"Miss Turismo España": Ganz schön anstrengend

In Alcúdia treten am heutigen Samstag 19 Frauen an. Im Vorfeld hatten sie allerhand zu erledigen

11.10.2014 | 15:31
"Miss Turismo España": Ganz schön anstrengend

Ein halblautes Kichern schallt durch die Säulen der Ruinenstätte Pollentia, als eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung von Alcúdia sagt, dass sich zu Römerzeiten auch die Männer um die Augen herum schminkten. Die da lachen, sind die Teilnehmerinnen an der Endausscheidung für die „Miss Turismo España". Dieser Wettbewerb wird zum zweiten Mal in Folge in dem Ort mit der Stadtmauer ausgetragen, er folgte auf das krisenbedingt eingestellte „Miss España"-Schaulaufen. Auch „Miss Turismo Islas Baleares", die in Andratx wohnhafte Alexia Petrou (22), befindet sich unter den Schönen aus den 19 spanischen Autonomie­regionen inklusive Ceuta und Melilla. Sie werden von Programmpunkt zu
Programmpunkt geschleust, bevor am Samstag (11.10.) aus ihrem Kreis die neue Schönheitskönigin hervorgeht. Es ist Montag, und die anfangs etwas mürrisch dreinschauenden Mädchen werden zwischen den Säulen von Pollentia noch mit weiteren Details aus den Modevorlieben der Römer bei Laune gehalten.

„Ich bleibe auf dem Teppich", sagt auf einmal Alexia Petrou in ­perfektem Deutsch. Bereits kurz nach der Krönung der neuen Miss fängt die Tochter einer Deutschen und eines Zyprioten als Rezeptionistin in dem Hotel Can Cera in Palma an, und dies parallel zum Studium des Hotel-Managements an der Balearen-Uni. Dass Hollywood nicht gleich anruft, auch wenn sie gewinnt, ist Alexia klar, aber womöglich bringt es dieser Wettbewerb mit sich, dass ein paar Aufträge von Foto-Agenturen für Modeaufnahmen bei ihr eintrudeln. „Und das ist doch was Schönes."

Nach der Säulen-Besichtigung steht ein Empfang im Rathaus von Alcúdia an. Beim Wechsel von flachen zu Stöckelschuhen am Eingang zur Ruinenstätte mahnt Julio Albendea, Chef des umtriebigen Missen-Unternehmens, zur Eile. „Wir müssen alle Stationen pünktlich ­abhaken." Und so stöckeln die Schönen so wie es auf 14-Zentimeter-­Absätzen eben geht, durch die Fußgängerzone Carrer Major zum Rathaus, vorbei an Touristen und Einheimischen. Wiederholt ruft Julio Albendea in die zuweilen schnatterige Mädels-Menge: „Behaltet Eure Schärpen an, bitte". Ab und zu erschallen von Balkons und aus Gassen „Guapa"-Rufe, tätowierte Bauarbeiter bellen „holaaa", Urlauber lassen sich mit einigen der gertenschlanken und teils über 1,80 Meter großen 18- bis 26-jährigen Frauen fotografieren.

Im großen Saal des Rathauses mit rotgepolsterten thronartigen Stühlen unter einem Bild von Königin Letizia sagt Alexia Petrou mit ausgelassenem Lächeln: „Schon als Mädchen träumte ich davon, mal an so einem Wettbewerb teilnehmen zu können." Alles mache so richtig Spaß, zumal das Konkurrenzdenken unter den Beauties momentan noch nicht ausgeprägt sei. Alexia beißt auf einer Tapa herum. „Ich bin mit einigen hier schon freundschaftlich verbunden", sagt sie. Das sei auch wichtig, zumal sie sich im Hotel Bellevue, wo die gesamte Truppe wohnt, Doppelzimmer teilen. Erst kurz vor der Entscheidung werde man sich sicherlich distanzierter anschauen.

Im Beachclub Playero am Strand von Port d´Alcúdia – dem nächsten Programmpunkt – sind die Missen denn auch tatsächlich ausgelassen, obwohl ihnen verklickert wird, bloß nicht ihre Handys anzurühren. Die Anweisung wird ignoriert, es bilden sich Freundinnen-Grüppchen, und nach und nach fallen die kurzen Hosen sowie – zum Leidwesen von Missen-Dompteur Julio Albendela – einige Schärpen. Es kommen Bikinis oder Bade-Einteiler zum Vorschein. Am Strand werden zu Verwunderung von Urlaubern Posen einstudiert.

Alexia Petrou ist in dieser Hinsicht deutlich zurückhaltender als ihre Konkurrentinnen. Sie weiß, dass sie sich hier noch nicht produzieren muss. Sollte sie am Samstag im Yachthafen von Port d´Alcúdia gewinnen und an dem Wettbewerb zur Miss World teilnehmen dürfen, würde sie ihr Studium dennoch bis zum Abschluss durchziehen, sagt sie.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 9. Oktober (Nummer 753) lesen Sie außerdem:

- Wo Mallorca am deutschesten ist: Urlauben im Robinson Club
- Neues von der Insel-Society

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