Steinschleudern: Der beste Mallorquiner war ein Deutscher

Es gibt auf der Insel kaum etwas, das so viel Tradition hat wie das Steinschleudern. Nun gewann Silvio Vass aus Altensalzkoth in Celle ein Turnier in Ses Salines. Wie bitte?

18.03.2016 | 21:23
Wer die Metallplatte trifft, kriegt zwei Punkte. Beim Schleudern ist Konzentration gefragt.

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Ausländer auf den Balearen einen traditionellen Wettbewerb der Steinschleuderer gewinnt. Am Sonntag vergangener Woche (28.2.) setzte sich Silvio Vass aus Altensalzkoth im Landkreis Celle gegen knapp 80 Teilnehmer in Ses Salines im Südosten Mallorcas durch. Eigentlich ist der 44-Jährige Erzieher in einer Wohngruppe. Ein Anruf beim frischgebackenen Champion.

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Wie haben Sie das Turnier am Sonntag erlebt?
Es war natürlich ein äußerst überraschender Sieg. Die Knie haben ziemlich geschlottert, vor allem als ich zu Beginn der zweiten Runde den ersten Versuch danebengesetzt habe. Aber es war eine ganz tolle, familiäre Atmosphäre. Das lag auch an den Teilnehmern. Die jüngsten waren Kinder, die Älteste war 86 Jahre alt.

Wie haben Sie mit dem Schleudern angefangen?
Eigentlich habe ich schon als Kind damit begonnen, das waren aber eher Lausbubengeschichten. Ich bin seit einigen Jahren bei Mittelalter-Reenactment-Festen dabei, das hat mein Interesse geweckt. Seit 15 Jahren etwa betreibe ich das Schleudern als Sport.

Schleudern sei mit Bogenschießen vergleichbar, sagt Vass. Beim Wettbewerb am Sonntag wurde aus 20 Metern auf eine 1,20 mal 1,20 Meter große Holzscheibe geschossen. Diese hat in der Mitte eine Metallplatte mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Trifft man das Holz, gibt es einen Punkt, trifft man das Metall, zwei Punkte. Gespielt werden zwei Runden, bei denen man jeweils fünf Schuss hat. Vass holte am Sonntag zehn Punkte, der Zweitplatzierte und Juanjo Caballero aus Lloseta neun.

Wie sind Sie in Kontakt zu den balearischen Schleuderern gekommen?
Am Anfang lief das über E-Mail, das muss im Jahr 2008 gewesen sein. 2010 war ich dann erstmals hier und habe mich mit Mateu Cañellas getroffen, der damals Präsident des Verbandes war. Ein Jahr später habe ich dann an meinem ersten Wettbewerb auf Mallorca teilgenommen.

Wie lief das?
Ich wurde Achter.

Die Balearen haben eine jahrtausendealte Tradition im Schleudern. Bereits 3.000 Jahre vor Christus wurde mit Steinschleudern gejagt. Später waren die Ur-Mallorquiner, die sogenannten „foners balears", geschätzte Söldner in den Armeen Roms und Karthagos.

Wie steht es um das Schleudern in Deutschland?
Es hat natürlich nicht die Tradition, die es auf Mallorca hat. Über den Verein Lebendige Geschichte e.V., bei dem wir uns mit der Zeit der Ottonen auseinandersetzen, haben wir aber in ganz
Deutschland Schleuderer gefunden. Wir treffen uns etwa zweimal im Jahr, um Meisterschaften auszutragen. In der Turmhügelburg im schleswig-holsteinischen Lütjenburg haben wir einen Schießplatz eingerichtet.

Was unterscheidet das Schleudern in Deutschland von dem auf Mallorca?
Wir haben vor einigen Jahren eigene Statuten für die Wettkämpfe aufgestellt. Damals haben wir uns weitgehend an den Regeln der Balearen ­orientiert und nur ein paar Dinge geändert.

Zum Beispiel?
Etwa, dass wir eine Rangordnung eingeführt haben, die wir mit Farben darstellen. Wie etwa beim Judo. Nur dass wir statt eines Gürtels die Kenntnisse eines Spielers mit farbigen T-Shirts darstellen. Das ist bisher ganz gut gelaufen. Es gibt einem die Sicherheit zu wissen, wo man mit seiner Leistung steht.

Was charakterisiert den ­perfekten Stein?
Das hängt natürlich von den Vorlieben und der Erfahrung des Schleuderers ab. Die Gewichte liegen zwischen 100 und 700 Gramm. Letzteres wäre mir zu viel. Ich nehme Steine, die zwischen 180 und 200 Gramm wiegen. Bei der Form bevorzuge ich leicht ovale Steine, in etwa so wie ein Ei, aber nicht ganz so spitz an den Enden. Man findet sie etwa auf Kartoffelfeldern oder an der Küste.

Was muss man bei der Schleuder beachten?
Auf den Balearen kann man schon produzierte Schleudern kaufen. In Deutschland baut man sie sich selbst. Auf Mallorca bestehen sie meistens aus den Fasern der Sisal-Agave. Ich persönlich habe meine aus Leinen gefertigt. Das hält den hiesigen Temperaturen besser stand. Damit sie wetterbeständig ist, wird sie gewachst. Sie sind bis zu einem Meter, meist aber zwischen 60 und 70 Zentimetern lang. Je länger die Schleuder, desto schwieriger ist die Handhabung.

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