Zum Tod von Pino Persico: das MZ-Interview mit dem Promi-Wirt

Der am Sonntag (21.6.) verstorbene Persico erzählte der Mallorca Zeitung im November 2009 aus seinem Leben und von seinen prominenten Gästen

22.06.2015 | 16:15

Lässig, im beigen Wollpullover und Jeans, kommt Giovanni ­Persico auf die Terrasse seines Restaurants Campino im Golfclub von Camp del Mar. Bestellt Espresso und Zigaretten, während er erzählt...

Wie kommt ein Italiener nach Mallorca?
Auf Umwegen. Als ich 14 war, zogen meine Eltern als Gastarbeiter von Kalabrien nach Nürnberg. Dort habe ich meine Liebe zur Gastronomie entdeckt. Und in allen Bereichen gearbeitet: in der Küche, an der Bar, als Kellner. Ich habe sogar Fußböden geschrubbt. Später habe ich einige erfolgreiche Lokale geführt. Mit 34 war ich ´reif für die Insel´. Ich wollte meine Leidenschaft unter südlicher Sonne ausüben.

Italien kam nicht in Frage?
Dort wäre ich einer von 60 Millionen Italienern gewesen! Auf Mallorca war ich bereits öfter als Tourist, auch zum Golfspielen. Eine Bekannte überzeugte mich, doch herzukommen. 1998 war es so weit: Ich eröffnete die Pizzeria ´Pavarotti´ in Andratx. Dort lernte ich Stefan Blöcher vom Golf­resort Golf de Andratx kennen. Er fragte mich 1999, ob ich das Restaurant des Golfclubs betreiben wollte. Mit dem Dorint-Hotel als Nachbarn hatte ich eine gute Basis.

Privat sind Sie seit zweieinhalb Jahren mit Estefania Küster (30), der Ex-Freundin von Dieter Bohlen, liiert. Führen Sie noch eine Fernbeziehung?
Estefania hat zwar noch einen Wohnsitz in Hamburg, ist aber die meiste Zeit bei mir. Wir sind glücklich, danke der Nachfrage. Darüber hinaus möchte ich nicht über mein Privatleben sprechen.

In Ordnung. Wie haben Sie es eigentlich geschafft, so viele prominente Gäste in Ihr Restaurant Campino zu locken?
Viele Sportler kamen zu Beginn, weil sie Stefan Blöcher (Ex-­Hockeyvizeweltmeister) kannten. Aber irgendwie hatte ich schon immer einen guten Draht zu Prominenten. Meine Lokale in Nürnberg wurden glücklicherweise immer zu In-Treffs (lacht).

Was zeichnet denn einen sogenannten Promi-Wirt aus?
Die Begeisterung für Kulinarisches mit dem Service und der Gastfreundschaft zu einem Gesamterlebnis für meine Gäste zu verbinden. Jedem das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Eine lockere Atmosphäre. Und ein großes Interesse für Menschen und ihre Geschichten. Ich bin immer noch neugierig, höre so gerne zu wie am ersten Tag.

Klingt, als wären Sie manchmal auch Therapeut oder Beichtvater für Ihre Gäste?
Sicher. Aber genauso sicher ist, dass ich Geheimnisse für mich behalte.

Mit Boris Becker sind Sie befreundet. Spielen Sie auch mit ihm Tennis?
Das würde ich mir nicht antun! Lieber und eher auf Augenhöhe spielen wir zusammen Golf.

Gibt es keine Sonderbehandlung für Stars?
Die Sonderbehandlung besteht bei uns darin, dass sie bei uns ganz normal behandelt werden. Manche, die es gewohnt sind, dass man ihnen in der ganzen Welt den roten Teppich ausrollt, fordern natürlich schon ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Aber die bekanntesten mögen es am liebsten, wenn man keinen Wind um sie macht.

Über welchen Gast haben Sie sich am meisten gefreut?
Natürlich freue ich mich über alle Gäste, die nett sind. Aber eine besondere Ehre war der Besuch von König Juan Carlos.

Er spazierte einfach so herein?
Nein. Die Sicherheitsleute riefen Wochen vorher an, wollten Pläne vom Haus mit Fluchtwegen haben. Ich fragte: Macht ihr immer so einen Aufwand? Und sie antworteten: Das ist für uns Urlaub! Der Aufwand bei großen Ereignissen ist ganz enorm.

Wie war der König denn?
Sehr beeindruckend, eine außergewöhnliche Persönlichkeit! Er fuhr selbst in einem Sportwagen vor. Kurz darauf folgte die Königin mit ihrem Bruder, Ex-König Konstantin von Griechenland. Sie waren ganz natürlich. Mit Juan Carlos sprach ich Italienisch, das er perfekt beherrscht.

Was gab es zu essen?
Zu Ehren seiner Frau und ihres Bruders gab es ein griechisches Gericht: Moussaka.

Mallorca trauert um den Promi-Wirt Pino Persico

Kochen Sie auch privat gerne?
Leidenschaftlich. Vor allem asiatisch. Aber natürlich auch italienisch. Und ich mag deftige deutsche Kost: Auf der Karte gibt es auch Nürnberger Rostbratwürste.

Sind Sie nach elf Jahren immer noch begeistert von Mallorca?
Ja, für mich ist es ein Paradies. Ein wunderschöner, sicherer Ort. Mein Zuhause. Trotz der Anschläge in diesem Sommer.

Waren Sie besorgt?
Ja, natürlich. Als ich davon hörte, bin ich sofort aus dem Wasser in Badehose ins Restaurant gelaufen, habe alles überprüft, sogar die ­Toiletten. Zum Glück ist das fast vergessen. Und völlige Sicherheit gibt es nie und nirgends.

Mallorca leidet unter der Krise. Sie auch?
Sicher. Gäste, die sonst vielleicht dreimal im Monat kamen, kommen jetzt nur noch einmal. Aber ich finde, dass wir auf sehr hohem Niveau jammern.

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