RTL an der Playa: Alles eine Frage des Talents

Die Show "Das Supertalent" war mit einem offenen Casting zu Gast auf Mallorca. Die MZ hat hinter die Kulissen geschaut

04.06.2016 | 17:22
RTL an der Playa: Alles eine Frage des Talents

„Habt ihr ein Talent?", brüllt der Animateur im Megapark an der Playa de Palma auf Mallorca in sein Mikrofon. Die Menge gröhlt zurück und hebt die Gläser. „Ich meine außer Saufen!", stellt der Moderator klar. Die Menge pfeift ihn aus. Die Frage des Moderators ist aber durchaus ernst gemeint. Über der feiernden Menge leuchtet auf großen Leinwänden Werbung für das offene Casting der RTL-Show „Das Supertalent". Dieter Bohlens strahlendes Lächeln wacht über die schunkelnden Partyhasen.

Bierlustige Menschen sind an diesem Freitagnachmittag (27.5.) wie immer viele im Megapark. Aber sind auch Talente dabei? Neben dem Pool am Check-in fürs Supertalent ist es ruhig. Schlange stehen die Talente nicht. Mit einer Rolltreppe geht es in die obere Etage. Dort warten die Talente auf ihren Auftritt vor einer dreiköpfigen Jury. „Ist Dieter Bohlen auch da?", will Philipp aus Kassel wissen und trinkt einen ordentlichen Schluck Bier. Er will zeigen, was er akrobatisch draufhat, sagt er. Seinen Kumpel Yannis hat er als Unterstützung gleich mit nach oben genommen. „Ich singe im Hintergrund", sagt der 23-Jährige –was, das weiß er kurz vor dem Auftritt noch gar nicht. Aber Schlager soll es sein, das steht fest.

Dieter Bohlen werden die beiden an diesem Nachmittag allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Bohlen ist zwar derzeit auf der Insel, beim Supertalent ward er aber nicht gesehen. Denn im Megapark geht es ausschließlich um die ­Vorauswahl, um dann vor die prominente Jury treten zu dürfen. „Jeder, der will, darf zeigen, was er kann", sagt Produktionsleiterin Jennifer Neuss. Keiner werde abgelehnt. „Dafür sind die offenen Castings da." An diesem Freitag seien bereits ganz unterschiedlichen Talente da gewesen. „Eine Frau auf Stelzen, viele Sänger und Tänzer, Tanzgruppen", zählt Neuss auf.

Willi Herren macht Werbung am Strand

Im Warteraum bestellt Miguel seinem Kumpel Robert und ihm neues Bier. Robert will heute Feuer spucken. Dafür müssen sich die beiden aber noch etwas gedulden. Denn das geht natürlich nicht in dem Raum im Keller des Megaparks, in dem die Jury sitzt. Dafür müssen ein Kamerateam, Crew-Mitglieder und die Jury auf die Straße. Und das will organisiert werden.

Robert und Miguel sind aber gut gelaunt. Bier gibt´s umsonst. Das reicht erst mal. Bei ihnen fiel die Entscheidung, beim Supertalent mitzumachen, spontan, „aus einer Laune heraus", wie Robert sagt. Der 39-Jährige aus Köln sagt auch, dass er noch nie Feuer gespuckt habe. „Mal sehen, ob und wie es klappt."

Es ist das erste Mal, dass die RTL-Show auf Mallorca castet. „Der 10. Geburtstag ist doch ein guter Anlass dafür", findet Produktionsleiterin Neuss. Am Strand macht Ex-Lindenstraßen-Darsteller und Schlagersänger Willi Herren fleißig Werbung, um möglichst viele Talente in den Megapark zu locken. Mit der Ausbeute ist Neuss zufrieden. „Klar, man sieht natürlich erst, wie groß das Talent ist, wenn die Bewerber im Casting-Raum vor die Jury treten."

Und der ist gut abgeschottet. Presse hat keinen Zutritt. Denn dort werden die Talente gefilmt. Nachdem alle offenen Castings in Deutschland, Österreich, der Schweiz und auf Mallorca beendet sind, entscheidet dann die Jury, wer in die Show darf. „In der Jury sitzen RTL-Mitarbeiter, die die Sendung bereits seit Jahren begleiten und die wissen, was Dieter Bohlen und Co. gefällt", erklärt Neuss.

Endlich: Es darf Feuer gespuckt werden!

Nach zwei Stunden Wartezeit darf Robert, der Feuerspucker, endlich zeigen, was er kann. Vor dem Megapark zünden er und sein Kumpel die Fackeln an, Robert nimmt einen Schluck des klaren Brennstoffs in den Mund und spuckt ihn gegen die Fackeln. Einer vorbeifahrenden Radfahrerin dürfte dabei ein wenig warm geworden sein. Auf der Terrasse der Bar gegenüber schauen die Gäste gelangweilt zu, wundern sich nicht. Normales Programm am Ballermann. Ein paar vom Supertalent-Team klatschen. Dann ist das Ganze auch schon vorbei.

Im Warteraum sitzt indes ein junger Mann mit Gitarre. Er war gerade vor der Jury, seine Kandidatennummer hat er bereits abgegeben. Moritz spielt sein Instrument auf eine Art und Weise, die man nicht oft sieht. Er greift mit der rechten Hand von oben an die Saiten, lässt mit der linken den Akkord klingen, gleichzeitig klopft er auf den Corpus und macht seine Akustik-Gitarre so zu einem Percussion-Instrument. Der Klang ist einmalig – und ein derber Kontrast zu „Schatzi, schenk mir ein Foto".

Moritz ist Reiseleiter in Cala Ratjada. Für das Casting hat er sich frei genommen und ist an den Ballermann gefahren. „So gar nicht meine Welt hier", sagt der 23-Jährige aus Frankfurt am Main. Seine Kollegin hatte ihm vorgeschlagen, sich zu bewerben. „Weil ich nach der Arbeit immer spiele und es einfach vielen Menschen gefällt." Aufgeregt war er nicht. „Ich kann mich ganz gut herunterschrauben, mich nur auf die Gitarre konzen­trieren." Denn die ist seine Leidenschaft. „Wie besessen" sei er von dem Instrument. „Mal sehen, ob die Jury mein Talent erkannt hat."

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