafen von Palma
Entspannten auf der Insel: die Schauspieler Theresa Krentzlin und Simon Licht im Hafen von Palma

Sein Gesicht kennt wohl die Mehrzahl der deutschen Fernsehzuschauer, seinen Namen nicht unbedingt. Doch damit geht Schauspieler Simon Licht gelassen-selbstironisch um: „Da kommt ja oft die Reaktion: ´Wer? Wicht?´", grinst der 48-Jährige am letzten Tag seines Urlaubs – mit seiner Lebensgefährtin Theresa Krentzlin (25) hatte er sich für eine Woche eine Yacht bei Bavaria Spain gechartert.

Während es für Krentzlin der erste Bootsurlaub war, verfügt Licht sozusagen über lebenslange Segelerfahrung: „Schon als Kind war ich mit meinen Eltern regelmäßig auf der Ostsee unterwegs", erzählt er. 2007 nahm er gar mit Profiskipper Jochen Schümann an den MedCup-Regatten teil, auch bei den mallorquinischen Rennen Copa del Rey und Palma Vela war Licht schon am Start – und wohnte jeweils für einige Zeit in der Inselhauptstadt.

Dass Krentzlin seine Leidenschaft für schnelles Segeln teilt, stellten die beiden erst hier fest: „Als wir dieser Tage sieben Knoten hatten und sie am Steuer stand, hat sie richtig aufgejuchzt", erzählt Licht stolz, und seine Lebensgefährtin, mit der er seit zwei Jahren zusammen ist, ergänzt augenzwinkernd: „Mir war zu Beginn schon ein wenig mulmig, weil man sich bei so einem Segelurlaub ja auch gut in die Haare kriegen kann – aber wir streiten uns normalerweise nie, und so war das auch hier."

Der nicht eben geringe Altersunterschied der beiden ist für sie kein Thema: „Dumme Sprüche hat es da noch nie gegeben. Oder zumindest keine, die uns wirklich zu Ohren gekommen sind", sagt er. „Klar gibt es Unterschiede, aber wir geben uns nie das Gefühl ´Ich weiß mehr als du´. Wir sind einfach auf der gleichen Wellenlänge und haben Spaß miteinander", meint sie. Ein wenig mulmig war Licht nur vor der ersten Begegnung mit ihren Eltern: „Aber wir haben uns gleich blendend verstanden, weil sie wohl einfach gespürt haben: Unserem Kind geht es gut in dieser Beziehung."

Auch ihre beruflichen Interessen teilen die beiden: Krentzlin ist gelernte Schauspielerin und versucht derzeit, als solche Fuß zu fassen. „Obwohl ich mir wohl nicht den besten Zeitpunkt dafür ausgesucht habe ? Zum Glück habe ich als Tanzlehrerin und Fitness­trainerin ein zweites Standbein, das nimmt den Druck raus," sagt sie.

Mit diesem Druck umzugehen, hat auch Licht gelernt. Der gebürtige Hannoveraner, der das Schauspielhandwerk in Wien gelernt hat, ist einer der Wenigen, die von dem Traumberuf tatsächlich leben können: „Ich bin praktisch seit 25 Jahren dauerbeschäftigt," sagt er. Das schaffe man aber nur ohne Dünkel: „Wenn ein Angebot kommt, dann mache ich das und gehe respektvoll an den Job ran."

Und das gelte eben nicht nur für anspruchsvolle Kinorollen. 2008 verkörperte Licht in Bernd Eichingers oscarnominierter Kinoproduktion „Der Baader Meinhof Komplex" den RAF-Anwalt Horst Mahler. „Danach dachte ich, jetzt geht die Karriere richtig los", erzählt er. Doch es folgten keine Anrufe aus Hollywood. Dafür wurde ihm eine Rolle in der ZDF-Telenovela „Wege zum Glück" angeboten. Und Licht griff zu: „Kein Kino-Regisseur besetzt mich, weil ich solche Formate ablehne, sondern wegen meines Typs. Diese Einstellung hat mich weit getragen." Und tatsächlich: In diesem Jahr stand er für Oliver Hirschbiegels neuen Film über Hitlerattentäter „Elser" vor der Kamera.

Zudem drehte er für die ZDF-Serie „Dr. Klein", die am kommenden Freitag anläuft und in der Licht eine der Hauptrollen spielt. Dabei, betont er, handelt es sich nicht um eine weitere Version der ausgelutschten Weißkittel-Serien: „Es ist eine dezidiert politisch-unkorrekte, aber charmante Familien­serie". Neben der namensgebenden kleinwüchsigen Oberärztin Dr. Klein, verkörpert von Christine Urspruch, sind auch ein schwuler Chefarzt, ein dunkelhäutiger Assistenzarzt und eine übergewichtige Oberschwester mit von der Partie – ein echtes Problem für den von Licht gespielten Mediziner Dr. Lang, der sich als „einzig normalen Hetero" wahrnimmt.

Dass ein solches Skript beim ZDF realisiert wird, ist für Licht eine klares Zeichen dafür, dass die Zeiten sich gewandelt haben: „Wir werden das Fernsehen nicht neu erfinden, aber mit dieser Serie sind wir auf einem verdammt guten Weg. Ich habe mich schon damals bei „Stromberg" gefreut, dass da mal eine ganz andere Richtung eingeschlagen wird, mit guten Geschichten und guten Leuten." Licht spielte in Staffel drei und vier der Comedy-Serie den Chef des kultigen Versicherungsangestellten. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern habe man mittlerweile bemerkt, dass das Publikum gar nicht so alt ist, wie es lange verkauft wurde, so Licht.

Mit dem eigene Alter geht er locker um: „Lustigerweise kommen, seit ich Mitte 40 bin, bessere und schönere Rollen. Ich hatte ja noch nie besonders viele Haare und fand das lange ziemlich schlimm. Aber jetzt ist offenbar alles am richtigen Platz, und das macht sich bemerkbar", grinst er.

Ab Oktober steht Licht seit Längerem mal wieder auf der Bühne: Die SWR-Erfolgsserie „Laible und Frisch" wird in Stuttgart als Theateradaptation gezeigt. „Für TV und Kino hört die Saison im Herbst auf, weil Wetter und Licht einfach nicht mehr mitspielen. In dieser Nebensaison besetzen die Schauspielhäuser dann gerne Boulevard-Stücke mit bekannten Gesichtern."

Und dann ist da noch ein Langzeitprojekt: „Kinder sind bei uns jetzt wirklich langsam ein Thema. Da merkt man irgendwann, dass man sich eben nicht mehr zehn Jahre Zeit lassen kann," sagt Simon Licht. Und die äußeren Umstände passen: „Unsere Eltern wohnen gerade mal 800 Meter voneinander entfernt in Hannover – das ist für die Kinderbetreuung ideal", schmunzelt Krentzlin.

Serienstart „Dr. Klein": ZDF,
10.10., 19.25-20.15 Uhr

Wiederholung „Der Baader Meinhof Komplex": RBB, 11.10., 23.05-
1.20 Uhr


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 2. Oktober (Nummer 752) lesen Sie außerdem:

- Gruseln jenseits des eselspfdes: Zombie-Dreh in der Tramuntana
- Eine Probefahrt im Rolls Royce
- Workshop mit Produzent Falk
- Trauer um Hella Maria Höfer

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