Die Reconquista des Richard Branson

Der britische Milliardär besitzt wieder ein Drittel der Gemeinde Banyalbufar

23.05.2016 | 16:37
Ein Juwel: Das 300 Hektar große Anwesen Son Bunyola in Banyalbufar, auf einem Archivbild.
Ein Juwel: Das 300 Hektar große Anwesen Son Bunyola in Banyalbufar, auf einem Archivbild.

Richard Branson will hoch hinaus, zum Mond zum Beispiel. Der zigfache Multimillionär, ­Inhaber des Virgin-Imperiums, liebt aber auch Bodenständiges, zum Beispiel ein kleines Bergdorf in der Tramuntana im Westen von Mallorca. Geradezu malerisch liegt Banyalbufar zwischen Berggipfeln und der felsigen Küste. Und genau in dieses Dorf hat sich der Brite vor mehr als 20 Jahren schwer verliebt. Genauer gesagt in das Anwesen Son Bunyola mit drei Millionen Quadratmeter Fläche. Dort wollte der 65-Jährige eigentlich ein Luxushotel bauen. Das Dorf ließ das nicht zu. Daraufhin schien Branson Mallorca wieder den Rücken zuzukehren. Jetzt ist er wieder da.

In Banyalbufar sieht man das Hin und Her des Milliardärs gelassen. „Er war doch nie richtig weg", sagt ein älterer Herr belustigt. Er sitzt mit seinen Freunden im Restaurant Son Tomás am Rande von Banyalbufar und trinkt café bonbón. „Branson liebt diesen Ort", ergänzt ein anderer. Die älteren Herren, allesamt Urgesteine im Dorf, diskutieren wild auf Mallorquinisch. Dass Branson das Anwesen Son Bunyola zurückgekauft hat, können sie gut verstehen. „Es ist das Schönste, was es auf der Insel gibt, ein Juwel", sagt einer von ihnen.

Branson hatte Son Bunyola 1994 von der damaligen Eigentümerin Magdalena Puig Shelton für 500 Millionen Peseten – etwa drei Millionen Euro – erstanden. Auch die benachbarten Anwesen Son Valentí, Son Creus und Son Balagueret erwarb er. Damit besaß Branson ein Drittel der Gemeindefläche von Banyalbufar. Also ziemlich genau jenes Land, das König Jaume I. im Jahr 1229 seinem Getreuen Gilabert de Cruïlles als Dank für seine Mithilfe bei der Reconquista, der Vertreibung der Araber, überließ, wie „Diario de Mallorca"-Kolumnist Matías Vallés unlängst spitz bemerkte. Bransons Plan war es, der Gegend „neues Leben einzuhauchen" (O-Ton 1996) und dort „das beste Hotel der Welt" zu errichten, ähnlich jenem Resort, das der Brite bereits auf der privaten Necker Island in der Karibik betreibt.

Aber, wie gesagt, Dorf und Inselrat ließen den Milliardär auflaufen, woraufhin Branson 2002 scheinbar mit der Insel brach. In einer undurchsichtigen Transaktion verkaufte er das Land an ein britisch-kolumbianisches Pärchen, das Jahre später wegen Steuerbetrugs 10,6 Millionen Euro an das Finanzamt zahlen musste, um ein Gerichtsverfahren zu vermeiden. Mittlerweile hat Branson ihnen das Hauptgut wieder abgekauft und auch die benachbarten Son Valentí und Son Balagueret wieder in seinen Besitz gebracht. Banyalbufar gehört also auch ganz offiziell wieder zu einem Drittel einem Briten.

Das denken die Bewohner von Banyalbufar

Im Dorf nimmt man es gelassen. „Er ist nie hier", sagt der ­Angestellte eines kleinen Hotels in einer der engen Gassen. Es sei gut für den Ort, einen so prominenten und zahlungskräftigen Unterstützer zu haben. „Vielleicht investiert er ja, baut tatsächlich ein Hotel, schafft Arbeitsplätze für die Menschen hier." Der gleichen Ansicht sind Jaime Font und seine Frau Natalia Picornell, Besitzer des Restaurants Son Tomás. „Für Branson war der Rückkauf so, als würde ich mir ein neues Handy zulegen", sagt Font und lacht. Der Mann habe so viel Geld und so viel Geschäftssinn,
„irgendetwas wird er hier bestimmt machen".

„Wir kennen das hier ja seit 20 Jahren nicht anders", sagt einer der Rentner und nippt an seinem café. Über die Pläne des Briten ließe sich nur spekulieren. „Vielleicht versucht er es noch einmal mit dem Hotel", meint sein Kompagnon. Das solle er nur versuchen, erwidert ein Dritter, „damit kommt er heute noch weniger durch." Solange er sich an die Regeln halte und die Natur schone, sei das in Ordnung, findet ein anderer. Gesehen haben ihn auch die Rentner so gut wie nie. „Nur einmal", erinnert sich einer von ihnen. „Da stand er vor dem Rathaus und hatte wahrscheinlich einen Termin mit dem Bürgermeister. „Vielleicht ging es dabei ja damals um das ­Hotel. Wer weiß."

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