Barbarito Torres vom Buena Vista Social Club: "Die Musik ist meine Familie"

Mit 60 Jahren ist der Gitarrist das Küken unter den Originalmitgliedern der Band. Die Abschiedstournee führt ihn jetzt auch nach Mallorca

22.07.2015 | 18:41
Barbarito Torres und seine Laute – live spielt er sie gern auf dem Rücken

1996 macht sich der US-Gitarrist Ry Cooder auf den Weg nach Kuba und schart unter dem Namen Buena Vista Social Club gemeinsam mit Juan Marcos de González vergessene Musikstars der 40er und 50er Jahre um sich. Der Rest ist Geschichte: das berühmte Album, der Film von Wim Wenders, der weltweite Ruhm. Compay Segundo, Rubén González und Ibrahim Ferrer sind mittlerweile tot, doch die anderen sind – mit jüngerer Verstärkung – noch im Geschäft. Jetzt geht es auf eine Abschiedstournee, die am 23. Juli auch in Port Adriano Station macht (22 Uhr, Tickets für 42, 85 oder 125 Euro u. a. bei ticketmaster.es). Die letzte Gelegenheit, um die große Omara Portuondo und die kunstvollen Einlagen des Lautenspielers Barbarito Torres zu bewundern? Wir haben bei dem damals jüngsten und heute 60-Jährigen nachgefragt.

Die Tour heißt „Adiós" – ist das wirklich Ihre Abschiedstour?
Ja, sieht so aus ... (lacht).

Wie fühlt sich der Abschied an?
Ich stehe seit 45 Jahren auf der Bühne und habe drei Familien: die Musik, das Publikum und die Familie, die ich gegründet habe. Es wird für mich kein endgültiger Abschied, ich habe noch Energie für die Arbeit. Wir werden andere Projekte machen – mal sehen, wann wir uns wieder zusammenfinden. Ich werde mir eine Auszeit von der Bühne gönnen, um Zeit mit meiner echten Familie zu verbringen. Elf Monate des Jahres bin ich mit meinen beiden anderen Familien unterwegs – der Musik und dem Publikum.

Wie ist es in all den Jahren gewesen, der Jungspund unter älteren und bekannteren Musikern wie Compay Segundo oder Rubén Gonzalez zu sein?
Eine unglaubliche Ehre, ich konnte all diese Leute beobachten. Stellen Sie sich vor – mich plötzlich neben ihnen spielen zu sehen, das war großartig.

Welchen Einfluss hatte das auf Ihre Musik?
Ich habe viel von ihnen gelernt, mir viel abgeschaut, ihre Ratschläge befolgt. Sie waren sehr wichtig für mich.

Gibt es etwas, an das Sie sich besonders gern zurückerinnern?
Wie nicht? Ich komme ja aus der Provinz Matanzas. Es war Compay Segundo, der mich nach Havanna gebracht hat. 1977 hat er mich spielen sehen und mich mitgenommen, um mit ihm zu arbeiten. Ich habe bei ihm gewohnt.

Hatten Sie eine gute Zeit?
Natürlich! Wir haben immer Musik gemacht, uns unterhalten, und Compay hat mir Tipps gegeben. Er war einer meiner besten Freunde.

Der Sänger Puntillita hat Sie „Der Stolz von Matanzas" genannt – wie stolz hat Sie das gemacht?
Sehr (lacht). Zumal es in Matanzas viele sehr gute Musiker und Musik gibt. Die Rumba kommt beispielsweise aus Matanzas.

Sie spielen die Laute – welchen Klang verleiht das Instrument der kubanischen Musik?
Mein Instrument ist führend in der musica campesina, der kubanischen Countrymusik. Aber ich habe die Laute auch in anderen Musik­richtungen und Formationen gespielt – in Trios, Quartetten und großen Orchestern – und sie so außerhalb ihres für Kuba typischen Umfelds eingesetzt.

Sie hatten immer mehrere Projekte. Mit wem werden Sie nach der Tour spielen?
Seit 1992 habe ich mit „Barbarito Torres y su Piquete Cubano" drei CDs veröffentlicht. Dort spielen mein Sohn, meine Tochter, meine Schwester, meine Frau – es ist ein Familienprojekt.

Sie spielen auch Latin Jazz – wie ist das, verschiedene Stile zu bedienen?
Ich habe eine Lieblingsmusik: die Musik. (lacht) Ich wurde geboren, um alles zu spielen. Immer wenn ich an einem anderen Ort bin, erkundige ich mich über seine Musik. Ich habe CDs aus allen Ecken der Welt, ein ganzes Zimmer voll.

Sie sind berühmt dafür, dass Sie Ihr Instrument auf dem Rücken spielen – wann haben Sie das zum ersten Mal gemacht?
Bei einem Konzert in Kolumbien vor vielen Jahren, ohne es zu planen. Ich rief dem Sänger zu: „Halt mal!" Dann habe ich die Laute auf den Rücken gedreht und gespielt. Das hat wunderbar funktioniert, das Publikum war begeistert und hat viel applaudiert. Heute rufen die Leute mir zu: „Dreh dich um! Dreh dich um!" Für den Film („Buena Vista Social Club" von Wim Wenders, Anm. d. Red.) habe ich das auch gemacht, weil Juan de Marcos (der Produzent, Anm. d. Red.) davon wusste. Ich wollte zuerst nicht. „Nein, nein, nein", habe ich gesagt und er: „Doch, doch, mach es!" Seither bitten mich die Leute darum, weil sie es im Film gesehen haben.

Das Ende dieser Tour führt Sie in die USA. Ist die politische An­näherung im Alltag in Havanna zu spüren?
Nein, das ist bisher nur Gerede. Man weiß noch nicht, was daraus wird. Ein paar Dinge wurden bereits autorisiert, die US-Botschaft soll bald öffnen und mehr amerikanische Touristen kommen. Aber bisher wurde weder das Embargo aufgehoben, noch passierten viele andere Dinge, die passieren sollten.

Sie setzen auf der Tour Fotos und Videos von den Mitgliedern des Buena Vista Social Club ein, die nicht mehr leben – welchen Effekt hat das?
Es ist sehr schön, wenn die Leute die Bilder von Compay, Rubén oder Ibrahim sehen, erinnern sie sich an sie. Wenn wir dann gleichzeitig spielen, ist das eine Hommage an diejenigen, die nicht mehr leben.

Macht Sie das auch traurig?
Manchmal ja. Dann schaust du nach hinten, siehst sie und bekommst Sehnsucht. Wir sprechen aber ständig über sie, weil sie tolle Menschen waren. Viele der Anekdoten sind sehr komisch und wir lachen viel. So sind sie ständig präsent.

Worauf kann sich das Publikum bei Ihrem Konzert hier freuen?
Eine Mischung aus neuen Liedern und alten Hits. Wir geben immer alles – Herz, Leben und sabor.

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