Gerd Silberbauer: "Ich will richtige Verbrecher"

Der Schauspieler, der in der Serie "SOKO München" Hauptkommissar Arthur Bauer mimt, über Krimis, Drehbücher und ewig gleiche Mordmotive

19.01.2017 | 12:08
Gerd Silberbauer als Arthur Bauer in einer Szene mit Julia Bremermann (als Nathalie Weigand).

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  • Gemeinsam mit dem Emons Verlag und der Literaturagentin Lianne Kolf hat die MZ einen Krimi-Wettbewerb ausgeschrieben. Das sind die Teilnahmebedingungen:
  • Die Handlung muss auf Mallorca spielen und zeitlich in der Gegenwart angesiedelt sein.
  • Der Krimi darf bislang noch nicht veröffentlicht sein.
  • Er sollte in seiner geplanten endgültigen Fassung nicht kürzer als 350.000 Zeichen und nicht länger als 500.000 Zeichen sein.
  • Einzureichen sind die ersten 30 Seiten (ca. 30 Zeilen à 60 Anschläge pro Seite) des (geplanten) Kriminalromans sowie ein Exposé von maximal drei Seiten, das die weitere Handlung und die Auflösung skizziert.
  • Bitte reichen Sie Exposé und Leseprobe ausschließlich auf elektronischem Weg als Dateien ein, an folgende Adresse: rahnfeld@emons-verlag.de.
  • Fügen Sie ein Foto, Ihre Anschrift und vor allem einige kurze Angaben zu Ihrer Person bei.
  • Einsendeschluss ist der 28. Fe­bruar 2017. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Der Gewinnertitel wird als Mallorca-Krimi in der Kriminalromanreihe des Emons Verlags erscheinen. Dem zweiten und dritten Platz winkt jeweils ein Jahresabo der MZ sowie – ebenso wie dem Sieger des Wettbewerbs – ein Agenturvertrag bei Lianne Kolf.

Mit Gerd Silberbauer zu sprechen, ist immer wieder erfrischend. Der 63-jährige Schauspieler aus dem Westerwald, der vor allem durch seine Rolle als Hauptkommissar Arthur Bauer in der Kult-Krimiserie „SOKO München" (früher „SOKO 5113") bekannt ist, beklagt sich auf seiner das ganze Jahr über gemieteten Finca nahe Cas Concos gerade über den Shopping- und Luxuswahn unserer heutigen Gesellschaft, speziell zu Weihnachten. Da läuft wie bestellt im Hintergrund auf Bayern 1 „Schickeria" von der Spider Murphy Gang. „Ich mag es, hier im Sonnenschein Bayern 1 zu hören. Die berichten ständig von Schneeverwehungen und quer stehenden Lkw in Bayern", sagt er. Silberbauer, Jurymitglied des MZ-Krimiwettbewerbs (siehe Kasten), hat die Weihnachtstage auf seiner Finca verbracht und muss Ende Januar wieder für die SOKO-Dreharbeiten nach München.

Sie haben sich jüngst kritisch zur Häufung von Krimis im deutschen Fernsehen geäußert. Aber geschriebene Krimis sind okay, oder?
Es muss nicht sein, dass man zu einer x-beliebigen Uhrzeit den Fernseher anschaltet und – überspitzt gesagt – immer irgendein Kommissar die Frage stellt: Wo waren Sie gestern Abend zwischen 20 und 22 Uhr? Mir ist das inzwischen zu viel. Deshalb freue ich mich so auf den Krimi-Wettbewerb. Wenn Menschen lesen, entsteht etwas im Kopf, es beflügelt die Fantasie. Zurzeit gibt es in Deutschland richtig viele gute Krimi-Autoren. Selbst zu schreiben ist richtig schwer, ein echter Kick.

Lesen Sie viel?
In der Freizeit schaffe ich nur etwa drei bis vier Bücher im Jahr, was ich sehr bedauere. Aber ich bin ein gebranntes Kind, was Drehbücher angeht. Davon lese ich etwa 30 im Jahr. Manche würde ich nach zwei Seiten sofort wegschmeißen, andere kann ich kaum zur Seite legen.

Wie ist ein Drehbuch gestrickt, das Sie nicht wegschmeißen?
Es muss klare Strukturen geben, interessante Charaktere und einen spannenden Plot. Ich will nicht auf Seite 3 den Mörder kennen. Und ich will auch nicht nach vier Seiten schon den sechsten neu eingeführten Namen lesen.

Wie läuft der Mord in Ihrem perfekten Drehbuch ab?
Verbrechen sollten nicht zufällig geschehen, ich will richtige Verbrecher, echte Typen. Auch als Hauptkommissar Bauer möchte ich mit dem Bösen konfrontiert werden, denn in der realen Welt gewinnt ja auch immer das Böse, weil es mehr Energie aufbringt.

Sie haben kein großes Vertrauen in die Menschen.
Der Mensch an sich hat sich ja trotz des technischen Fortschritts nicht verändert. Die Motive für einen Mord sind heute nicht anders als vor 500 oder 2.000 Jahren. Der Chef des Münchner Morddezernats hat mal gesagt: Folge den Spuren des Geldes oder des Spermas, dann hast du den Täter. So ist es doch.

Sie sind erklärter Mallorca-Fan. Was bedeutet die Insel für Sie?
Ich habe hier Ruhe, Stille und Einsamkeit. Auf Mallorca arbeite ich doppelt so gut wie in München. Jetzt bekomme ich wieder drei Drehbücher hierher geliefert, die werde ich dann durcharbeiten.

Wie sieht Ihr Arbeitsprozess aus, wenn Sie ein Drehbuch lesen?
Zunächst lese ich es zweimal ganz durch, dann noch ein drittes Mal, wobei ich es dann intensiv bearbeite und mir zum Beispiel überlege, welche Sätze ich so nicht sagen würde. Dann kommt das grobe Anlernen, danach das richtige Lernen, und die Feinabstimmung mache ich am Abend vor dem Drehtag. Das Gute am Hauptkommissar Bauer ist ja, dass ich das nicht spiele, sondern zu einem Großteil so bin. Wenn du im Fernsehen versuchst zu spielen, bist du tot.

Ganz anders als im Theater, Ihrer großen Leidenschaft.
Theater ist sehr wichtig für mich. Ich war im vergangenen Jahr mit einem zwölfköpfigen Team auf Tour. Wir haben „Des Teufels General" gespielt. Von 130 Minuten stand ich als Luftwaffengeneral Harras 120 Minuten auf der Bühne. Das war, auch durch die vielen emotionalen Umbrüche der Figur, mit die schwerste Rolle, die ich bisher gespielt habe.

Was kommt nach Ihrer Rolle als Arthur Bauer?
Ich habe mehrere Ideen, eine davon würde ich gerne auf Mallorca verwirklichen: ein auf Mallorca gestrandeter 68er-Aussteiger, der mithilfe seines jungen Alter Ego versucht zu überleben und dabei kleine und größere Gaunereien vom Stapel lässt.

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