Weihnachtsmarkt im Pueblo Español: der Festzauber der Norma Duval

Die Lebensgefährtin von Matthias Kühn über Meeresfrüchte und Lebkuchen, den von ihr geleiteten Event und ihre Pläne für das "spanische Dorf"

25.12.2016 | 08:32
Eindrücke vom Weihnachtsmarkt Pueblo Español.

Jorge steht auf der Plaza Mayor im Pueblo Español in Palma und bringt eine Reihe künstlicher Tannenzweige an der Brüstung an – Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr am 6. Dezember beginnt. Norma Duval ruft ihm zu: „Cariño, bevor du gehst, könntest du noch den Christbaum hier vorne gerade richten, vida mía?" Charmant ist sie auch im Umgang mit ihren Mitarbeitern, die ehemalige Varieté-Darstellerin, Schauspielerin, TV-Moderatorin und Lebensgefährtin des deutschen Immobilienunternehmers Matthias Kühn. Den mercadillo navideño in den eigenen vier Wänden leitet sie zum ersten Mal. Das Pueblo Español gehört zur Firmengruppe von Kühn, Duval ist seit diesem Jahr Geschäftsführerin.

Immerhin hängen schon einige Lichterketten, die weißen Zelte der Aussteller und Essensstände sind bereits aufgebaut. Trotzdem fehlen an vielen Stellen noch Kleinigkeiten. „Heute waren wir den ganzen Vormittag unterwegs und wollten weihnachtliche Girlanden besorgen. Glaubst du, die haben wir irgendwo bekommen? Nein, die gibt es nirgends in der Größe, in der wir sie brauchen", erzählt Norma Duval während eines kurzen Rundgangs durch den Ort des Geschehens, an dem ab dem Nikolaustag Tausende Weihnachtsmarktfans erwartet werden, darunter viele Deutsche. In den Büroräumen auf der anderen Straßenseite setzen wir das Gespräch fort.

Wie feiert Norma Duval Weihnachten? Auf die spanische Art oder bringt Matthias Kühn deutsche Elemente mit ein?
Nein, das wird ganz spanisch bei uns gefeiert. Da setze ich mich durch! Die ganze Familie trifft sich in meinem Haus in Madrid. Ich lade auch gerne Freunde dazu ein, die an Weihnachten sonst allein wären. Außerdem kommt oft die Ex-Frau von Matthias mit dazu. Wir verstehen uns super. Wir essen natürlich gerne Meeresfrüchte an Weihnachten – etwas, das Matthias nicht mag. Deswegen kriegt er dieses Jahr Lamm mit Zwiebeln.

Können Sie sich für Lebkuchen und Glühwein erwärmen?
Dazu erzähle ich Ihnen eine Geschichte: Mein Vater hatte ein Haus an der Playa de Muro und ging gerne angeln oder am Strand spazieren. Eines Tages, ich glaube, es war im Jahr 1995, stürzte er und fiel ins Wasser. Er war Dialyse-
Patient und hatte keine Kraft, alleine aufzustehen. Zufällig kam ein stark gebauter Deutscher vorbei, half meinen Vater auf und rettete ihm so das Leben.

Die beiden verband seit diesem Tag eine innige Freundschaft, obwohl mein Vater kein Wort Deutsch und der Deutsche kein Wort Spanisch sprach. Sie schrieben sich Briefe mithilfe des Wörterbuchs. Immer kurz vor Weihnachten schickte der Deutsche eine große Kiste mit Weihnachtsgebäck aus seiner Heimat. Wir haben uns immer darauf gestürzt.
So kannte ich Lebkuchen und Plätzchen als ein Teil von Weihnachten auch in Spanien. Im Sommer kam der Deutsche immer für zwei Monate nach Playa de Muro. Mein Vater organisierte dann ein großes Bankett. Sie verstanden sich zwar weiterhin nicht, aber es waren fröhliche Tage. Bis mein Vater 2002 starb. Seitdem habe ich nichts mehr von dem Deutschen gehört.

Der Weihnachtsmarkt ist eine ziemlich deutsche Einrichtung. Wie kommen Sie damit zurecht?
Aus meiner Sicht tragen wir damit ein wenig zum Austausch der Kulturen auf der Insel bei. Es kommen ja nicht nur Deutsche, sondern auch viele Spanier, denen diese Stimmung gefällt. Ich war selbst schon auf mehreren Weihnachtsmärkten in Deutschland und war jedes Mal begeistert.

Was ist in diesem Jahr neu?
Es sind mehr Aussteller dabei, die Fläche vergrößert sich. Wir werden in diesem Jahr den Ausgang auf die Rückseite verlegen, damit es sich im Eingangsbereich nicht staut. In den vergangenen Jahren war es da teilweise recht voll. Wir waren uns zudem unsicher, ob wir den Markt nicht verlängern und statt sechs lieber neun Tage öffnen sollten, um damit zwei Wochenenden mit einzuschließen. Letztlich beließen wir es bei einem, aber ich glaube, für das kommende Jahr muss das das Ziel sein.

Was haben Sie als neue Leiterin mit dem Pueblo Español vor?
Wir müssen versuchen, mehr Leute zu Feiern oder anderen Veranstaltungen anzulocken. Mit dem neuen Kongresspalast, der ja von Meliá betrieben werden soll, ist Palma bald eine erstklassige Kongress-Stadt. Wir könnten da perfekt als Ergänzung dienen. Beispielsweise wäre es denkbar, Empfänge oder Abendveranstaltungen von großen Kongressen in unsere Sala Magna auszulagern. Dort können 1.500 Personen gleichzeitig zu Abend essen.

Das Pueblo Español ist gerade 50 Jahre alt geworden. Wird es eine Geburtstagsfeier geben?
Eine Party im engeren Sinne nicht. Aber im Februar habe ich zu Karneval einen Maskentanz geplant. Mallorca ist im Gegensatz zu den Kanaren zwar nicht gerade eine Faschingshochburg, dazu ist es hier im Februar einfach zu kalt und ungemütlich. Aber ich habe trotzdem große Lust, die Karnevalsstimmung ins Pueblo Español zu transportieren. Die Tänzerinnen werden bei uns dann nicht im Bikini antreten wie auf den Kanaren, sondern in historischen Kostümen.

Es tut sich was im Pueblo, das merkt man. Eine große Zahl von Skulpturen sticht ins Auge. Ist das eine neue Ausstellung?
Das ist Teil unseres Konzepts, Künstlern von der Insel einen Raum für ihre Werke zu bieten. Mir schwebt vor, dass das Pueblo Español ein großer Ausstellungssaal wird, in dem gleichzeitig verschiedene Künstler ihre Skulpturen und Gemälde zeigen können, ohne dafür etwas zahlen zu müssen. Das Pueblo an sich ist schließlich auch Kunst. Ich glaube, da passt so etwas sehr gut hinein. Und viele Künstler haben keinen Ort zum Ausstellen.

Welche Projekte haben Sie außer Ihrer Arbeit im Pueblo Español momentan noch?
Ich bin ständig unterwegs, beinahe ein wenig hyperaktiv. Gerade vor wenigen Tagen wurde mir eine Rolle in einem Theaterstück in Madrid vorgeschlagen. Das Stück läuft drei Monate, da muss ich noch überlegen, ob ich das zeitlich schaffe. Außerdem bin ich als Markenbotschafterin für das Modelabel Punto Roma unterwegs und habe viele Termine in Geschäften der Kette.

Auf der Bühne sieht man sie in letzter Zeit kaum noch.
Ich habe mich neu erfunden und möchte auch mal andere Dinge machen. Auf der Bühne stand ich 30 Jahre lang, ich muss das nicht lebenslang haben. Ich genieße es, aber ich brauche diese Selbstbestätigung nicht wie mein täglich Brot.

Bei so vielen Terminen wird es so schnell nichts mit der Hochzeit mit Matthias Kühn?
Ach, das machen wir wahrscheinlich mal zwischen Tür und Angel.

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