ZDF-Dreh: Herzschmerz in der Tramuntana

Die Dreharbeiten für den Film "Ein Sommer auf Mallorca" haben begonnen. Ein Setbesuch

30.10.2017 | 12:37
Szene mit Gregory Waldis und Katharina Müller-Elmau an und in einer Hausruine bei Banyalbufar.
Die Dreharbeiten für den ZDF-Film "Ein Sommer auf Mallorca" haben begonnen

Klappe, die erste: Mit nachdenklichem Blick schreitet Frauke einen Abhang hinunter zu einem verfallenen, einsam in der Serra de Tramuntana stehenden Haus. Ihr folgt Javier, ein Spanier. Er ist ein Bekannter, der sich in die unlängst von ihrem Mann geschiedene Deutsche verguckt hat. Das Haus auf Mallorca hatte das ehemalige Ehepaar einst kaufen wollen. Die beiden haben einen melancholischen Dialog. Nach zweieinhalb Minuten ruft Regisseur Florian Gärtner: „Alles klar". Die Schauspieler stapfen den Abhang wieder hinauf und die Szene wiederholt sich. Und wiederholt sich. Wir sind beim Dreh des ZDF-Herzschmerz-Films „Ein Sommer auf Mallorca".

Frauke wird von Katharina Müller-Elmau gespielt, Javier von dem Schweizer Gregory Waldis, der wochenlang mit einem Coach den spanischen Akzent eingeübt hat. Regisseur Florian Gärtner (u.a. „Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden") leitet ein aus Deutschen und Ortskräften bestehendes gut 30-köpfiges Team. Am heutigen Dienstag (17.10.) wird bei Banyalbufar mehr als zwei Stunden lang die aus mehreren Einstellungen bestehende zweieinhalbminütige Szene gedreht. Der Film soll im Frühjahr ausgestrahlt werden.

Es ist nach dem „Weg über das Tramuntana-Gebirge" (ARD) der zweite TV-Film, den die Münchner Produktionsfirma Krampe innerhalb weniger Wochen auf der Insel produziert. Die Filmleute bleiben einen Monat hier, Hauptdarsteller Christoph M. Ohrt, der den Ex-Mann von Frauke spielt, soll in den nächsten Tagen dazustoßen. Weitere Drehorte sind unter anderem Portitxol und der Edelhafen Port Adriano.

Regisseur Gärtner ist froh da­rüber, mit solch namhaften Schauspielern arbeiten zu können. „Wir erstellen hier einen Querschnitt des Schickimicki-Lebens auf Mallorca", sagt er zwischendurch. Und: „Die Ruine, in der wir heute drehen, steht symbolisch für Fraukes Leben." Damit das gut rüberkommt, hängt er sich mächtig rein. Er sagt immerzu – wie man das halt kennt – „action, los" und lobt während der Arbeiten sein Team.

„Ich habe die Ruine da oben vorher noch nie gesehen", sagt Katharina Müller-Elmau in der anschließenden Mittagspause auf einem nahe gelegenen Parkplatz. Sie sitzt an einem Tisch auf einem Stuhl, putzt sich nebenbei – so ist das Schauspielerleben – die Zähne und lacht. „Doch du kannst dich dort trotzdem in die Gefühle deiner Figur hineinversetzen, wenn du diese mit anderen Orten aus deinem Leben in Verbindung bringst, indem du innere Bilder baust", so die 52-Jährige. „Dadurch entsteht die Magie des Geschichtenerzählens."

Die aus einer Schauspielerfamilie stammende Darstellerin mit jahrzehntelanger Berufserfahrung vor allem im Fernsehen („Wilsberg", SOKO Köln", „Die Rosenheim-Cops") bereitete sich schon Wochen vor dem Dreh auf die „Reise" ihrer Figur, wie sie es ausdrückt, vor – „wie ein Profiler bei der Polizei". Ansonsten könne sie halt nicht überzeugend wirken, so die Darstellerin, die sich in früheren Jahren zeitweise auch als Schlagzeugerin betätigt hat. „Gestern Abend bin ich noch mal die Rolle durchgegangen, und heute war ich auf den Punkt konzentriert." Auf die Szene in der Gebäuderuine bezogen, definiert die Schauspielerin, die erstmals auf Mallorca dreht, die Gefühlslage ihrer Figur Frauke folgendermaßen: „Ich blicke zurück und frage mich, was jetzt für die nächsten 20 Jahre beginnt."

Gregory Waldis richtete sich ähnlich wie seine Kollegin auf den Ruinen-Dreh ein. „Das, was man spielt, muss immer eine Entsprechung im eigenen Leben haben", sagt der 49-jährige Schauspieler, der anders als seine Kollegin schon einmal auf der Insel gewesen war, wenn auch bereits vor vielen Jahren. „Ich schöpfe aus den eigenen Gefühlen." Für Waldis, der durch die ARD-Telenovela „Sturm der Liebe" bekannt wurde, ist „jede Figur, auch wenn sie nur am Rande vorkommt, für sich eine Hauptrolle". Er setzt sich immer neu „mit den Werten" der Person, die er spielt, auseinander.

Wobei beide Darsteller anders als jetzt fürs ZDF eigentlich lieber böse Figuren spielen. „Es ist anspruchsvoller, sich in jemanden hineinzuversetzen, der schießen wird", sagt Katharina Müller-Elmau. „Die Bösen sind halt vielschichtiger." Dann ist die Pause auch schon vorbei, die mobile Kantine wird verladen. Und Katharina Müller-Elmau stapft den Abhang wieder hinauf.

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