Weihnachtslotterie: Auch die Deutschen hoffen auf den "Gordo"

Die "Lotería de Navidad" in Spanien wird bei Ausländern immer beliebter. Gespielt wird auch indirekt im Netz. Ob Sie gewonnen haben, erfahren Sie am Donnerstag (22.12.) hier auf der MZ-Website

22.12.2016 | 11:20
Weihnachtslotterie: Auch die Deutschen hoffen auf den "Gordo"

Philipp Kolf und Karen Kroj werden dieses Jahr am 22. Dezember mitfiebern und ihr Los der spanischen Weihnachtslotterie in der Hand halten, während die spanischen TV-Kinder die Gewinner verkünden. Wie Millionen Spanier auch. Der kleine Unterschied: Philipp Kolf und Karen Kroj leben in Deutschland, sie spielen über die Grenzen hinweg bei der spanischen Weihnachtslotterie mit. Zusammen mit anderen Familienmitgliedern haben die beiden aus Braunschweig über Verwandte in Palma ein ganzes Los für 200 Euro erstanden. „Der Gewinn wird dann natürlich fair aufgeteilt", versichert Karen Kroj.

Die beiden sind auch deswegen im Spielfieber, weil 2015 ein 45-jähriger Mann aus dem benachbarten Wolfsburg zusammen mit seiner Frau und ein paar Freunden den „Gordo", den Hauptgewinn der Weihnachtslotterie, abräumte. Vier Millionen Euro auf einen Schlag. Das Fernsehen und die Zeitungen berichteten. Karen Kroj und Philipp Kolf rochen Lunte.

Und sie sind nicht die Einzigen. Längst hat sich auch im Ausland herumgesprochen, dass sich ein Los der ältesten und größten Lotterie weltweit lohnen kann. Die Lotería de Navidad schüttet dieses Jahr insgesamt 2,31 Milliarden Euro aus. Neben dem Hauptgewinn gibt es auch etliche Trostpreise, die Gewinnchancen sind hoch. Die Ziehung erfolgt am 22. Dezember, wenn die Schüler des ehemaligen Madrider Waisenhauses in einem dreieinhalbstündigen Marathon Nummern und Gewinne aus den beiden Lostrommeln ziehen. Die Lose – zumeist werden décimos, also Zehntellose für 20 Euro verkauft – können noch bis kurz zuvor in den Filialen von „Loterías y Apuestas del Estado" erworben werden.

Oder aber im Internet, auch vom Ausland aus. Der Weg über die Online-Plattform der spanischen Nationallotterie (www.lote
riasyapuestas.es) ist zugegeben ein wenig steinig. Man muss sich registrieren, eine NIE angeben – die Nummer für in Spanien angemeldete Ausländer – sowie auch eine spanische Meldeadresse. Auch die überaus unauffällige Aufmachung der Seite und der fehlende explizite Verweis auf die Weihnachtslotterie belegen: So richtig verkaufen – der décimo kostet wie auf der Straße 20 Euro – will man hier gar nicht.

Das überlässt man offensichtlich Online-Anbietern wie Ventura24, die für diesen Service allerdings eine Gebühr erheben: Das décimo kostet hier 22,99 Euro. Eine spanische Melde­adresse ist nicht nötig, wer kein Resident ist, muss allerdings vorab eine Kopie der Kreditkarte an die Zentrale des Lottoanbieters in Madrid schicken.

Ventura24-Sprecherin Claudia Giommarini versichert: „Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns." Von einem Boom zu sprechen, sei vielleicht übertrieben, aber die Tendenz zeige nach oben: „16 Prozent unserer Kunden sind Ausländer." Die Pressestelle der spanischen Nationallotterie hingegen nennt keine Zahlen zu ausländischen Käufern.

Von wachsenden Umsätzen in Deutschland berichtet auch eine Sprecherin von Lottoland.de, jenes Lottoanbieters, der vergangenes Jahr den Wolfsburger beglückte. 2015 seien bei ihnen circa 60.000 Tipps für die spanische Weihnachtslotterie abgegeben worden. Da viele Teilnehmer erst im letzten Moment ihren Weihnachts-Tipp abgeben würden, könne man für dieses Jahr noch keine genauen Angaben machen, so die Sprecherin. Mit Lizenzen in Gibraltar, England und Irland operiert Lottoland grenzübergreifend.

Wer bei diesem Anbieter die spanische Weihnachtslotterie spielt, kauft nicht wirklich ein Los der spanischen Nationalloterie, sondern gibt lediglich einen Tipp auf eine Losnummer ab. Der Tipp kostet 34,99 statt 20 Euro für ein Zehntel-Los in Spanien. Landet der Tipp einen Treffer, so erhält der Gewinner den gleichen Betrag wie der Besitzer des gleichen Loses in Spanien. Zusätzlich wirbt Lottoland mit der Steuerfreiheit der Gewinne, da sie nicht unter das deutsche Einkommenssteuergesetz fielen. Dies sei möglich, weil die Ein- und Auszahlungen bei Lottoland mit den Einnahmen und Ausschüttungen in Spanien nichts zu tun haben.

Das gilt für Gewinne bei der spanischen Lotterie nicht. Seit 2013 müssen Gewinne ab 2.500 Euro mit 20 Prozent versteuert werden. Das gelte auch für ausländische Teilnehmer, bestätigt die Pressestelle von ventura24.es.

Auch die Wahlberlinerin Nina Bertsch fiebert am 22.12. mit. Die Kunsthistorikerin liebt Spanien, sie verbrachte als Studentin mehrere Monate in Granada, nach Palma kommt sie regelmäßig, um Freunde zu besuchen. Sie kauft seit Jahren ein Los und wählt, ähnlich wie die Braunschweiger Gruppe, den persönlichen Direktweg über eine Freundin, die in Palma lebt. „Ich mag vor allem das kollektive Erlebnis bei der spanischen Weihnachtslotterie: gemeinsam hoffen und eventuell gemeinsam freuen."

In Spanien tun sich Bürogemeinschaften, Freundesgruppen, Stammkundschaften, ja, halbe Dörfer zusammen, um sich die Lose zu teilen. Wer den „Gordo", den Hauptgewinn, knackt, hat finanziell nicht nur ausgesorgt, sondern kann sich auch mit den Mitmenschen in den Armen ­liegen. Dieses Konzept – und nicht so sehr die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben – war es auch, was die beiden jungen Braunschweiger an der spanischen Lotterie reizte. „Wir sind Realisten und erwarten keine Wunder", sagt Karen Kroj. Aber vielleicht klappt es ja dennoch.

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