Praxis oder Bordell: Darf´s ein bisschen mehr sein?

Was verbirgt sich wirklich hinter den asiatischen Massage-Salons auf Mallorca?

03.08.2017 | 02:30
Die Salons liegen teilweise dicht bei den Bars am Paseo Marítimo und öffnen „rund um die Uhr?.

Chinesische Gesundheitsmassage, thailändische Fußmassage, koreanische Kopfmassage. Kein Zweifel: Die therapeutische Auswahl der immer häufiger auf Mallorca öffnenden asiatischen Salons ist groß. Dabei scheinen allerdings aufreizend bekleidete Frauen, teilweise erotische Fotos im Eingang und die ungewöhnlichen Öffnungszeiten („rund um die Uhr") zusätzlich die Dienstleistungen eines Bordells zu versprechen. Wie denn nun: therapeutische Praxis oder verstecktes Bordell?

Ein Besuch des Redakteurs in sechs verschiedenen Salons lässt keine Frage offen. Neben den offerierten Massagen gab es in allen besuchten Etablissements zusätzlich die Option, sexuelle Dienstleistungen mit den Masseurinnen zu vereinbaren.„45 Euro für 30 Minuten Massage mit Happy End, anderes ist auch möglich, sprich mit der Masseurin im Raum", erklärt eine Rezeptionistin unmissverständlich.

"Besprechen Sie das mit dem Mädchen"

Andere antworten verdeckter auf die Nachfrage des Redakteurs, ob man neben den Massagen auch „etwas mehr" bekommen könne: „So etwas fragt man nicht, gehen Sie rein und besprechen es mit dem Mädchen", hieß es einem Fall. In einem anderen Etablissement führte die Rezeptionistin den nachfragenden Redakteur direkt in eines der Behandlungszimmer – sauber, mit großem Bett und roter Lampe – „Besprich das mit der Masseurin!", es gebe drei zur Auswahl. Bei einer Visite im Massage-Club nebenan distanzierte man sich von anderen Anbietern: „Bei uns kein Sex. Nur Massage mit Happy End."

In allen besuchten Salons wiederholte sich ein ähnliches Schema: An der Rezeption wurden „Entspannungsmassagen" zu moderaten Preisen angeboten, während ein mehr oder weniger dezenter Hinweis die Option offenließ, weitere Dienstleistungen direkt im Massageraum zu verhandeln: „Eine halbe Stunde Massage sind 20 Euro. Extras kosten mehr!"


"Offensichtlich nicht vom Fach"

Die Nationalpolizei weiß zwar durchaus von diesen „Extras" in der Grauzone, kann aber nur schlecht dagegen vorgehen: „Aufgrund von Hinweisen haben wir einen der Salons überprüft. Alle Mitarbeiterinnen hatten Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitsverträge. Wir konnten keine Straftat feststellen", heißt es bei der Polizei. Freiwillige Pros­titution, bei der kein Menschenhandel impliziert ist, sei in Spanien schließlich nicht verboten.

Ausgebildete Masseure und Physiotherapeuten haben für das laxe Vorgehen hingegen überhaupt kein Verständnis. Während echte Massage-Praxen strenge Auflagen erfüllen müssten, ließe man hier gefährliche Nachsicht walten. „Wir warnen davor, dass Masseure, die keine Ahnung vom Fach haben, Embolien auslösen oder Pilzkrankheiten übertragen können." Und diese Frauen seien „offensichtlich nicht vom Fach", warnt Tomás Alías vom Regionalverband der Physiotherapeuten.

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