Als Journalistin bei den Oscars: Wenn vier Minuten reichen müssen

Kino-Reporterin Mathilde Bernard ist schon vielen Filmstars begegnet. Am Sonntag berichtet sie aus Los Angeles von den Academy Awards

25.02.2017 | 15:09
War schon mehr als 20 Mal bei den Oscars: Mathilde Bernard.

Sonntag, 26. Februar. It´s Oscar time. Der rote Teppich ist ausgebreitet, die Stars schreiten in Los Angeles vor dem Dolby Theatre darüber und geben ein Interview nach dem anderen. Mittendrin Mathilde Bernard, die schon über 20-mal bei der Oscarverleihung dabei war. Ihr Beruf: Filmjournalistin. Angefangen hat die studierte Politikwissenschaftlerin vor über 30 Jahren in der Nachrichtenredaktion eines Privatsenders in München. Sie wechselte bald in die Kultur und schließlich ins Entertainment mit Fokus auf Kino und Stars. Sie berichtet von Filmfestivals in Cannes, Venedig, Toronto, San Sebastian oder Karlsbad, interviewt Stars weltweit und besucht Dreharbeiten. Ein Leben, in dem Kofferpacken und Flugzeuge eine große Rolle spielen.


Emma Watson und Vin Diesel

In Los Angeles wird sie in diesem Jahr den Kollegen von Pro 7 bei deren Oscar-Übertragung zuarbeiten, Hintergrundberichte drehen und Infos für den Moderator der Show, Steven Gätjen, zusammenstellen. Teamwork. Zuvor stehen aber noch Interviews in London mit Emma Watson zu „Beauty and the Beast" und in Los Angeles mit Vin Diesel und Charlize Theron zu „Fast and Furious 8" auf dem Programm.

Ihre Berichte verkauft sie an verschiedene Fernsehanstalten wie ZDF (etwa für die Sendung „Leute heute"), die RTL- und die Sat.1-Sendergruppen sowie an den Bayrischen Rundfunk. Ein breites Spektrum, das sie nahezu als Einzige in Deutschland erreicht. Kein Wunder, dass sie aufgrund dieser „Streuung", aber auch wegen ihrer Professionalität bei den Verantwortlichen der Filmbranche einen guten Ruf genießt. Deshalb wird auch meist sie ausgewählt, wenn gewisse Stars nur ein Fernsehinterview pro Land machen wollen. „Kollegen, die für gewisse Sender fest arbeiten, haben bei einer starken Selektion schlechtere Karten als ich, denn mein Verteilersystem deckt mehrere Sender ab."
Zumal weltweit auch noch weitere Kollegen für sie im Einsatz sind: „Das sind Journalisten, die ich schon lange kenne. Die bekommen meine Fragen fürs Interview, sind aber auch clever genug, selbst zu reagieren. Das erweitert mein Spektrum."

Pausenlos um die Welt reisen

Ein aufregendes Leben, um das sie sicher viele beneiden. Und doch, wenn man hinter die Kulissen schaut, auch ein sehr anstrengendes – ganz ohne Glamour. „Man fliegt um die halbe Welt und bekommt dann bei Interviews oft nur vier bis sechs Minuten Zeit zugeteilt. Die Einhaltung wird sorgfältig von den PR-Verantwortlichen überwacht", erzählt die Journalistin. „Da fragt man sich, was man in vier Minuten überhaupt fragen kann – ein wirkliches Gespräch findet da selten statt." Weil sie gleich mehrere Sender bedient, gibt es manchmal gnädigerweise auch mal zehn oder zwölf Minuten.

Aufgeregt sei sie bei der Begegnung mit den Stars schon lange nicht mehr, sagt Mathilde Bernard. Sie sei kein Fan und würde sich auch nicht entsprechend verhalten. Also keine Selfies oder Autogrammbitten, zumal das von der PR-Crew des Stars auch meist verboten würde. Deshalb gäbe es auch wenige gemeinsame Fotos mit den Stars. „Das ist letztlich ein Job wie viele andere. Aber natürlich freue ich mich auf einige Schauspieler besonders, etwa auf Johnny Depp, den ich schon sehr oft in den vielen Jahren interviewt habe und seine Entwicklung beobachten konnte."
Auch Interviews mit Brad Pitt, seiner Ex-Frau Angelina Jolie, Jane Fonda, Meryl Streep, Sandra Bul­lock, Julia Roberts, George Clooney schätzt sie sehr.

Ein paar Minuten mit Dwayne "The Rock" Johnson

Oder mit Til Schweiger („Til wird von den meisten völlig falsch eingeschätzt. Er ist ungemein sympathisch, engagiert und immer authentisch") und Dwayne ´The Rock´ Johnson (laut „People" der „attraktivste Mann 2016"). Dies alles seien reflektiert denkende Menschen, die den Interviewer auch noch überraschen würden. Wenn dann doch mal ein paar Minuten mehr Zeit bleiben, könne man abseits der Mikrofone auch über andere Dinge reden. Zickig seien die wenigsten. Generell würde gelten: „Je größer die Stars, desto kleiner sind ihre Attitüden. Oder auch: Je mehr Attitüden, desto kleiner das Hirn."

Neben den kurzen Berichten für die Entertainment-Magazine des Fernsehens produziert Mathilde Bernard auch längere Dokumentationen, größtenteils gemeinsam mit ihrem Mann Mark Kaczmarczyk, einem gebürtigen Kanadier, der sich normalerweise eher mit den Themen Natur und Umwelt auseinandersetzt. Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Harrison Ford und Clint Eastwood hat sie auf diese Art und Weise schon porträtiert. „Diese Arbeit macht viel Freude, weil man da in die Tiefe gehen kann."

Entspannung finden beide dieses Jahr auf einer Finca in der Inselmitte, die die Mallorca-Fans diesmal für gut fünf Monate gemietet haben. Aber ganz ohne Arbeit geht es auch hier nicht: „Aufgrund der guten Fluganbindung Mallorcas kann ich genauso gut von hier aus zu meinen Terminen fliegen."

Lesen Sie hier: Hotel Araxa - in einem Hotel in Palma sind 2015 Szenen eines nun für den Oscar nominierten Filmes gedreht worden

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