Ballermann auf dem Meer: Ausflug mit dem Partyboot vor Mallorca

Die MZ an Bord der "Barca Samba". Fast wären wir ganz alleine gewesen

14.07.2017 | 11:01
So geht es auf der Barca Samba ab.

Gar nicht so einfach, an Bord eines Partybootes zu kommen. Zumindest dann nicht, wenn Kapitän Ignacio Bestard sein Geld nicht erhalten hat. Bares wurde vereinbart. „Wenn du nicht zahlst, lasse ich deine Leute nicht an Bord", sagt er zu einem jungen Mann in Flipflops, kurzer Hose und Tanktop, der als Veranstalter gut 70 Gäste mitgebracht hat. Sie warten am Donnerstag (22.6.) seit einer halben Stunde im Hafen von Palma an der Mole gegenüber vom Auditorium drauf, dass die versprochene Feierfahrt endlich losgeht. Mit einem Bus wurden die Urlauber nach Palma kutschiert, angelockt von sogenannten tiqueteros, die an der Playa Flyer verteilen. Die Branche hat nicht gerade den besten Ruf.

Vor zwei Jahren wurde eine Mail publik, in welcher tiqueteros von einem Veranstalter dazu angehalten wurden, männliche Kunden mit Sexversprechen an Bord zu locken. Bei den vierstündigen Touren würden die Frauen schließlich nicht entkommen können. Neben der sexistischen Schiene versprechen die Verkäufer den Touristen oft das Blaue vom mallorquinischen Himmel. Wie geht es wirklich zu auf einem Partyboot? Die MZ hat sich ein Tickt gekauft.

Die gibt es nicht nur am Strand, sondern auch im Internet. 55 Euro kostet eines, 5 Euro würde der Transport von der Playa nach Palma kosten. Für den Preis soll es Essen, kostenlosen Alkohol und einen Badestopp an der Cala Blava geben. Während der Veranstalter auf gebrochenem Spanisch mit seinem Vorgesetzten telefoniert, darf der MZ-Redakteur schon an Bord der „Barca Samba". Unser Geld ist offensichtlich angekommen. Am Einlass gibt es einen rosa Plastikbecher. „Ohne Becher, kein Getränk", warnt Barkeeper Zuzen gleich zu Beginn. Ersatz würde es keinen geben.

Das Holzschiff erstreckt sich über zwei Decks. Oben gibt es überdachte Sitzreihen, unten die Bar und eine Fläche zum Tanzen. „Am Wochenende ist die Party besser", sagt Skipper Bestard. „Dann mischen sich die Nationalitäten und es kommen um die 100 Leute." Der Veranstalter ist wieder da, das Telefon wird weitergereicht. Nach dem Gespräch gibt sich Kapitän Bestard einsichtig. „Die Gäste haben schließlich bezahlt", sagt er und lässt sie an Bord. Wir legen ab.

An der Bar gibt es Sangria und Bier kostenlos. Cocktails kosten 6 Euro, Kurze ab 3 Euro. Der Sangria schmeckt etwas wässrig. „Wir mischen den Sangria absichtlich schwach, damit die Leute nicht so schnell betrunken sind", sagt Zuzen. Die Karaffe füllt er zu einem Viertel mit ­Zitronenlimonade und der Rest ist Rotwein aus dem Hahn. Laut der Online-Beschreibung spricht man auf der „Barca Samba" deutsch. Doch der Barkeeper hat bereits bei Bestellungen wie Wodka-O (Wodka mit Orangensaft) Probleme. Eigentlich spreche er kein deutsch, verrät er uns auf Spanisch. Wir bieten uns als Übersetzer an.

Aus den Lautsprechern dröhnt ein Mix aus Ballermann-Musik und Reggaeton. Partystimmung kommt anfangs keine auf. Die Passagiere verteilen sich in kleinen Grüppchen. Es schaukelt ganz schön. Am Bug steht ein junger Mann, der eine Kotztüte hält. „Ich hab vergessen, dass ich das nicht abkann", sagt er und lässt die Tüte glücklicherweise leer.

Wegen der Verspätung wirft Kapitän Bestard bereits kurz nach Can Pastilla den Anker. Von einem kleinen Steg am Heck springen die Ersten ins Wasser. „Bei uns dürft ihr auch von oben springen", sagt der Veranstalter. „Springt aber niemandem auf den Kopf", besinnt er sich noch. Zu größerem Unfällen sei es noch nicht gekommen, so Zuzen. Der 36-jährige Mallorquiner arbeitet seit einem Monat auf der „Barca Samba". Hin und wieder würde sich jemand beim Tauchen an den Felsen schneiden.

Vor drei Jahren kam es auf einem Partyschiff vor Ibiza zu einem tödlichen Unfall. Ein Pole ist ertrunken. Er wollte einen versunkenen Gegenstand aus dem Meer holen. Falls jemand an Bord der „Barca Samba" etwas verliert, springt Zuzen ins Wasser. „Zehn Meter sind kein Problem für mich", sagt er. Das gehöre zur guten Kundenbetreuung.

Nach dem Mittagessen – Nudeln, Salat und Fleischbällchen – geht es zurück. Zwei Stunden sind wir auf dem Wasser. Bei den Passagieren macht sich Unmut breit. Am Bug sonnt sich Tabea Rauh mit zwei Freundinnen. Es ist der einzige sonnige Platz auf dem Schiff. „Wir wollten eigentlich auf einen Katamaran. Der ist nach oben offen und hat nur ein Deck. Dadurch ist die Party viel besser", sagt die Nürnbergerin. „Der tiquetero hatte uns versprochen, dass jeden Donnerstag der Katamaran fährt." Anderen Passagieren wurde angeblich Klippenspringen versprochen. Wieder andere sollten eine Flasche Wodka gratis zum Geburtstag bekommen. Der Veranstalter kommt, hört sich die Beschwerden der Partygäste an, die ihr Geld zurückfordern, und versucht sie zu beschwichtigen. „Die Klippen sind halt in Cala Brava."

Auf dem unteren Deck entfaltet der Alkohol seine Wirkung. Eine Frau in Badekleidung benutzt einen Holzpfeiler als Pole-Dance-Stange. Es wird getanzt und die Ballermann-Hits mitgegröhlt. Als der DJ durchsagt, dass der Veranstalter für die Verspätung Gutscheine für den Megapark springen lässt, jubeln alle. Beim Anthony-Modeste-Song singen und springen alle Passagiere. Nur den drei Nürnberginnen ist nicht nach Party. „Der tiquetero kann sich auf was gefasst machen", sagen sie.

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