Warum die Mode auf Mallorca mehr Pfiff braucht

Drei mallorquinische Nachwuchs-Designerinnen zeigen ihre Kollektionen und hoffen auf mehr Individualismus in der Mode auf der Insel

26.06.2016 | 21:05
Lorena Sánchez, Esperança Martínez und Patricia Perales (v. li.) finden, dass Mallorca in Sachen Mode noch einiges dazulernen muss.
Lorena Sánchez, Esperança Martínez und Patricia Perales (v. li.) finden, dass Mallorca in Sachen Mode noch einiges dazulernen muss.

Vorsichtig streift Patricia Perales Richtsteiger die dünne türkis-blaue Bluse mit Puff-Ärmeln über ihre Arme. Das Material ist fein, so als würde es jeden Moment reißen. Dann braucht sie Hilfe, denn die Bluse wird hinten zugeknöpft. „Vorne wollte ich sie anders verzieren. Knöpfe am Rücken geben mehr Spielraum und sehen pfiffiger aus", sagt die 26-Jährige. Die Bluse und sechs weitere Outfits gehören zu der Kollektion, die Perales in Ibiza beim Modedesign-Wettbewerb „Ad Talent" für balearische Nachwuchs-­Designer vorgeführt hat.

Nicht nur sie zeigte ihr Talent. Auch ihre Kommilitoninnen Esperança Martínez Mas und Lorena Sánchez waren dabei. Die drei studieren Modedesign im Bachelor an der Escola Superior de Disseny Illes Balears im Zentrum von Palma. „Am Ende hat Lorena das Rennen für uns alle gemacht", sagt Patricia Perales. Lorena Sánchez lächelt verlegen.

Die drei Nachwuchs-Designerinnen probieren sich gerade aus, experimentieren viel. „Wir müssen die Studienzeit dafür ausnutzen", sagt Sánchez. Da seien solche Wettbewerbe genau das Richtige. „So können wir unsere Ideen auch außerhalb von Mallorca präsentieren."
Denn die Insel sei generell kein gutes Pflaster für die Mode, finden die drei jungen Designerinnen. „Erstens ist es schwierig, gutes Material zu bekommen", sagt Patricia Perales. Manche Ideen musste sie bereits verwerfen, weil kein passender Stoff vorhanden war. ­

Mallorca kleidet sich bequem und konservativ

Esperança Martínez findet zudem, dass die Mallorquiner sich noch immer sehr konservativ kleiden, sogar die junge Genera­tion. „Es fehlt an Individualismus, an eigenen Styles", sagt die 22-Jährige. Auf Mallorca gehe es oft mehr um Bequemlichkeit als um Modebewusstsein. „Das ist per se nicht schlecht", sagt Esperança Martínez. Trotzdem wünsche sie sich manchmal etwas mehr Kick in den Street-Looks. Mallorca müsse einfach mal mehr aus sich herauskommen, finden die drei. Und auch mehr zulassen. „Wer hier einen Hut trägt, wird schief angeguckt", sagt Patricia Perales. „Das ist schade, denn so nimmt man manchen Leuten den Mut, sich auszuprobieren."

Auf Ibiza haben die Mädchen das ganz anders erlebt. „Dort riecht man Mode und Stilbewusstsein förmlich", sagt Patricia Perales. Der Branche würde dort einfach mehr Bedeutung beigemessen. Mit Mode könne man eben auch etwas von sich selbst nach außen hin präsentieren, wenn man es denn wolle, sagt Patricia Perales. „Klar, manchmal hat man keine Zeit dazu, sich zu überlegen, wie man heute aus dem Haus geht." Die Zeit solle man sich aber ab und zu nehmen, denn es ist auch Zeit für sich, zum Nachdenken, zum Abschalten, zum Herunterkommen.

Kritisch sehen die drei die Vereinheitlichung durch Modeketten wie Zara, Sfera und Co. So sei es schwierig, seinen eigenen Stil zu entwickeln. „Außerdem achten viele Menschen nicht so sehr auf die Arbeit, die hinter einem Kleidungsstück steckt, sondern eher auf den Preis", sagt Lorena Sánchez. Das sei gerade für Designer, die mit eigenen Läden Fuß fassen möchten, nicht sehr motivierend. „Manchmal ist es frustrie­rend, wenn man an die Zukunft denkt." Die Insel baue den Tourismus weiter aus, lasse die Designer aber darben. „Dabei birgt auch der Tourismus so viele Möglichkeiten für uns Designer", sagt Patricia Perales. Man müsse sie nur zu nutzen wissen. „Touristen würden auch außergewöhnliche Outfits aus Mallorca kaufen und nicht nur bei den Modeketten hängen bleiben."

Unterschiedliche Kollektionen, dasselbe Thema

Die Kollektionen, die die drei bei dem Wettbewerb auf Ibiza vorgestellt haben, könnten unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie alle das gleiche Ausgangsthema hatten: Handwerk auf den Balearen. Lorena Sánchez und Esperança Martínez spielen mit der Assoziation zu den traditionellen mallorquinischen Fischerbötchen, den llaüts. Lorena Sánchez konzentriert sich in ihrer Kollektion eher auf die Segel und deren Bewegungen im Wind. Sie arbeitet mit Leinen und Jute. Außerdem imitiert sie mit Baumwolle klassisches Korbgeflecht. Ihre Kollektion scheint sehr simpel, die Details – wie beispielsweise verflochtenes Material – drängen sich nicht auf, machen ihren Stil aber zu etwas Besonderem.

Esperança Martínez nimmt die Form der Boote an sich auf. Ihre Kollektion ist geradlinig und geht auf Details wie das Holz der Planken und die Farben Blau, Rot und Weiß ein. Damit verleiht sie ihren Outfits einen Hauch Marine-Stil. „Abgesprochen hatten wir uns vorher nicht", sagt Lorena Sánchez und lacht. „Uns kam einfach beiden dasselbe Thema in den Sinn, und wir haben es ganz unterschiedlich interpretiert."

Die Outfits von Patricia Perales sind extravagant und sollen provozieren. Sie spielt mit dem Kontrast aus runden und eckigen Formen. Dabei lässt sie sich vom Meer inspirieren, aber auf eine wissenschaftliche Art. „Ich habe vorher Biologie studiert, die Farben und Formen von Proben aus dem Meer unter dem Mikroskop sind faszinierend", erklärt die 26-Jährige. Und weil viele verschiedene Völker in der Geschichte der Inseln über das Meer gekommen sind und ihre Spuren – auch im Handwerk – hinterlassen haben, passt ihre Interpretation ins Thema. „Zugegeben, ein bisschen um die Ecke denken muss man dafür", sagt Patricia. „Aber Mode ist doch dafür da, dass jeder selbst etwas hineininterpretiert."

Von der Biologie zur Mode, das geht schnell, wenn man eine Mutter hat, die Schneiderin ist, eine Berlinerin übrigens. „Von ihr habe ich das Handwerk gelernt", sagt Patricia Perales. Es habe ihr einfach mehr Spaß gemacht, ihre eigenen Outfits zu kreieren, als Biologie zu studieren. Deswegen habe sie sich dazu entschieden, das Biologie-Studium abzubrechen und Modedesign zu studieren. „Und es hat mir gut getan", sagt die 26-Jährige.

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