Bierstraße an der Playa de Palma: "Ich muss da mal was richtigstellen"

Wie alt ist das Phänomen am Ballermann wirklich? Norbert Jansen erfand 1987 die Stehtische und sieht sich als Geburtshelfer

16.02.2017 | 09:09
Stolz auf „seine" Stehtische: Jansen vor dem „Deutschen Eck".

Norbert Jansen ist an sich ein ruhiger Mensch. Doch wenn der 61-Jährige hört, dass die legendäre Bierstraße an der Playa de Palma auf Mallorca schon fast 40 Jahre alt sein soll, wird er nervös. „Das stimmt so nicht, ich muss da mal was richtigstellen", sagt der gebürtige Oberhausener. Das Insel-Urgestein gibt das Entstehungsjahr der bei Deutschen so beliebten Schunkel- und Trinkgasse mit 1987 an.

„Ich war es, der die für diese Straße heute noch so typischen 1.30 Meter hohen Holztische mit den wabenartigen Platten erfand", sagt er. Jansen sitzt dem MZ-Reporter an passender Stelle gegenüber – im Deutschen Eck in nämlicher Straße, die eigentlich Carrer Miquel Pellisa heißt, bei einem Bier. Seine Augen glänzen vor Stolz.

Der Wahl-Mallorquiner, der zuvor im Westerwald als Immobilienmakler tätig gewesen war, geriet damals aus Abenteuerlust auf die Insel („Ich wollte was ganz anderes machen") und machte sich auf Arbeitssuche. „Bernd Nieswand, der Besitzer der Diskothek Carrusel, hatte ein paar alte weiße Jeeps vor seiner Disco stehen, die an der Seite ausklappbare Tische hatten, wo die Urlauber ihre Gläser abstellen konnten", erinnert er sich. Jansen schlug Nieswand vor, zum Start der Urlaubersaison im Mai 1987 doch lieber rot-weiße waben­förmige Stehtische vor das Etablissement zu stellen.

Der Carrusel-Betreiber sagte spontan Ja, und Jansen ließ die ersten zwei Tische zimmern. Er verband beide „mittig", wie er sagt, mit einem rechteckigen Brett. Immer mehr Gäste fanden das gut, und Nieswand belohnte Jansen mit dem Job des technischen Direktors. Der ließ weitere Tische herstellen, und die Leute strömten in Scharen herbei. „Das Carrusel war mit bis zu 3.000 Besuchern manchmal rappelvoll." Norbert Jansen wohnte über dem Lokal, das heute Et Dömsche heißt. Mehr als anderthalb Jahre hielt er es bei Nieswand aber nicht aus, denn er musste fast permanent im Einsatz sein und fand kaum Schlaf.

Die Wirte anderer damals in der Straße existierender Bierbars wie Kaktus und Klimbim fanden die Idee des Ruhrgebietlers ebenfalls so wunderbar, dass sie ihn beauftragten, auch für sie Spezialtische schreinern zu lassen. Und dann war da noch ein weiterer Mitbewerber: „Toni Ferrer, der unter anderem das Hannen Fass betrieb, fand das auch toll, ließ solche Tische aber selbst schreinern."

Toni Ferrer! Der mallorquinische Wirt feierte sich im Juli 2009 medienwirksam mit einem rauschenden Fest und einem am Spieß gegrillten Riesen-Ochsen als jenen, der die Bierstraße genau 30 Jahre zuvor erfunden haben wollte. Denn 1979 hatte der umtriebige Unternehmer das Köpi eröffnet – eines von mehreren Lokalen, die er sich mit der Zeit in der Straße zulegte. Immerhin gelang es ihm, in jener Zeit als Erster in Spanien das Importverbot für Fassbier zu umgehen.

Doch er war eben nicht der Erfinder der wabenförmigen Tische, die so für die Bierstraße stehen wie das Brandenburger Tor für Berlin. Die diese erst zu dem machen, was sie ist. Diese Ehre gebührt wohl Norbert Jansen.

Der sieht die Sache folgendermaßen: „Vor 1987 waren in dieser Straße, wo sich damals noch ein kleiner Supermarkt und einige Einfamilienhäuser befanden, zwar auch schon deutsche Urlauber unterwegs, um hier ein Bier zu trinken, aber die typische Fest- und Tisch­atmosphäre gab es noch nicht." Nachdem die Bierstraße dergestalt zum Leben erweckt worden war, zeigte man sich von Jansens pfiffiger Idee auch woanders an der Playa begeistert. „Auch auf der Schinkenstraße, wo früher nur ein kleiner Chiringuito stand, führte man diese Tische ein."

Nach seinem anstrengenden Engagement für Nieswand blieb Norbert Jansen zunächst an der Playa de Palma. „Ich brachte eine Biermarke, das Oechsener, auf die Insel", sagt er. „Die gibt´s aber inzwischen hier nicht mehr." Dann verkaufte er damals hochmodische Rheumabetten aus Lamafell an Hotelbetreiber und konnte davon leben. Doch mit der Zeit wurde ihm die Ecke einfach zu unsicher. Und „zu schäbig", wie er sagt. „Heute kann sich eine Frau ja nicht einmal mehr allein dort nachts bewegen", sagt er, blickt aus dem Deutschen Eck und schaut fast verträumt auf die Straße, die früher seine Wirkungsstätte war. „Damals ging es hier viel zivilisierter zu, es war ein Hochzeits- und Verlobungsparadies."

Die negative Entwicklung habe vor etwa zehn Jahren begonnen. Norbert Jansen machte sich ins ruhigere und familienfreundlichere Cala Millor davon und eröffnete dort einen „Riesenladen" unter anderem für bedruckte T-Shirts, die er auch als Großhändler vertreibt. „Das Geschäft gibt´s inzwischen nicht mehr, aber der Großhandel funktioniert bestens."

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