Als Ballerina auf Mallorca hat man es nicht leicht

Caroline Henke Riera ist die mallorquinische Nachwuchshoffnung im Ballett. Gerade hat die 16-Jährige mit den Stars der Szene getanzt. Aber der Weg ist noch lang

19.09.2017 | 02:30
Talent: Caroline Henke Riera.

Ihr größter Traum wäre, später einmal im Royal Ballet in London zu tanzen, sagt Caroline Henke Riera. Die 16-Jährige aus Capdepera ist eine große Nachwuchshoffnung im mallorquinischen Ballett. Am vergangenen Wochenende hat sie im Rahmen des Sommercamps „IB Stage" im Teatre Grec in Barcelona das Ballettstück „Dornröschen" in der Choreografie von ­Marius ­Pepita getanzt. Und zwar mit den Stars der internationalen Ballettszene. Unter anderem Tiler Peck und Gonzalo Garcia vom New York City Ballet, Rebecca Croan vom Bolshoi Ballet und Alexandre Bozinoff vom Royal Danish Ballet. „Besonders ­Tiler Peck kennenzulernen, war ein ­großes Privileg", sagt Henke. „Sie ist eines meiner Vorbilder."

Vorangegangen waren drei harte Wochen. „Wir haben täglich von 10 bis 19.30 Uhr trainiert", sagt Caroline Henke, die im Alter von vier Jahren in Capdepera mit dem Ballett angefangen hatte. Insgesamt 120 Nachwuchstänzer aus aller Welt hatten an dem Kurs teilgenommen. Sie waren aus mehreren Tausend Bewerbern ausgesucht worden. Den Unterricht leiteten, mit einem Wechsel alle drei Tage, ebenfalls große Namen des Balletts, etwa Lauren Cuthbertson und David Donelly vom Royal Ballet, aber auch die ehemalige Ballerina des San ­Francisco Ballet, Clara Blanco, und der Trainer des Natio­nale Opera & Ballet, Guillaume Graffin.


Täglich von Capdepera nach Palma de Mallorca

Henkes Vater ist Deutscher, die Mutter halb Deutsche, halb Spanierin. „Meine Eltern haben mich zum Ballett geschickt, weil ich ohnehin als Kind die ganze Zeit rumgetanzt bin." Sie hat Familie in Bremen und Augsburg, spricht auch die Sprache ihrer Eltern. Nachdem sie die ersten Jahre in Capdepera und Manacor tanzen lernte, ging sie 2013 zur Tanzschule von Francisca Tomás nach Palma. „Damals habe ich mich entschieden, dass ich es wirklich mit dem Tanzen probieren will", so Henke. In der ersten Zeit pendelte sie zwischen Capdepera und Palma, aber die täglich zwei bis drei Stunden Training plus Schule machten dieses Leben zu stressig. Mittlerweile wohnt sie in Palma bei einer Gastfamilie.

Caroline Henke sei für ihr Alter unheimlich reif, befindet ihre Lehrerin Francisca Tomás. „Man merkt ihr die Leidenschaft für den Tanz an. Sie nimmt das Training sehr ernst." Auch körperlich habe sich die Tänzerin sehr gut entwickelt. „Sie ist mit 1,68 m recht groß, ist aber sehr grazil und hat schöne lange Arme", so Tomás.
Henke sagt, der Kurs in Barce­lona habe sie noch mal darin ­bestätigt, dass Ballett das Richtige für sie sei. „Es war großartig, diese ganzen Leute kennenzulernen. Und ich habe unglaublich viel ­dazugelernt."


Nicht angesichts der Konkurrenz einknicken

Für die Lehrerin Tomás ist es wichtig, dass ihre Schüler an Veranstaltungen wie dem „IB Stage" teilnehmen. „Man muss über den eigenen Tellerrand schauen und sehen, was außerhalb der Insel passiert." Dass Henke ein positives Resümee aus diesen Wochen zieht, zeige, dass sie auf dem richtigen Weg sei. „Sie müssen sich vorstellen, da kommen Leute aus allen Teilen der Welt. Die haben richtig Niveau. Manch einer würde angesichts der Konkurrenz einknicken. Aber Caroline kommt da gestärkt raus." Dass es dennoch schwierig sei, eine Karriere als Balletttänzerin zu machen, ist dem Nachwuchstalent aber sehr bewusst. „Gerade hier auf Mallorca gibt es keine guten Voraussetzungen. Es gibt keine Kompagnie, der man sich anschließen könnte."


Mindestens aufs Festland

Auch Vorstellungen gebe es nur vereinzelt. Henke schaut sich die großen Ballettdarbietungen deshalb im Internet an. Langfristig gebe es nur eine Lösung, wenn es wirklich mit der Karriere als ­Ballerina klappen soll: „Ich muss aus Mallorca weg, mindestens aufs Festland."

Ein Jahr lang muss sie noch zur Schule gehen. Eine Möglichkeit wäre es, Tanz zu studieren. Bio­logie sei aber auch ein Fach, was sie reize. „Um Caroline ­mache ich mir in der Hinsicht keine Sorgen", sagt Tomás. „Sie hat sehr gute ­Noten. Für mich ist es wichtig, dass meine Schüler auch für ein Leben abseits des Balletts vor­bereitet sind. Egal wie viel Talent man hat, eine Verletzung oder ein Unfall können alle Pläne zunichte machen." Henke sei ein ­intelligentes Mädchen. „Und sie hat auf ­jeden Fall das Zeug, es im Ballett zu schaffen."

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen
Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |