"Wenn man nur Geld zählt, ist das ein bisschen wenig"

Der Bankierssohn Helmut von Finck könnte heute einer der reichsten Menschen der Welt sein. Doch dafür war er wohl zu ehrlich

06.01.2016 | 15:27
Träumt von einem Familiensitz auf Mallorca: Helmut von Finck.
Träumt von einem Familiensitz auf Mallorca: Helmut von Finck.

Sein Leben gäbe Stoff für einen Roman, generationenübergreifend gar für eine große deutsche Familiensaga – und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es irgendwann einmal dazu kommt. Helmut von Finck ist der Sohn von August von Finck (1898-1980), der in zweiter Generation das Bankhaus Merck Finck & Co leitete und damals zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Auch der 55-jährige Helmut von Finck könnte sich heute ­Milliardär nennen – wenn er nicht 1985 gegen eine Abfindung von 65 Millionen DM und zugunsten seiner Halbbrüder auf sein Erbe verzichtet hätte. Nachdem er als Hippie und Bhagwan-Jünger in den USA und Indien herum­gestreift war, begann er damals gerade erst wieder ins bürgerliche Leben zurückzukehren. Helmut von Finck heiratete, wurde Vater – und wollte nichts mehr mit dem Bank-Vermögen zu tun haben. Erst später ging ihm auf, dass er damals von seinen Halbbrüdern über den Tisch gezogen worden sein könnte. Der Besitzer eines Rennpferde-Gestüts prozessiert nun schon seit Jahren, um den Vertrag für nichtig erklären zu lassen. Zudem baut der Mallorca-Fan derzeit das Gastro-­Portal gourmino-express.com auf.

Woran denken Sie, wenn Sie an Ihren Vater denken?
An einen Mann, der in einer anderen Zeit, der Nachkriegszeit, und ihren Werten gelebt hat und noch sehr jung eine Bank übernehmen musste. An einen Patriarchen, der seine Gefühle mit Kunstsammlungen und in der Natur ausgelebt hat und familiär sehr kalt war. Das Einzige, was ihn interessiert hat, war die Arbeit. Für ihn war es das Wichtigste, am Schreibtisch zu sterben, und das hat er auch ­geschafft.

Und woran, wenn Sie an Ihre Kindheit denken?
Wir sind an schönen Orten aufgewachsen und haben schöne Sachen erlebt, und ich hatte Gott sei dank einen älteren Bruder – aber auf der anderen Seite war es nicht einfach, mit so strengen Eltern aufzuwachsen. Meine Mutter war eine tolle Frau, allerdings auch dem Gesellschaftlichen sehr verbunden, mein Vater sehr unnahbar. Wir durften nie Freunde einladen, ich sollte das Ebenbild meines Vaters werden, sie wollten mich zu schulischen Leistungen zwingen, es war ein großer Druck, der auf mir lastete, und dann gab es auch die Bedrohungen durch Terroristen. Ich wuchs in einem goldenen Käfig auf.

Und wenn Sie an Ihre Halb­brüder denken?
Ihnen ist die Moral und die Menschlichkeit gegenüber den Kindern aus der zweiten Ehe vollkommen verloren gegangen. Wenn man nur Geld zählt, ist das ein bisschen wenig.

Was macht es aus einem Menschen, Milliarden zu besitzen?
Es gibt Menschen, die wie Mark Zuckerberg oder Bill Gates schnell zu einem Milliardenvermögen gekommen sind und auch wieder etwas abgeben können, aber viele der Milliardäre von damals, die den Krieg erlebt haben oder ihr Vermögen über lange Zeit aufgebaut haben: Die hatten oder haben Angst, auch nur einen Cent zu verlieren.

Sie machen das also nicht am Geld fest, sondern an der Generation?
Für mich ist jedenfalls wichtig, dass man Mensch bleibt, Freunde hat, normal ist – das war mir immer sehr wichtig: normal zu werden.

Hätten Sie als Milliardär jemandem wie Ihnen damals ein Drittel Ihres Vermögen abgetreten?
Damals war ich in einer schwierigen Phase – alle sind mal in einer schwierigen Phase –, aber in dem Testament war vorgesehen, dass ich erst mit 36 das Geld kriege und nicht, dass ich mit 24 abgefunden werde. Ich habe mich damals selbst erziehen und meine eigenen Lebenserfahrungen machen müssen, um auf meine Art und Weise meinen Frieden zu finden.

Sie wurden dann zum Bhagwan-Jünger. Wie sehen Sie das heute?
Ich will es nicht missen, diesen spirituellen Weg gegangen zu sein, in Indien und Amerika. Es gibt auch heute noch viele Leute, die den Osho (Bhagwan-Gründer, Anm. d. Red.) zitieren. Den Sinn des Lebens sollte man nie aus den Augen verlieren.

Wie sind Sie dort ausgestiegen?
Ich habe mich für meine Kinder entschieden, bin nach München gezogen und habe meine Pferdezucht angefangen.

Sie wurden mit 65 Millionen Euro ausgezahlt. Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Ich habe es mit Hilfe eines ­Vermögensberaters sehr gut angelegt und erst einmal eine Million an Unicef gespendet. Dann habe ich versucht, parallel mein Gestüt aufzubauen und mich finanziell um die Kinder gekümmert. Dann kam erst der Euro, da war die Hälfte weg, dann die Aktien-Crashs – die haben die Sache auch nicht leichter gemacht. Und Pferdezüchten bringt nicht viel ein. In meinem Leben ist es viel rauf und runter gegangen.

Was fasziniert Sie denn so an Pferden?
Pferde sind fantastische Wesen, stark und gutmütig. Wenn man mit ihnen gut umgeht, vermögen sie viel zu leisten. Und der Galopprennsport ist die natürlichste Art von Pferdesport: Das Pferd will gerne im Rudel laufen und ist ein Fluchttier. Auch die Welt der Rennbahn ist faszinierend: Vom Milieu bis zur Königin von England ist da alles vertreten.

Sie waren auch mehrere Jahre als Trab-Rennfahrer unterwegs.
In Deutschland habe ich als Amateur alles gewonnen und bin über 1.000 Rennen gefahren. Ich habe die Pferde ganz genau kennen­gelernt.

Inwiefern kennengelernt?
Pferde sind genauso wie Menschen, jedes Pferd hat eine Psyche. Manche haben eine wahnsinnige Kampf­moral und wollen unbedingt gewinnen, andere sind kompliziert und schwierig und machen es einem schwer als Fahrer oder Trainer.

Sie mögen die schwierigen Pferde genauso wie die erfolgreichen?
Ja, ich mag sie sehr gerne. Und ich mag auch verletzte Pferde, sensible Pferde. Man muss sie verstehen, einschätzen, kennenlernen.

Wie wichtig ist Ihnen Öffentlichkeit?
Ich war immer ein bunter Vogel. Jede Geschichte, die ich in meinem Leben irgendwie gemacht habe, ist von der Presse dokumentiert worden. Es ist für mich ganz alltäglich und selbstverständlich, dass die
Leute an mir interessiert sind.

Was hat man eigentlich davon, prominent zu sein?
Man kann es positiv für ein wenig Öffentlichkeitsarbeit nutzen, in meinen Fall etwa für mein Web-Magazin gourmino-express.com, in der ich ja auch Geschichten mit Prominenten veröffentliche. Wobei es manchmal nicht so leicht ist, eine Figur des öffentlichen Lebens zu sein: Man wird auf Schritt und Tritt beobachtet. Aber mein Leben ist sowieso eigenartig. Wenn man für 90 Prozent der Menschen nur wegen seinem Namen oder dem Geld interessant ist, hat man das ganze Leben mit Menschen zu tun, die nicht aus Freundschaft, sondern aus anderen Gründen mit einem zu tun haben wollen. Das ist auf der einen Seite undankbar, auf der anderen Seite kann man es nicht ändern und man sollte es nutzen. ­So gesehen habe ich kein Problem damit: Ich verstecke mich nicht, und versuche offen zu sein.

Was hat es mit dem Streit mit Ihrer Freundin auf sich, von dem neulich zu lesen war?
Das ist eine Trennungsgeschichte, aber das Verfahren ist mittlerweile eingestellt. In dieser Beziehung ist man natürlich ungern eine Person des öffentlichen Lebens. Wenn ich einen Streit habe, wird ein großes Ding daraus gemacht, bei jemand anderes wäre es wohl gar kein Thema.

Wie kamen Sie auf die Idee mit der eine Gourmet-Website?
Mit 55 ist meine Kreativität ausgebrochen: Wir berichten über tolle Destinationen, darunter auch viel über Mallorca und Ibiza und die Restaurants und Hotels hier. Und wir schreiben über die Menschen, die hinter den gastronomischen ­Projekten stehen. Es macht wahnsinnig Spaß.

Was können Sie uns empfehlen?
Die Insel hat ja die ganze Palette, von ganz einfach zur Zwei-Sterne-Küche. Ich mag momentan besonders gerne peruanisch essen, etwa in den Restaurants Sumaq und Piruv in Santa Catalina.

Planen Sie jetzt länger auf der Insel zu sein?
Ich hatte früher schon einmal eine Wohnung hier, ich liebe Mallorca, das Wetter, die Farben? Palma und die Insel haben so viel zu bieten, dass man nie damit fertig und immer neu inspiriert wird.

Der Prozess gegen Ihre Halb­brüder wird sich noch über Jahre hinziehen. Nehmen wir einmal an, Sie gewinnen. Was würden Sie mit dem Geld tun?
Ich denke, dass die Welt momentan so viel Probleme hat, dass es viele Möglichkeiten gibt, etwas Sinn­volles und Gutes zu tun. Außerdem würde ich mir wahrscheinlich Mallorca aussuchen, um hier für meine Kinder, vielleicht dann auch deren Kinder, und mich einen Familien­sitz an einem schönen Platz zu gründen. Meine Zelte hier fest aufzuschlagen, das wäre schon mein Traum.

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