"Wir dürfen nicht mehr so oft fliegen"

Felix Finkbeiner ist 17. Für das Klima engagiert er sich, seitdem er 9 ist. An diesem Wochenende präsentiert er auf Mallorca seine Kampagne "Plant-for-the-Planet", mit der weltweit eine Billion Bäume gepflanzt werden sollen.

10.10.2015 | 08:37
Pflanzt Bäume, und das milliardenfach: Felix Finkbeiner.

Alles fing 2007 mit einem Referat über den Klimawandel für die Schule an. Felix Finkbeiner war damals neun Jahre alt. Der Junge aus Pähl (Oberbayern) hatte eine Idee: Kinder sollen genügend Bäume pflanzen, um den hohen CO2-Ausstoß in den Griff zu bekommen. Acht Jahre später hat die daraus entstandene Initiative Plant-for-the-Planet über 15 Milliarden Bäume gepflanzt. Über 100.000 Kinder haben sich schon daran beteiligt. Und der 17-jährige Finkbeiner, der junge Mann mit der Brille und dem strahlenden Lächeln, studiert mittlerweile in London und will bis 2020 eine Billion Bäume gepflanzt haben „Ich nehme mein Engagement nicht als Arbeit wahr", sagt er. Am Wochenende (3./4.10.) ist er beim Erziehungskongress „Educació per la vida" in Pollença, bereits am Freitag (2.10.) spricht er in Alaró (siehe Kasten).

Sie haben Plant-for-the-Planet vor acht Jahren ins Leben gerufen und bereits über 15 Milliarden Bäume gepflanzt. Wie hat sich die Schadstoffbelastung seither verändert?
Ein ausgewachsener Baum bindet pro Jahr zehn Kilogramm CO2, die im Rahmen unserer Initiative gepflanzten Bäume binden also pro Jahr 150 Millionen Tonnen CO2.

Wie hat sich die Klimapolitik in dieser Zeit verändert?
Die Erwachsenen verhandeln länger über Klima, als wir alt sind. Es gibt immer wieder Hoffnungsschimmer, wie das Versprechen vom G7-Gipfel in Elmau im Sommer dieses Jahres, dass die Welt bis Ende dieses Jahrhunderts ganz ohne Kohle, Gas und Erdöl für die Energiegewinnung auskommen wird. Die Zahlen sprechen aber leider eine andere Sprache. Die Kohle erlebt eine Renaissance. Alleine mit dem CO2-Ausstoß der Kohlekraftwerke, die heute alle geplant sind, werden wir den Anstieg der Durchschnittstemperatur von 2°C erreichen. Das ist eine Katastrophe für die drei Milliarden jungen Menschen dieser Erde für die das Jahr 2100 noch in ihrer Lebenszeit liegt. Wir müssen endlich begreifen, dass wir so nicht weitermachen können.

Jedes Jahr starten und landen etwa 172.000 Flugzeuge auf ­Mallorca. Wie viele Bäume müssten wir pflanzen, um allein das zu kompensieren?
Ein Kurzstreckenflug stößt elf Tonnen CO2 aus, ein Mittelstreckenflug 30 und ein Langstreckenflug 70 Tonnen CO2. Wenn wir 40 Tonnen CO2 pro Flug ansetzen, multipliziert mit 172.000 Starts und Landungen sind das knapp sieben Millionen Tonnen CO2. Jeder Baum bindet zehn Kilogramm, damit müsste Mallorca 700 Millionen Bäume pflanzen. Weil die Insel zu klein für so viele Bäume ist, sollten sie in Ländern des Südens pflanzen, wo Arbeitsplätze geschaffen werden. Viel wichtiger als Bäume pflanzen ist es, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Auch wenn wir es nicht hören wollen: Wir dürfen nicht mehr so oft fliegen.

Wie oft überlegen Sie, ob Sie ein Flugzeug nehmen oder ob Sie lieber eine internationale Konferenz sausen lassen?
Innerdeutsch immer und meist auch innereuropäisch nehme ich den Zug. Letztes Wochenende bin ich von London nach Dortmund und zurück mit den Zug gefahren. Wenn ich als Redner angefragt werde, kläre ich immer erst ab, ob ich nicht auch eine Videobotschaft schicken oder per Skype zugeschaltet werden kann. Oft kann mich auch ein Botschafter vertreten, der näher am Veranstaltungsort lebt.

Was muss man tun, um Kinder dazu zu bringen, sich an Aktionen für eine Sache zu beteiligen, deren Dimension sie vielleicht nur im Ansatz verstehen?
Kinder verstehen ganz genau, dass die Klimaerwärmung so nicht weitergehen kann. Sie verstehen das vielleicht sogar besser als manche Erwachsene. Die meisten Kinder aber sind begeistert, wenn sie merken, dass wir ihnen Lösungen aufzeigen und sie in unseren Akademien das Handwerkszeug bekommen, um selbst aktiv zu werden gegen die Klimakrise. Ich hatte auch nie den Eindruck, dass die Kinder den Inhalten nicht folgen können. Dass wir durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe die Atmosphäre aufheizen und dadurch unser aller Lebensgrundlage gefährden, erschließt sich schon Grundschulkindern.

Wie schafft man es als Kind von Erwachsenen ernst genommen zu werden, wenn man ein solches Projekt ins Leben ruft?
Die meisten Erwachsenen nehmen uns ernst, aber Bequemlichkeit und Ignoranz sind zwei menschliche Charakterschwächen, warum sie dennoch nicht handeln. Manche ältere Erwachsene wissen, dass sie nicht mehr von der Klimakrise betroffen sein werden. Warum sollten sie etwas ändern? Heute reichen einer politischen Partei die Stimmen der Rentner, um eine Wahl zu gewinnen. Erst ein Kinderwahlrecht wird die Politik nachhaltiger machen. Wir jungen Menschen in den reichen Ländern werden uns mit den jungen Menschen in den ärmeren Ländern zusammenschließen müssen, um damit die demokratische Mehrheit auf diesem Planeten zu bekommen.

Kongress "Erziehung zum Leben"
Finkbeiner kommt im Rahmen des Erziehungskongresses „Educació per la vida" nach Mallorca (Kloster Santo Domingo in Pollença, C./ Guillem Cifre de Colonya, 3./4.10., Teilnahme: 100 Euro, Infos unter pocapocmallorca@gmail.com und Tel.: 605-55 87 80). Dort tritt er nebst Rednern wie dem belgischen Unternehmer Gunter Pauli und dem ehemaligen Bildungsminister von Buthan, Thakur S Powdyel, auf. Bereits am Freitag (2.9., 19 Uhr) spricht er in Son Fortesa (Camí Vell d´Orient, bei Alaró, Infos Tel.: 687-90 78 82).

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