Auf verlorenem Posten

Ein Kinofilm ehrt die „Letzten auf den Philippinen". Unter ihnen war ein Veteran aus Petra

10.12.2016 | 10:37
„Los últimos de Filipinas" läuft zurzeit in mehreren Inselkinos.

Ein paar Dutzend spanische Soldaten – unter ihnen drei Mallorquiner – schrieben im Jahr 1898 Weltgeschichte. Oder zumindest wurden sie zu Protagonisten, als die Weltgeschichte über sie hereinbrach, wie der am Freitag (2.12.) in den Kinos angelaufene Film „1898. Los últimos de Filipinas" (Die Letzten auf den Philippinen) zeigt.

1898 bezeichnet für Spanien das schicksalhafte Jahr, in dem es die letzten Überseegebiete endgültig verlieren sollte: zunächst Kuba im Atlantik und kurz darauf die Philippinen im Pazifik. Unter dem Begriff die „Letzten auf den Philippinen" ist eine Handvoll spanischer Soldaten in die Geschichte eingegangen, die eine letzte Bastion des spanischen Reiches in dem Küstendorf Baler auf der philippinischen Insel Luzón verteidigten.

Am Ende verschanzten sich die von der Geschichte zum Scheitern verurteilten in einer Kirche, die sie noch fast ein Jahr lang gegen die Unabhängigkeitskämpfer verteidigen sollten. Und zwar vom 30. Juni 1898 bis zum 2. Juni 1899 – also auch dann noch, als Spanien seine Niederlage bereits im Vertrag von Paris eingestanden und die Philippinen in die Obhut der USA übergeben hatte. In der Inselkirche in Baler hatte man davon nichts mitbekommen. Und selbst als die Nachricht zu ihnen vordrang, hielt man die Zeitungsartikel für Fälschungen und einen Trick des philippinischen Militärs, um sie zur Aufgabe der letzten Bastion zu bewegen.

Unter den in Baler kämpfenden Spaniern befanden sich auch drei Mallorquiner. Zwei davon eignen sich jedoch nicht so richtig fürs Heldenepos: Der eine starb im Krieg, aber aus Spaniens Sicht auf der falschen Seite. Denn vorher war er zu den philippinischen Freiheitskämpfern – sprich dem Feind – übergelaufen. Ein anderer war immerhin an den Verhandlungen über die friedliche Aufgabe der letzten Bastion beteiligt.

Bleibt noch einer. Und der, Antoni Bauzá, wird in seinem Heimatdorf Petra seit über hundert Jahren als echter Kriegsheld in Erinnerung bewahrt. Denn er gehörte zu den letzten 53 Männern, die bis zuletzt und zudem schwer verletzt in der Kirche ausharrten.

Bauzá kehrte schließlich nach Petra zurück. Und obwohl er seit 1961 und inzwischen auch alle seine sieben Kinder tot sind, bewahrt man in dem Inseldorf die Erinnerung an den stillen und vom Krieg gezeichneten Mann, der unter dem Spitznamen „En Jardí des Creus" (etwa: „der Jardí Junge mit den Kreuzorden") bekannt war. Manch älterer Mallorquiner wird sich nun den Film anschauen und davon erzählen, wie „En Jardí des Creus" zu besonderen Anlässen in Petra die Uniform samt aller Orden trug.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Gesellschaft

Ella Rumpf hat mit „Tiger Girl" für Aufsehen gesorgt.
Ella Rumpf: "Als Nächstes spiele ich eine coole Lady"

Ella Rumpf: "Als Nächstes spiele ich eine coole Lady"

Die 22-Jährige wurde beim Evolution Film Festival als beste Schauspielerin ausgezeichnet

Vertrauen und ein bisschen Hilfe zum Erfolg auf Mallorca

Vertrauen und ein bisschen Hilfe zum Erfolg auf Mallorca

Seit 2011 vergibt die gemeinnützige Organisation „Treball Solidari" auf Mallorca...

Er bringt deutsches Theater nach Mallorca

Er bringt deutsches Theater nach Mallorca

Peter Hoffmann holt „Atmen" vom „Kollektiv Schluß mit ohne" auf die Insel

Freimaurer auf Mallorca: „Als würden wir Teufel sein und Kinder aufessen"

Freimaurer auf Mallorca: „Als würden wir Teufel sein und Kinder aufessen"

Die balearischen Freimaurer haben ein Imageproblem. Zum 25-jährigen Bestehen der Hauptloge soll...

25.000 Menschen suchen zu Allerheiligen den Friedhof von Palma auf

Die Mallorquiner gedachten der Verstorbenen. In Deutschland erfolgt der Friedhofsbesuch...

Ballermann ist nur noch "döp, döp und eskalieren"

Ballermann ist nur noch "döp, döp und eskalieren"

Erich Öxler denkt sich Malle-Hits aus. Er war es, der Jürgen Drews Kultsong "König von Mallorca"...

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |