Schinkenstraße: Dicke Luft trotz schönem Schein

An der Playa macht sich der Ibiza-Style breit. Zugleich rückt die Grupo Cursach dem Bierkönig auf die Pelle. Das riecht nach Ärger

20.04.2015 | 09:49
Noch fast im Winterschlaf: Abgesehen vom Bierkönig sind viele Lokale an der Schinkenstraße derzeit noch geschlossen.

Ein Stein der Berliner Mauer kostet bis zu 500 Euro – da ist ein Stück Schinkenstraße mit maximal 139 Euro also vergleichsweise günstig. Außerdem sind die Asphalt­klumpen, auf denen in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Partyurlauber herumliefen, Sangria verschütteten oder erbrachen, stark limitiert. „Da klebt bestimmt noch der ein oder andere Ketchuprest dran", sagt Oliver Lipp, Betreiber der Website malleBZ und Erfinder der grandiosen Geschäftsidee, amüsiert.

Die Steine habe er von ein paar Bauarbeitern geschenkt bekommen, erzählt Lipp. Denn auf der Hauptpartymeile des Ballermanns wurde über den Winter fleißig gewerkelt. Im vorderen Abschnitt der Schinken­straße, die in Wirklichkeit Carrer Pare Bartomeu Salvà heißt, wurden neue Leitungen verlegt, das Pflaster erneuert und ein Rondell in der Mitte des kleinen Platzes gegenüber der Strandpromenade entfernt.

Ins Auge stechen aber vor allem die neue, wesentlich dezentere Fassade der Diskothek Paradies, an deren Front bald ein großer Kebab-Laden eröffnen wird, sowie das frisch renovierte Hotel Riu San Francisco im Hintergrund. Und natürlich das völlig umgebaute Restaurant Linos, das nun in schlichtem Weiß erstrahlt und der in die Jahre gekommenen Urlauber­hochburg wohl einen Hauch von Ibiza-Style verleihen soll – worauf auch zahlreiche andere aufgehübschte Lokale in der näheren Umgebung schließen lassen: Die Meeresfront der Playa de Palma wird seit Neuestem von viel Weiß, Sitzmöbeln in Rattan- und Lounge-Optik und Sonnensegeln geprägt. Dass am Linos auch die Billig-Marquise mit der Aufschrift „Schinkenstraße 1" weichen musste, passt nur zu gut ins Bild der Kampagne für mehr Qualitätstourismus, die Palmas Stadtregierung inzwischen immer vehementer verfolgt. Abzüge in der B-Note dürfte es hingegen für die an der selben Stelle installierte Wurstbude geben.

Ihre Anwesenheit erklärt sich jedoch von selbst, wenn man hinter die Kulissen des neuen Linos blickt. Das Lokal, das bisher ein mallorquinischer Gastronom betrieb, ist nun von der Cursach-Gruppe übernommen worden. Und zu der gehören neben dem MegaPark und einigem mehr auch die roten Wurstkönig-Imbisse sowie die Disco Paradies und die neue Döner-Bude. Die erste Hälfte der Schinkenstraße ist damit fest in Cursach-Hand. Auf der anderen Seite der Kreuzung beginnt das Bierkönig-Imperium der Bibiloni-Brüder.

Doch auch das wird nun von einem ehemaligen Cursach-Mitarbeiter aufgemischt: Radja Dalimonthee, ein Urgestein an der Playa und nach eigenen Angaben seit 1981 für Unternehmensgründer Tolo Cursach tätig (unter anderem als Geschäftsführer des Riu Palace), ist neuer Event- und Künstlermanager im Bierkönig. „Ich konnte mich in letzter Zeit nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren", begründet der 73-Jährige seinen Wechsel. Vor allem seit der „große Boss" Tolo Cursach aus der Geschäftsführung ausgeschieden sei, habe sich vieles geändert – nicht unbedingt zum Positiven. „Als Toni mir diesen Job angeboten hat, nahm ich deshalb gerne an", sagt Dalimonthee – und meint damit denjenigen der Bibiloni-Brüder, der nun offenbar den Bierkönig leitet, seit der andere Ende Februar im Rahmen der Ermittlungen rund um den Bestechungsskandal an der Playa vorübergehend festgenommen wurde.

Sein Engagement bei der Grupo Cursach, die er in den vergangenen Jahren trotz Ruhestand noch tatkräftig unterstützte, kündigte Dalimonthee daraufhin. Die Gerüchte, dass er und Tolo Cursach im Streit auseinander­gegangen seien – angeblich soll es zu einer lautstarken Auseinandersetzung im Linos gekommen sein –, weist er jedoch zurück. „Wir haben uns wie Gentlemen voneinander verabschiedet. Wir sind seit vielen Jahren gute Freunde, und daran wird sich auch nichts ändern."

In helle Aufruhr versetzt hat die Personalie die bisherige Bierkönig-Bookerin Beatrice ­Ciccardini, die laut Dalimonthee ab jetzt nur noch für das Programm in der Diskothek Oberbayern zuständig ist. „Ich und mein Ex-Mann wissen von nichts, aber ich höre bestimmt nicht auf", sagt die frühere Frau des vorübergehend festgenommenen Bierkönig-Chefs. „Das hat gar keinen Sinn: Was soll der denn besser machen als ich?", fragt sich Ciccardini. Es könne sich allenfalls um ein Komplott ihres Ex-Schwagers Toni handeln.

Dalimonthee verspricht indes bereits „rein positive" Veränderungen, was das Programm im Bierkönig angeht. Dass dort künftig auch die Stars, die er früher für den MegaPark buchte, auftreten werden, schließt er allerdings aus. „Die Musiker, die mit Cursach einen Vertrag haben, bleiben bei Cursach. Wir holen uns schon unsere eigenen Leute."

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