Medizin an der Balearen-Uni: Anatomie hui, Physik pfui

Wie vier junge Frauen ihr erstes Studienjahr an der neuen Medizin-Fakultät erleben

15.03.2017 | 11:42
Absolvieren ihr erstes Studienjahr: Victoria Ros, Ada Juárez, Marina Martínez und Raquel Romero (v.li.).

Es war der 12. September des vergangenen Jahres, als an der Wissenschafts-Front auf Mallorca ein großer Sprung nach vorn vollzogen wurde: Die ersten 62 Studenten der neu gegründeten Medizin-Fakultät der Balearen-Universität – 24 kommen von den Inseln – begannen im Modul H des riesigen Insel-Krankenhauses Son Espases ihre Ausbildung. Nicht weniger als 28 Dozenten stehen den 52 Frauen und nur zehn Männern in zwölf Fächern zur Verfügung – paradiesische Zustände, wenn man etwa die Zustände an deutschen Massen-Universitäten zum Vergleich heranzieht.

Ada Juárez aus Esporles, Victoria Ros aus Cartagena, Marina Martínez aus Málaga und Raquel Romero aus Palma sind denn auch zufrieden. Zwischen Dozenten und Studenten gebe es keine große Distanz, lobt Raquel den alles andere als anonymen Lehrbetrieb. „Man sieht ihnen an, dass sie, weil alles neu ist und sie nicht schon 20 Jahre lang Dienst tun, mit viel En­gagement bei der Sache sind." Dennoch vermissen die angehenden Ärztinnen mitunter ein wenig das quirlig-pralle Campus-Leben, das herkömmliche Groß-Unis zu bieten haben.

Doch wichtig ist nun einmal das Lernen. Wenn es etwa darum geht, im Anatomie-Unterricht
Leichen in Augenschein zu nehmen, „können wir alles genau betrachten", freut sich Marina Martínez. Das liegt daran, dass in Son Espases rund um jeden der vier Seziertische lediglich fünf Studenten platziert werden.

Das Fach Anatomie gefällt den jungen Frauen denn auch am besten. Außerdem „bringt es dich am ehesten in Kontakt mit dem, was du später machst", sagt Victoria Ros. Wobei die Studentinnen auch dem Fach Medizingeschichte viel abgewinnen können, was allerdings weniger an den Inhalten als an den pädagogischen Qualitäten der Dozenten Jordi Forteza-Rey und Antoni Payeras liegt. Für Naserümpfen sorgt hingegen Physik. „Wir haben keine
Vorkenntnisse, weil es in der Schule kein Pflichtfach war und weil es viele von uns abgewählt hatten."

Das Studium in der Medizin-Fakultät auf Mallorca ist auf sechs Jahre angelegt. Und es ist mehrsprachig. Im ersten Studienjahr, das samt Prüfungen noch bis Mitte Juni dauert, werden drei Fächer –Biochemie und Molekularbiologie I, Medizingeschichte und Statistik – auf Katalanisch angeboten. Die Unterrichtssprache der restlichen acht (Anatomie, Zellbiologie, Histologie, Physik, Physiologie, Klinik-Management, Informatik und Molekular-Biologie II) ist Spanisch.

Hinzu kommt seit dem zweiten ­Semester Fach-Englisch für die zukünftigen Ärzte. Drei bis vier Stunden täglich lernen die Studenten zu Hause. Das erste Studienjahr schlägt – Praxiseinsätze inbegriffen – laut der Universitätsverwaltung mit Studiengebühren von durchaus erschwinglichen 1.435,52 Euro zu Buche.

Mit den Sprachen ist das in der Medizin-Fakultät auf Mallorca so eine Sache. Die jungen Leute, die erst kurz vor Studienbeginn vom nicht katalanischsprachigen spanischen Festland auf die Insel gewechselt waren, haben mitunter
arge Verständigungsschwierigkeiten. Doch einige Dozenten der auf Katalanisch gelehrten Fächer zeigten Verständnis und wechselten zuweilen ins Spanische, sagen Victoria und Marina. „Der Einzige, der das nicht tut, ist Statistik-Lehrer Francesc Rosselló."

Neben diesem störrischen Dozenten treibt noch etwas anderes den vier jungen Frauen Sorgenfalten auf die Stirn. Sämtliche Studenten müssen für den Parkbereich von Son Espases derzeit noch die vollen 55 Euro Gebühren pro Monat entrichten. Den Dozenten und Verwaltungsangestellten der Universität, die in dem Krankenhaus Dienst tun, werden diese Kosten dagegen erstattet. „Ich parke mein Auto lieber auf einem in einiger Entfernung liegenden Gelände namens Secar de La Real", sagt Ada Juárez.

Auf welche Disziplin sie sich nach dem Studium spezialisieren wollen, wissen drei der vier Studentinnen noch nicht so genau. Lediglich Victoria Ros hat sich jetzt schon festgelegt: Sie will auf jeden Fall als Frauenärztin arbeiten.

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