Der gestürzte König Melchior

Der Umzug zum Dreikönigstag resultierte in Alcúdia in einem wenig königlichen Streit

19.01.2016 | 17:48
Die Heiligen Drei Könige bei ihrer Ankunft in Port d´Alcúdia.

Auch Könige sind nur Menschen, symbolische Monarchen unterscheiden sich diesbezüglich kaum von tatsächlichen. So kam es, dass das Rathaus von Alcúdia seinen König Melchior gestürzt hat. Fraglich ist nur, ob der Bürgermeister Antoni Mir (El Pi) oder die Gemeinde­räte überhaupt zu derart subversiven Schritten befugt sind. Denn Jaume Fiol, der seit 2010 am Dreikönigstag den Melchior mimte, ist eben „nur" ein freiwilliger ­Monarch.

In dieser Funktion hatte er sich am 6. Januar geweigert, den Kindern von Ex-Bürgermeister Miquel Llompart, den er zu seinem persönlichen Erzfeind erklärt hat, ihre Geschenke zu überreichen. Es folgten Szenen wie aus dem Bauerntheater, ein Einsatz der Ortspolizei und Fiols Entlassung als Melchior.

Der Hintergrund ist wenig königlich, dafür umso menschlicher: ­Llompart und Fiol waren einst Freunde, bevor politische Streitigkeiten zu öffentlichen Beleidigungen und schließlich zum Bruch führten. Schon in vergangenen Jahren hatte Fiol den Streit unter Erwachsenen zum Anlass genommen, sich auch gegenüber Llomparts Kindern wenig mildtätig zu zeigen: Die feierliche Darreichung der Geschenke hatten dann die Kollegen Caspar und Balthasar übernommen.

Den Einsatz der drei - eigentlichen - Weisen organisiert eine Gruppe aus Ehrenamtlichen, die unter der Leitung von Pep Cladera steht. Dieser wiederum hatte in diesem Jahr offensichtlich die Faxen dicke und ordnete dem renitenten Melchior an, Zepter und Krone direkt an einen bereitstehenden Thronfolger abzugeben.

Indes: Fiol weigerte sich, Cladera rief die Polizei, diese kam - offenbar auf Geheiß des amtierenden Bürgermeisters Mir himself - und die Ordnungshüter entschieden sich, nicht weiter einzugreifen. /jw

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