"Ich wollte wieder leben"

Elisa Dambeck war magersüchtig. Jetzt ist sie von einem Magazin als „Training Star 2016" nominiert und träumt von Paella auf Mallorca

18.03.2016 | 08:35
Hat an ihrem Ehrgeiz schon sehr gelitten: die ehemalige Eurocampus-Praktikantin Elisa Dambeck.

Elisa Dambeck hat sich schon immer gerne bewegt. Dass die Sportstudentin jetzt mit den anderen 50 Mitgliedern der „Training Squad" zur Wahl für das Werbe­gesicht der neuen Fitnesslinie des Sportausrüsters Asics antritt und sich für ein gesundes Verhältnis zu Ernährung, dem eigenen Körper, aber auch Fitness aussprechen kann, ist nicht selbstverständlich. Elisa Dambeck war vier Jahre lang sport- und magersüchtig.

Nach dem Abitur wusste sie nicht, wo ihr Leben hinführen sollte. Eine schwierige Situation für die ehrgeizige junge Frau. „Wenn du keinen roten Faden mehr hast, suchst du dir etwas anderes, was dir Halt gibt," sagt sie. Im Spätsommer 2014 kam sie für ein Praxissemester an der deutschen Schule Eurocampus nach Mallorca. „Mir ging es nicht gut, aber ich wollte das alleine schaffen", sagt die 23-Jährige. Wegen einer Verletzung an der Achillessehne war immerhin ihr Bewegungsdrang stark eingeschränkt: Dambeck ging fast die komplette Zeit auf Krücken.

Doch die alten Essgewohnheiten ließen sich nicht einfach abschütteln: „Ich habe kein einziges Mal die Ruta Martiana (eine Tapas-Route, Anm. d. Red.) mitgemacht oder Paella gegessen", sagt die Erfurterin. Nach ihrem Mallorca-Aufenthalt ließ sie sich direkt in eine Klinik einweisen, „das habe ich meiner Mutti ­versprochen". Heute ist sie gesund.

Die wenig bewegungsbegeisterten Schüler des Eurocampus haben ihren Teil dazu beigetragen. Mit der Bockigkeit der Teenager konfrontiert, lernte Dambeck, dass Sport nicht bei jedem so einen hohen Stellenwert hat wie bei ihr. Und dass das vollkommen in Ordnung ist. „Die Schüler hatten ganz andere Hobbys, die genauso viel wert sind. Eine Achtklässlerin war zum Beispiel gerade dabei, ihr erstes Buch zu schreiben", sagt sie.

Schüler und Krücken zwangen sie, sich eine entscheidende Frage zu stellen: „Wer bin ich denn noch, außer Sportlerin?" Die Suche nach einer Antwort half ihr auch bei der Erkenntnis, dass sie etwas ändern musste. „Ich wollte das nicht mehr, ich wollte einfach wieder leben", sagt sie. Der Ehrgeiz, der die Essstörung einst befeuert hatte, half ihr auch wieder heraus. „Ich hatte Angst vor den drei Mahlzeiten in der Klinik, aber ich habe brav alles gegessen", sagt die Sportlerin.

Seither hat sie das Motto „nicht reden, einfach mal machen" verinnerlicht und sich deshalb auch für die aktuelle Kampagne von Asics beworben – mit Erfolg. Gewinnt sie, wird sie das Cover der „Women´s Health" zieren und eine eigene Work-out-DVD produzieren. Die Wahl zum „Training Star 2016" läuft noch bis zum 16. März auf der Website des Magazins.

Im Grunde hat sie ihre heutige Karriere ihren Eltern zu verdanken: Ihre Mutter wollte abnehmen und ihr Vater baute die Scheune auf dem Familiengrundstück zum Fitnessraum aus, „mit Spiegelwand, Ballettstange und allem, das war der Wahnsinn", sagt Dambeck. Ihre Mutter und die Frauen aus dem Dorf trainiert sie immer noch. Längst hat die Studentin eine offizielle Aerobic-Lizenz, gibt Kurse an der Universität Jena und Workshops zu Fitness und Ernährung.

Ihre Achillessehne kann sie immer noch nicht dauerhaft belasten. Die Verletzung hat Dambeck zu einem eigenen Konzept für ihre Kurse geführt. „Bei mir macht man Kniebeugen, Liegestütze und Sit-ups in allen Variationen." Ein bisschen wie ein Bootcamp, aber den Begriff mag Elisa Dambeck nicht: „Das klingt so negativ, und mir ist am wichtigsten, dass jeder Teilnehmer mindestens einmal gelacht hat – gerne auch über sich selbst."

Nach dem Studium würde sie gern wieder auf Mallorca arbeiten – als Lehrerin und Trainerin. Das letzte Mal war Dambeck im Herbst auf der Insel. „Da habe ich auch endlich Paella gegessen", sagt sie.

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