"Ocho apellidos catalanes": Spanien hat einen neuen Kassenschlager

Über die Basken-Komödie „Ocho apellidos vascos" amüsierte sich das ganze Land. Jetzt werden auch die Katalanen im Kino auf die Schippe genommen

11.12.2015 | 16:12
Auf diesen Film fieberten manche seit Wochen hin.

Wer auf Mallorca ins Kino geht, muss eher selten lange anstehen. Im Fall der am Freitag (20.11.) spanienweit in 800 Sälen angelaufenen Komödie „Ocho apellidos catalanes" ist das anders. Am frühen Dienstagabend stürmten die Menschen geradezu das Ocimax-Kino, wo die Fortsetzung des bereits sehr erfolgreich im vergangenen Jahr gelaufenen Films „Ocho apellidos vascos" (Einspielergebnis: 56 Millionen Euro) in gleich drei Sälen gezeigt wird, die Hunderte Zuschauer fassen.

Dieser Run ist sicher zum einen der bereits vor Wochen gestarteten Werbekampagne des im Besitz von Silvio Berlusconi befindlichen TV-Konzerns Mediaset zu verdanken. Der hat den Film produziert. Zum anderen erinnern sich die Leute aber an das Spaßfeuer­werk von vor einem Jahr. Wie bei der Auseinandersetzung mit baskischen Eigenheiten wird auch hier ein politisch seit Jahren hochproblematisches Thema – der Konflikt zwischen Madrid und Katalonien – zur Komödie. Spanier aus unterschiedlichen Teilen des Landes interagieren locker-flockig, regionale Eigenheiten werden vergnüglich auf die Schippe genommen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Letztlich unterscheiden wir Spanier uns gar nicht so sehr, alle sind wir doch irgendwie lustig.

Rettet die Braut!
In „Ocho apellidos catalanes" läuft das wie folgt ab: Der überdrehte und nicht immer feinfühlig auftretende andalusische Frauen-Aufreißer Rafa (Dani Rovira) erfährt in Sevilla von dem dort unangekündigt aufgetauchten Koldo (Karra Elejalde) dem vierschrötig-netten baskischen Vater seiner Ex-Freundin Amaia (Clara Lago), dass Amaia in Girona den mit einem trendigen Vollbart bewehrten katalanischen Jung-­Galeristen Pau (Berto Romero) heiraten will. Im ersten Teil war Rafa noch davor zurückgeschreckt, die energie­geladene Frau aus dem Nordosten zu ehelichen. Der Andalusier und der Baske reisen daraufhin im AVE-Schnellzug durch halb Spanien, um die Hochzeit zu verhindern.

In einer ehrwürdigen, mit Rankpflanzen bewachsenen Villa entspinnt sich ein trubelig-lustiges Zusammenspiel zwischen den in unterschiedlichen Zimmern untergebrachten Figuren. Zu Rafa, Amaia, Pau und Koldo kommen noch hinzu: dessen plötzlich angereiste erdverbundene und doch auf ihre Frisur bedachte Ehefrau (Carmen Machi), Paus separatistische und zugleich vornehme Großmutter (Rosa María Sardá) und eine von Belén Cuesta gespielte weinerliche Ex-Bettgenossin des hippen und grellen Galeristen, die jetzt als Hochzeitsplanerin agiert.

Nach Louis-de Funes-Manier feuert in erster Linie Dani Rovira fast im Minutentakt Witze ab und reizt sein mimisches Talent wie der legendäre französische Schauspieler aus. Das fast allen Altersklassen zugehörige Publikum im Ocimax-Kino wird so in einen Zustand entfesselten Dauerlachens versetzt. Wobei der Klamauk in dem Film nicht alles ist: Die Figuren sind vielschichtiger und die Geschichte ist romantischer als noch in „Ocho apellidos vascos".

Schnell die Bilanz aufhübschen
Eigentlich sollte der hauptsächlich in Monells bei Girona gedrehte 105-Minuten-Film erst im März des kommenden Jahres fertig werden, doch laut der Zeitung „El País" soll Mediaset-Manager Paolo Vasile auf einen schnelleren Abschluss gedrängt haben, um die erwarteten hohen Einnahmen noch in die Bilanz von 2015 aufnehmen zu können. Man merke dem Film an, dass die Produktion „zu schnell" vonstatten ging.

Womöglich spielte beim Antrieb zur Eile auch die derzeitige Nachrichtenlage im Katalonien-Konflikt eine Rolle, betreiben die separatistischen Abgeordneten im Parlament doch verstärkt die Loslösung von Madrid.

Es fällt auf, dass die Animositäten zwischen den Spaniern zuweilen fast zu plakativ thematisiert werden – Vorurteile wie der angebliche Geiz der Katalanen, die angebliche Faulheit der Andalusier oder die angebliche Starrsinnigkeit der Basken werden ausdrücklich nicht außen vor gelassen. Dass hier jeder sein Fett wegbekommt, führte wohl dazu, dass auch Zuschauer in Kinos in Barcelona, Tarragona oder Girona laut Medienberichten schallend lachten. Beide Filme seien ausdrücklich „weder politisch, noch doktrinär oder gar als Provokation gedacht", so Dani Rovira gegenüber der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca".

Trotz der Eile beim Dreh wurde die Fiktion von der Realität überholt, sodass ein Plakat bei der Hochzeitsfeier, auf dem „Republik Katalonien" steht, laut „El País" „jetzt nicht mehr schockiert". Die katalanische Zeitung „La Van­guardia" kommentierte: „Der größte Vorzug von ´Ocho apellidos vascos´ war, dass er im richtigen Moment anlief. Das größte Unglück von ´Ocho apellidos catalanes´ ist, dass der Film jetzt herausgekommen ist."

Die kritischen Stimmen im Blätterwald sind das eine, die Reaktionen der Kinobesucher das andere. Sie gehen erwartungsfroh ins Kino und in der Regel frohgemut wieder hinaus. Worauf es ja letztlich ankommt.

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