Als Supermario noch eckig hüpfte

„Retrovisor" ist Spanisch für „Rückspiegel". Und so heißt auch ein neues Lokal in Palma, das ganz im Zeichen der Videospiele der ersten Stunde steht

02.09.2016 | 18:41
Retrovisor-Betreiber Mahay Ramirez Ferreira auf Zeitreise in die Vergangenheit.
Retrovisor-Betreiber Mahay Ramirez Ferreira auf Zeitreise in die Vergangenheit.

Wenn Mahay Ramírez Ferreira und Mónica Manso Fernández in ihre Welt des Retro-Videospiels vertieft sind, ist Anstrengung vonnöten, um sie da wieder herauszuholen. Nur ein hörbares Aufsperren der Tür lässt die auf einem Sofa sitzenden Betreiber des im Juni gegenüber vom trubeligen Ex-Schlachthof s´Escorxador eröffneten Lokals Retrovisor vom Spielen der ersten Version des Nintendo-Klassikers Kirby von 1995 aufblicken.

Sofas und Sessel stehen viele auf dem blank gewienerten Parkettboden des nicht riesigen, aber auch nicht winzigen Treffpunkts herum. „Wir wollen das verloren gegangene gemeinsame Erlebnis des Spielens wiederbeleben", sagt der inzwischen auf dem Boden der Realität angekommene Mahay. „Es gibt da eine Nachfrage nach nostalgischer Rückbesinnung, die in Palma bislang nicht befriedigt wurde."

Diverse Youtube-Kanäle sind bereits ausschließlich den Klassikern gewidmet. Viele Junkies von Retro-Spielen wie Saturn Rally von Sega, Mega Drive oder Supermario Kart von Nintendo hätten bislang extra nach Valencia reisen müssen, um sich ihrem Vergnügen zu widmen, so Mahay.

Die Retrovisor-Betreiber können sich über Andrang nicht beklagen, zumal sie in ihrem Lokal auch Turniere organisieren. Beim letzten nahmen 43 Leute teil. „Uns besuchen vor allem Väter mit ihren Kindern", sagt Mónica. „Sie erklären ihrem Nachwuchs, wie es spieletechnisch vor den anonymen Internet-Wettbewerben und der X-Box und den Playstations zuging." Wenn der noch zweidimensionale Supermario eckig auf einem manchmal flimmernden Schirm rauf- und runterspringt, können die Kiddies kaum glauben, dass es so etwas Simples einmal gab. Das gilt auch für den ganzen Stolz der Betreiber, einem früher nicht billigen Fatal-Fury-Spiel aus der Neogeo-Reihe, das ab 1990 verkauft und in Japan erfunden wurde.

Wenn man sie sich so anschaut und in die Hand nimmt, wirken die Fernbedienungen von einst seltsam klobig und unelegant – so wie etwa alte Handys. Unförmig wirken auch die etwa zehn schwarzen und metallicfarbenen 80er- und 90er-Jahre-Fernseher, die im Retrovisor stehen. „Die machen das Ambiente perfekt." Sowieso würden moderne Flach-Geräte die putzigen Bilder von Supermario und Co. zum einen langsamer machen und zum anderen fast bis zur Unkenntlichkeit verzerren.

Mahay und Mónica machen jetzt beruflich genau das, was sie Zeit ihres Lebens als Hobby hatten. „Ich war unter anderem als Wachmann und Fischzüchter tätig", sagt der vor einigen Jahren von den Kanaren nach Mallorca umgesiedelte Mahay. Man nimmt dem 33-Jährigen ab, dass er mit diesem bisherigen Leben nicht so recht glücklich war.

„Auf einer Japan-Reise bemerkten wir die vielen gut laufenden Retro-Videospiel-Läden dort", erzählt die Mallorquinerin Mónica. „Da dachten wir uns: So etwas müsste doch auch bei uns bestens funktionieren." Man richtete alles wohnlich ein und bietet auch Getränke an, sodass man es hier stundenlang vor den Bildschirmen aushalten kann. Wer spielen will, zahlt pro Stunde 1,50 Euro. Kommt man zu zweit, muss man insgesamt 2,50 Euro abdrücken. Ein Zehnstunden-­Abonnement schlägt mit 10 Euro zu Buche.

Doch um den Laden voll zu kriegen, sind gute Preise und eine gute Lage nicht alles. Die Betreiber sind zudem im Internet auf Face­book und ansonsten mit einem ständig aktualisierten Blog präsent (www.retrovisorpalma.com/blog/). Außerdem werden in anderen Insel-Orten wie zuletzt vor einigen Tagen in Lloseta kleine Wettbewerbe organisiert.

Das Einzige, was Mahay und Mónica inzwischen Sorgen macht, ist ein möglicher Mangel an Ersatzteilen, die für einen geschmierten Betrieb nötig sind. „Deswegen kaufe ich im Augenblick überall, wo ich sie bekommen kann, Video­kabel von früher", sagt Mahay.

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