Was kann der Schwede eigentlich nicht?

Grafikdesigner Peter Gröndahl kam, um das Puro-Hotel in Palma zu gestalten – und blieb. Jetzt will der Tausendsassa von hier aus ein Modelabel auf dem Markt etablieren

25.12.2016 | 08:32
"Ich mache, was mir gerade einfällt": Peter Gröndahl in seinem Atelier in Palma.

Wie eine unscheinbare Garage erscheint das Atelier von Peter Gröndahl in Palmas Viertel Foners. Doch wer sein Refugium betritt, kommt in ein regelrechtes Ikea der Kunst. Wie im schwedischen Möbelhaus gibt es von allem etwas: Bilder, Skulpturen, Werkstatt, eine Kleider­ecke seines Labels Skraatch, eine Golfecke. Und am Ende der Halle befindet sich die Küche – denn der Künstler wohnt zugleich in seiner Arbeitsstätte.

Der Schwede ist vor fünf Jahren dem Ruf von Mats Wahlström gefolgt. Der ehemalige Chef der Puro-Gruppe bat Gröndahl, das gleichnamige Hotel in Palmas Altstadt mit seinen Kunstwerken zu versehen. Aus einem Arbeitsauftrag wurde ein Neustart im Ausland: „Die Kinder waren aus dem Haus und ich von meiner Frau geschieden. Da habe ich mich entschieden, einfach auf der Insel zu bleiben." In seinem Heimatort Falun hat er dafür ein wohlhabendes Leben als Prominenter aufgegeben.

Dafür hatte er hart gekämpft: Nach einer schwierigen Kindheit als Waise kam Gröndahl mit zwölf Jahren auf die schiefe Bahn, nahm Drogen und wohnte zeitweise auf der Straße. „Ich habe alles eingeschmissen, was der Markt so hergab", sagt er, ohne mit der Miene zu zucken. Eine schwere Depression war die Folge, und drei Mal versuchte er sich als Teenager das Leben zu nehmen.

Mit 24 fand er einen Ausweg aus dem Teufelskreis: „Ich hatte keinen Bock mehr darauf. Alle saßen zugekifft herum und meinten zu wissen, was zu tun sei. Aber wirklich passiert ist nichts. Ich war dann ein Jahr in einer Klinik und bin von den Drogen weggekommen." Später besuchte er ein Jahr lang eine Kunstakademie und gründete 1985 ein Grafikdesign-Unternehmen. Mithilfe der Wohlfahrt und durch Nebenjobs hielt sich Gröndahl über Wasser.

Doch es ging langsam bergauf. Aufträge kamen herein, der Künstler konnte sich eine eigene Wohnung leisten und begann, sich einen Namen in der Branche zu machen. Zehn Jahre später zählten ihn US-Fachmagazine zu den besten­ Grafikdesignern der Welt. Der Durchbruch in der schwedischen Prominentenwelt kam im Jahr 2000 mit den MTV Music Awards in Stockholm. „Ich bestritt eine Ausstellung in der VIP-Lounge der Aftershowparty. Robbie Williams, Madonna und die Backstreet Boys waren da", sagt Gröndahl. Von da an wurde er zu Premieren und Partys eingeladen. Der ehemalige Straßenjunge war ein berühmter Mann.

Heute lebt der 55-Jährige vergleichsweise zurückgezogen. Er hat seine Häuser, Autos und Kunstwerke in Schweden verkauft. Das gebe ihm nicht nur wirtschaftliche, sondern auch künstlerische Freiheit, sagt er. „Ich mache, was mir gerade einfällt. Etwa dieses Buch, das ich vor Jahren geschrieben habe und noch ins Englische übersetzen muss." Ein Rundgang durch sein Atelier zeugt von seiner Umtriebigkeit. Der Eingangsbereich­ ist zugestellt mit Bildern. Es sind viele politische Motive darunter sowie Porträts von Bekannten und Freunden. Weiter hinten steht eine­ kleine Statue auf einem Podest. „Ich nenne sie ,Gameboy´?", erklärt er. „Die Inspiration kommt von meinem Sohn, der wie ein Wahnsinniger vor der Spielekonsole sitzt und wie besessen davon wirkt."

Hinter einem Keyboard und drei Gitarren hängen Kleider auf Ständern. Basecaps mit Katzenlogo ziehen die Blicke auf sich. Skraatch heißt das Modelabel, das Gröndahl auf dem Markt etablieren will. Der Name ist ein Wortspiel, einerseits abgeleitet vom englischen Wort für kratzen, andererseits von der Bezeichnung scratch player, mit der beim Golf ein Spieler ohne Handicap bezeichnet wird. Jetzt fehlt ihm nur noch eine erfolgreiche Vermarktungsstrategie. Als Werbeträger schwebt ihm der 27-jährige Golf-Shootingstar Rickie Fowler vor. Kleine Brötchen wollte Peter Gröndahl noch nie backen.

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