Der Rolex-Jongleur, der im Knast landete

Wie ein wegen Betrugs verurteilter Belgier jahrelang als falscher Prinz die Insel-Bussis beeindruckte und dann ganz tief fiel

12.02.2015 | 02:30
Der Hochstapler (r.) 2009 auf einer Party

Auch heutzutage macht es in einschlägigen Kreisen noch immer mächtig Eindruck, wenn man sich als Prinz oder Herzog oder Blau­blut sonstiger Art vorstellt. Der heute 39-jährige Olivier ­Trusgnach aus dem ostbelgischen Genk jedenfalls kam mit dieser Masche sehr weit auf Mallorca. „Er nannte sich Prinz Olivier von Mecklenburg-Schwerin und behauptete, dass er ein Neffe des belgischen Königs sei", erzählt Berufs-­Partybolzen Esteban Mercer, der für die MZ-Schwester­zeitung „Diario de Mallorca" allsonntäglich die Society-Kolumne „La Nata y la Flor" erstellt.

Esteban Mercer ließ den vorgeblichen Aristokraten jahrelang in seiner Kolumne vorkommen – mal mit Brille, mal ohne, mal mit gegeltem Haar, mal ohne und immer in Begleitung von gestylten Mitgliedern der Party-­Gesellschaft auf der Insel. „Trusgnach kleidete sich stets sehr teuer und trug grundsätzlich diverse Rolex-Uhren", so Mercer. Um 2009 herum begann er als Leiter der Öffentlichkeits­arbeit für die Café-Kette Cappuccino zu wirken, die sich heute auf Nachfrage gar nicht mehr an ihren Angestellten erinnern will. „Wir möchten nicht, dass das publik wird", so Pressedame María Rumeu zur MZ. Der umtriebige Trusgnach gab dort auf Hochglanz-Papier die „Cappuccino-News" heraus. Im Impressum tauchte er kurioserweise regelmäßig mit seinem richtigen ­Namen auf.

Schweigsamkeit und schamhaftes Getue im Bussi-Bussi-Komplex der Insel kommen nicht von ungefähr, denn Trusgnach alias Prinz Olivier von Mecklenburg-Schwerin war nicht nur ein unechter Adeliger, sondern noch dazu ein geständiger Krimineller. Wie Esteban Mercer neulich reumütig in „La Nata y la Flor" verkündete, ist der Belgier am 13. Januar von einem Gericht in Oxford wegen Betruges zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden und sitzt jetzt im Gefängnis. Vom Jahr 2000 bis 2003 hatte er in dem nicht weit entfernt gelegenen Städtchen Witney für den Antiquitätenhändler David Harvey gearbeitet – und ihn mit mindestens 77 Schecks, auf denen er die Unterschrift seines Arbeitgebers fälschte, um 115.000 Pfund betrogen (nach heutigem Umrechnungskurs 153.000 Euro).

Mallorca statt Südsee
Als Harvey damals stutzig wurde, suchte Trusgnach das Weite, versackte aber nicht irgendwo in der Südsee oder in der Karibik, sondern nur zwei Flugstunden entfernt auf Mallorca, wo er sich ein Luxusleben mit edlen Kleidern, aber ohne dickes Auto (Esteban Mercer: „Der hatte gar keinen Führerschein"), gönnte. Dort gab er trotz eines europäischen Haftbefehls elf Jahre den Glamourtypen, ohne dass je Anstalten gemacht wurden, ihn festzunehmen. Laut der Londoner Zeitung ­„Telegraph" wohnte er in der Altstadt von Palma. Aus seinem Bekanntenkreis wurde der MZ von einem Insider zugeraunt, dass der homosexuelle Mann ein ausschweifendes Verhältnis mit einem Kubaner gehabt und bei der Schwulen-Prostitution eine Rolle gespielt habe. Und damit nicht genug: „Viele Partygäste auf der Insel wussten jahrelang sehr wohl, mit wem sie es zu tun hatten". Dieser zum Teil wohl vorsätzlichen Ignoranz ist sicher auch geschuldet, dass die Sache mit dem Adelstitel nicht schon viel früher als Schmu aufflog: Denn bei Mecklenburg-Schwerin handelt es sich um ein Geschlecht, das 2001 mit dem Tod seines kinderlosen letzten Vertreters mit 91 Jahren, Friedrich Franz Herzog zu Mecklenburg, ausstarb.

Im Juli des vergangenen Jahres schließlich endete das Spiel des Olivier Trus­gnach. Er wurde festgenommen, zunächst nach Madrid überstellt und dann nach Groß­britannien ausgeliefert. Sein letzter Facebook-Eintrag unter einem weiteren Pseudonym – Oliver Twist – datiert vom 22. Juni.

Bereits vor dem Betrugsakt beim Antiquitätenhändler war Trusgnach offenbar ein schlimmer Finger: 1995 arbeitete er laut der „Witney Gazette" in Belgien als Rezeptionist in einem Hotel namens Scholteshof, das damals dem Starkoch Roger Souvereyn gehörte – und verschwand spurlos mit Juwelen, Schecks und Silberbesteck. Dort habe er sich mit gefälschten Abstammungsdokumenten – darunter einem Papier des Blenheim-Palastes in Oxfordshire – als „Baron Trusgnach von Mecklenburg-Schwerin" vorgestellt. Dem Blatt zufolge erleichterte er damals zudem seine Eltern und seine Großmutter um etwa 20.000 Euro.

1996 – zu Zeiten des Skandals um den Päderasten Marc Dutroux – beschuldigte er den ­belgischen Politiker Elio di Rupo fälschlicherweise, Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt zu haben, als er noch minderjährig gewesen sei. Es entstand ein Medien-Bohei und es kam sogar zu einem Prozess. An Elio di Rupo blieb nichts hängen, er amtierte zwischen 2011 und Oktober 2014 als belgischer Premier.

Fantasievolle Quaselstrippe
Zum 1A-Bussi-Inventar von Mallorca wurde Olivier Trusgnach nicht nur wegen seines Geprotze mit Adelstiteln, sondern sicherlich auch wegen seines einnehmenden Charakters. „Er bestimmte alles und redete viel", sagt ein die Partyszene punktuell aufsuchender Insel-Fotograf, der ihn und Cappuccino-Chef Juan Picornell im Jahr 2010 kennenlernte. Andere beschreiben Olivier Trusgnach ebenfalls als eloquent und wortgewandt, aber auch – wie sein ehemaliger Chef Souvereyn – als dampfplaudernden „Phantasten". Trusgnachs Mutter äußerte sich drastischer über ihren missratenen Sohn: Der belgischen Zeitung „La dernière heure" sagte sie wenig feinfühlig, er habe „eine Schraube locker".


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 5. Februar (Nummer 770) lesen Sie außerdem:

- Coworking auf Mallorca: Arbeiten, netzwerken, babysitten
- "Sex bitte nur in der Suite": Hotel und Insel-Freund Carsten K. Rath schreibt Buch
- Wo Mallorca am deutschesten ist: deutsche Residenten bei deutschen Medizinern

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