Die Welt der Influencerin Claudia Albons

Die Mallorquinerin will „Glück und Freude in die digitale Welt bringen". Und baut sich so als Marke auf, die auch für Marken interessant ist

13.03.2017 | 02:30
Keine Auswahlkriterien, „aber gut aussehen muss es". Aktuelle Bilder von Claudia Albons bei Instagram.

Claudia Albons, eine Mallorquinerin mit Wohnsitz Barcelona, betreibt ihren Mode- und Lifestyle-Blog claudiaalbons.com seit acht Jahren und ist mit insgesamt rund 30.000 Fans in sozialen Netzwerken ein „Micro Influencer" – also die kleine Schwester von Bloggern wie der Spanierin Aida Domenech (1,5 Millionen Follower) oder der Deutschen Pamela Reif (2,7 Millionen Follower). Influencer sind Menschen, die ihren Alltag in sozialen Medien dokumentieren und Einfluss auf Follower und Konsumenten haben. Auch Claudia Albons (26) wird als Markenbotschafterin von Firmen wie Calvin Klein, Guerlain, Adidas, H&M und Sephora engagiert – denn ihre Fans sind eine attraktive Zielgruppe, größtenteils weiblich und zwischen 25 und 35 Jahre alt. Von der digitalen Selbstvermarktung leben muss die studierte Journalistin aber nicht. Sie schreibt für Modemagazine, arbeitet für einen Fernseh­kanal und modelt für Werbekampagnen von Unternehmen wie Schwarzkopf oder Desigual.

Wie wird man ein „Influencer"?
Mit 17 Jahren hatte ich meinen ersten Blog missmarbles.net und schrieb schon damals auf Spanisch und Englisch über Mode, später kamen Instagram, Facebook und Twitter dazu. Heute habe ich zwischen 25.000 und 30.000 Follower, und mein Blog hat rund 50.000 Besucher monatlich.

Was gefällt Ihnen an der digitalen Selbstvermarktung?
Ich sehe mich da eher auf einer kleinen Skala. Ich arbeite hauptsächlich als Mode-Journalistin und modle auch ab und zu. Pro Monat bekomme ich mindestens zehn Angebote von Marken, die mich als influencer engagieren wollen. Gefällt mir das Produkt, sage ich zu, passt es nicht zu meinem Stil, sage ich freundlich ab. Ich möchte mir selbst treu und für meine Fans glaubwürdig bleiben.

Kennzeichnen Sie bezahlte Beiträge in Ihren Posts?
Ja, aber nicht mit unscheinbaren Hashtags wie #ad oder #spon, die von den Followern leicht überlesen wird. Wenn ich ein Foto hochlade, auf dem ich Werbung für ein Produkt mache, schreibe ich ganz offen darüber. Letztens hatte ich eine super coole Kampagne für Schwarzkopf, meine Fans wussten, dass die Fotos eine Zusammenarbeit zwischen der Marke und meinem Blog waren.

Auf Instagram gibt´s immer wieder Fotos von Ihnen mit nackter Haut – Kalkül?
Ich wähle jedes Foto nach meinem persönlichen Geschmack aus und folge den Regeln meiner eigenen Ästhetik. Es gibt keine strengen Auswahlkriterien für ein Bild – aber gut aussehen muss es. Da ich auf Instagram meinen Alltag dokumentiere, poste ich neben Katzenfotos natürlich immer wieder auch Aufnahmen von Mode-Shootings.

Haben Sie in Ihrer Rolle als Influen­cerin eine Verantwortung?
In sozialen Netzwerken bin ich politisch korrekt, äußere mich also nicht zu Politik, Religion, Sex. Verantwortung heißt für mich auch, ich selbst zu sein. Statt das soziale Netzwerk aufzumischen, möchte ich lieber schöne Dinge verbreiten, Glück und Freude in die digitale Welt bringen.

Haben Sie Vorbilder in der Blogger-Szene?
Ich bewundere Jessie Andrews, sie ist US-Amerikanerin, entwirft Schmuck und ist auch Pornodarstellerin. Sie ist erst 24, steht auf eigenen Beinen und lässt sich von niemandem vorschreiben, wie sie zu leben hat. Mich inspirieren ihre Fotos und ihr Musikstil, sie arbeitet wie ich als DJ und kommt sehr natürlich rüber.

Als DJ haben Sie schon für Marc Jacobs oder TAG Heuer aufgelegt.
Meine DJ-Karriere startete 2013, damals hatte ich eine Anfrage von Brondo Architect Hotel in Palma, wo ich zur Eröffnung Musik auflegen sollte. Ich hatte das noch nie gemacht, hatte aber zum Glück ein paar Wochen Vorlauf und konnte bei einem Freund Unterricht nehmen. Im Grunde ist es gar nicht so schwer, wenn man wie ich ein gutes Gehör und Gespür für Rhythmus hat. Mein Vater ist Musiker, und meine Mutter spielt Klavier, außerdem singe ich leidenschaftlich gern. Als DJ werde ich immer wieder von großen Luxusmarken engagiert, wenn ein Event in Barcelona oder Madrid stattfindet. Die Liste von Menschen, die in das Profil influencer, Model und DJ passen, ist in Spanien begrenzt, ein Name steht drauf.

Ihr nächstes großes Projekt?
Ich fliege zur Fashion Week nach Mailand und Madrid, um für Spaniens digitalen TV-Kanal „The Dream VR" Reportagen über mehrere Modedesigner zu drehen. Natürlich werde ich auch parallel auf meinem Blog berichten. VR steht für Virtual Reality, wir benutzen für die Aufnahmen 360-Grad-Kameras, und der Zuschauer kann mit einer speziellen VR-Brille den Blick wie im echten Leben über den Laufsteg schweifen lassen. Auf Wunsch bekommt er auch Zusatzinfos über Models oder die Kollektion eingeblendet. Ich finde, solch eine Rundum-Sicht, ergänzend zur Perspektive, die der Kameramann ausgewählt hat, kann die Glaubwürdigkeit von Beiträgen erhöhen.

Es fällt auf, dass Sie flüssig Englisch schreiben und sprechen.
Meine Mutter machte ihre Ausbildung in Kuba und in den USA und gab mir zu Hause von klein auf Englischunterricht. Mich hat die Sprache schon immer interessiert, und wenn möglich sehe ich mir jeden Film im Original an.

Was ist Ihr Lebensentwurf? Haben Sie auch einen Freund?
Ja, Nil stammt von Menorca, hat sein Tattoo-Studio aber in Palma. Auch er reist für seinen Job viel durch die Welt, es vergehen aber nie mehr als zehn Tage, ohne dass wir uns sehen. In drei bis fünf Jahren möchte ich gern Kinder haben, eine Familie auf Mallorca gründen, da ticke ich ziemlich konservativ. Die Insel hat eine ganz besondere Energie, sie ist mein Zufluchtsort und mein Zuhause.

Haben Sie manchmal auch Zukunftsängste?
Ich bin neugierig und vielseitig und werde auch in Zukunft zig Projekte im Ärmel haben. Ich weiß aber, dass ich nicht immer hundert Sachen auf einmal machen, ständig ins Gym laufen und zu Castings gehen kann. Auch wenn Barcelona mir beruflich mehr Möglichkeiten bietet, sehe ich meine Zukunft als Unternehmerin auf Mallorca. Ich glaube, wenn man vorbereitet ist und weiß, wo man hinwill, findet man immer einen Job. Für mich hat diese Einstellung nichts mit Arroganz, sondern mit Respekt und Verantwortung zu tun.

Ihr größter Traum?
Ein eigenes Modemagazin zu drucken. Ich liebe Papier und Bücher, aber heute ist das Internet wichtig, günstiger und man erreicht online natürlich viel mehr Menschen.

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