Das wahre Gesicht des Darth Vader

Der Brite David Prowse gab in den ersten Star Wars-Filmen den Bösewicht. Ein mallorquinischer Film erzählt nun von dem Mann hinter der Maske

18.11.2015 | 10:37
So sieht das Böse schlechthin aus: Darth Vader.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass die Insel-Regisseure und Star-Wars-Fans Toni Bestard und Marcos Cabotá bei einem Essen auf den pechschwarzen Bösewicht Darth Vader zu sprechen kamen. „Wir hatten den Mann unter der schwarzen Maske, David Prowse, 2004 beim Filmfestival in Sitges kennengelernt und fragten uns, ob je etwas über ihn gedreht wurde", erinnert sich Cabotá gegenüber der MZ. Nein, seine Geschichte war noch nicht erzählt worden. Und so setzten sich die beiden in den Kopf, einen Dokumentarfilm über den in Vergessenheit geratenen Engländer zu drehen. Der 82-Minüter namens „I Am Your Father" ist wie geplant rechtzeitig vor dem Start des nächsten Teils von George Lucas´ Science-Fiction- und Fantasy-Reihe. „Das Erwachen der Macht" kommt am 18. Dezember in die spanischen Kinos.

In „I Am Your Father" wird geschildert, wie es dem inzwischen schon 80-jährigen zwei Meter hohen und 118 Kilo schweren Bodybuilder Prowse ab 1977 – damals kam der erste Film der Reihe in die Kinos – als Darth Vader erging. Er verkörperte den wortkargen Bösewicht mit der fast unendlich tiefen Stimme auch in den beiden folgenden Filmen – „Das Imperium schlägt zurück" (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983).

Stimme ausgetauscht
„Wir stellen heraus, wie schlecht sich David Prowse von Lucas behandelt fühlte", so Toni Bestard (42) zur MZ, der sich denn auch nicht wundert, dass der Star-Regisseur für Auskünfte nicht zur Verfügung stand. „Weil ihm Prowses westenglischer Akzent nicht gefiel, wurde seine Stimme einfach durch die eines anderen ersetzt." Prowse habe davon erst am Tag der Uraufführung des ersten „Star Wars" erfahren, jenem Kassenschlager, in welchem sich der damals blutjunge Harrison Ford der Welt als der durchs All ­jettende Schmuggler Han Solo bekannt machte und in dem Alec Guinness als Obi-Wan Kenobi Darth Vader bekämpfte.

Das Verhältnis verschlechterte sich, da Lucas Prowse vorwarf, vor der Uraufführung von „Das Imperium schlägt zurück" ausgeplaudert zu haben, dass Darth Vader der Vater des von Mark Hamill gespielten Commanders Luke Skywalker sei. Eine falsche Anschuldigung, wie Toni Bestard und Marcos Cabotá in ihrem Film zu beweisen suchen.

Bei den Dreharbeiten zum dritten Star Wars-Film „Die Rückkehr des Jedi" wurde Prowse erneut gedemütigt: Als nämlich Darth Vader die Gesichtsmaske abgenommen wird – eine von den Star Wars-Jüngern immer wieder gern ins Gedächtnis gerufene Szene – blickt einem nicht Prowses schielendes Antlitz entgegen, sondern das eines anderen Mannes. Noch 2010 wurde Prowse verboten, einem offiziellen Star-Wars-Groß-Event beizuwohnen.

Kraftprotz Prowse hatte bereits vor seinem Engagement für Lucas im Filmgewerbe Erfahrung gesammelt – in Streifen wie dem legendären Schocker „Clockwork Orange" von Stanley Kubrick, in welchem er eine Nebenrolle hatte, oder in der britischen Monster-Parodie „Horror of Frankenstein" von 1970.

In den 60ern hatte er versucht, niemand geringeres als Mister Universum zu werden, sah jedoch davon ab, weil andere ihm sagten, dass seine Füße hässlich seien. Wenn in einem Theater ein starker Mann gebraucht wurde, war er zur Stelle. Später wurde Prowse immerhin britischer Meister im Gewichtheben, und als solcher trainierte er den Ende der 70er als Superman berühmt gewordenen und später nach einem Reitunfall querschnittsgelähmten Schauspieler Christopher Reeve.

Ein Gentleman
„Wir riefen David Prowse in seinem Wohnort London-Croydon einfach an", erinnert sich Marcos Cabotá an den Beginn der Zusammenarbeit. „Er ist ein sehr zuvorkommender, gut erzogener englischer Gentleman und er lud uns wider Erwarten sofort ein, um sich mit ihm zu treffen." Prowse ist in der ganzen Welt unterwegs und nimmt an Star-Wars-­Treffen teil. „Von dem, was er dort einnimmt, lebt er", sagt Cabotá.

Im März 2013 legten die Filmemacher mit den Dreharbeiten los. Es ging nach London, nach Miami und in die Ruhrgebietsstadt Essen. Prowse agierte auch auf Mallorca, an der ­beeindruckenden Steilküste nahe der Maioris-­Siedlung südöstlich von Palma und im Inselinneren, „wo wir eine ganz spezielle Szene drehten, über die wir noch nichts verraten wollen", wie Toni Bestard sagt.

Erst bei der Insel-Uraufführung des Streifens im Ocimax-Kino in Palma am 20. November, zu der neben den Regisseuren alle möglichen verkleideten Star-Wars-Jünger erwartet werden, sollen die Besucher erfahren, was es damit auf sich hat. Der Streifen wurde bereits vor einigen Wochen auf dem Festival von Sitges gezeigt und wird vielleicht ins Rennen um die spanischen Oscars, die Goyas gehen, wenn er denn den
Auswahlprozess übersteht.

R2D2, Joda, Chewbacca
Toni Bestard und Marcos Cabotá sind schon seit Kindesbeinen eingefleischte Fans von Lucas´ Filmen. „Ich habe die Videos als Junge regelrecht in mich eingesogen", erinnert sich Cabotá. Er war einer von Millionen, die von dieser Mixtur aus Science Fiction, Märchen und Fantasy begeistert waren. Toni Bestard sieht in den Filmen sogar die Initialzündung, um selbst Regisseur werden zu wollen. „Seit Star Wars bin ich Fan auch von anderen ­Science-Fiction-Filmen wie ´Blade Runner´".

Und tatsächlich: Was war die Star-Wars doch für eine fremdartige Saga! Wer erinnert sich nicht an den intelligenten und mutigen Roll-Roboter R2D2, an den 900 Jahre alten, winzigen, weisen und leise sprechenden Lichtschwert-Crack Joda oder an das etwa durchgedreht dreinblickende, vollständig behaarte Ungetüm Chewbacca, den Co-Piloten von Han Solo? In einer fiktiven Galaxie kämpfen sie beherzt gegen böse Kräfte und für die Erhaltung einer demokratischen Sternen-Föderation, und jeder hat einen ganz eigenen unverwechselbaren Charakter. In Jungen-Träumen wurden die Star-Wars-Schlachten x-mal geschlagen und die wundersamen Kräfte der seltsamen bis putzigen Kreaturen ebenso oft nachempfunden.

Trotz aller Kritik am Denkmal Lucas sehen die Insel-Regisseure „I Am Your Father" nicht als Attacke gegen das Genie, der für sie als Fantasy-König über allem schwebt. „Wir schildern nur Tatsachen mit journalistischer Relevanz, die Licht ins Dunkel bringen und letztlich eine Hommage an Prowse sind", so Toni Bestard.

Der Brite sah sich den Film vor einigen Wochen bei einer Privat­vorführung im CineCiutat an. Nach Angaben der Regisseure war er ob der Wiederherstellung seiner Ehre nach 35 Jahren durch und durch zufrieden, ja geradezu „amused", wie es Marcos Cabotá ausdrückt. Ob auch George Lucas den Film gesehen hat, wissen die Regisseure nicht „Wir haben ihm jedenfalls eine Kopie geschickt", sagt Toni Bestard.

„I Am Your Father" hat am 20. 11. um 20 Uhr im Ocimax-Kino in Palma in Anwesenheit der Regisseure Premiere. Ticket-Reservierungen unter www.­reservaentradas.com.

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