Bescherung ohne Erniedrigung auf Mallorca

"Jedes Kind hat ein Recht auf Geschenke", finden die Freiwillige des Vereins "Somnis Reciclats" – und suchen wieder Paten für Wunschzettel an die Heiligen Drei Könige

03.12.2017 | 19:28
„Liebe Drei Könige ..." Die Wunsch­zettel gestalten die Kinder zusammen mit Sozialarbeitern. Fehlt nur noch jemand, der die Wünsche erfüllt

Joan Bernat Puigserver ist ein gestandener Mann, ein Kleinunternehmer, der sich auf seiner Heimatinsel Mallorca etabliert hat. Doch wenn er an seine Kindheit zurückdenkt, dann blitzen seine Augen. „Für mich hatte der Heilige-Drei-Königs-Tag immer etwas Magisches", sagt er und beschreibt, wie er als kleiner Junge die Päckchen auspackte, die die Reyes Magos nach spanischer Tradition in der Nacht vom
5. auf den 6. Januar bringen.

Es sind wohl diese Erinnerungen, die Puigserver zum Nachdenken brachten, als er vor fünf Jahren mitbekam, dass zahlreiche Familien auf Mallorca es sich nicht leisten können, ihren Kindern Geschenke zum Dreikönigstag zu machen. Ein Jahr lang existierte damals bereits der Verein Somnis Reciclats (Recycelte Träume), den Puigserver mit anderen Freiwilligen ins Leben rief. „Im ersten Jahr hatten wir nur den Laden", erzählt er. Gemeint ist ein Geschäft in Palmas Carrer Font i Monteros, 4. Hier sind die Regale voll von Spielzeug, Büchern, Kleidung und Haushaltsutensilien – alles Secondhand, alles Spenden von Menschen, die Ausrangiertes nicht einfach wegwerfen wollen. Für kleines Geld kann hier jeder stöbern und fündig werden, mit dem Erlös kauft der Verein Dinge, die die Sozialdienste der Gemeinden ihm auftragen. „Sie sagen uns zum Beispiel, dass eine bedürftige Familie einen Kinderwagen braucht, und wir kaufen ihn", sagt Puigserver.

Je enger der Kontakt zu den Sozialdiensten, desto bewusster wurde Pugiserver und den anderen Freiwilligen, dass gerade für außerordentliche Anlässe wie dem Dreikönigstag bei vielen Familien schlicht kein Geld da ist, um den Kindern eine Freude zu bereiten.

„Ich finde, jedes Kind hat ein Recht auf Geschenke, vor allem zu 'Reyes'", sagt Puigserver. Und so riefen seine Mitstreiter und er die Aktion „El Reis de l'Il·lusió" (Die Könige der Illusion) ins Leben. Das Prinzip ist simpel: Mitarbeiter der Sozialdienste setzen sich mit Kindern bedürftiger Familien zusammen und schreiben einen Wunschzettel mit Wünschen im Wert von etwa 25 Euro. Teddybären, Playmobil-Feuerwehrautos oder DVDs – die Kleinen bestimmen. Die Liste (zusammen mit dem Vornamen, dem Alter und der Schuhgröße des Kindes) geben die Behörden an die Vereinigung weiter. „Und wir versuchen, Menschen zu finden, die den Kindern diese Wünsche erfüllen können", so Puigserver.

Was einfach klingt, ist ein logistischer Kraftakt – immerhin kamen im vergangenen Jahr knapp 1.000 Wunschzettel zusammen, „und dieses Jahr dürften es noch mehr werden". Auf zahlreichen Veranstaltungen (siehe unten) bringen die Freiwilligen Kopien der Wunschzettel unter die Leute und sammeln Geld, um gegebenenfalls selbst für die Wünsche aufzukommen – denn nicht immer halten die Wunschzettel-Paten Wort. „Unser Ziel ist, dass letztlich jedes Kind das bekommt, was es sich wünscht", so Puigserver. Bis zum 24. Dezember können die Spender die Geschenke abgeben, dann werden diese von Freiwilligen verpackt und an die Sozialdienste gegeben, zusammen mit einem Paar Schuhe in passender Größe. „Die Sozialarbeiter geben die Pakete dann an die Eltern. Diese können sie ihren Kindern dann zum Königstag so schenken, wie es bei anderen Familien auch üblich ist."

Von öffentlichem Geschenke­verteilen habe man nicht grundlos Abstand genommen: Die Kinder sollen nicht merken, dass ihre Eltern die regalos nicht selbst kaufen konnten, sie sollen den Eindruck haben, genauso beschenkt zu werden, wie alle anderen Kinder auch. „Das Erste, was die Lehrer in den Grundschulen nach den Winterferien fragen, ist oft, was die Schüler zu 'Reyes' bekommen haben. Es ist traurig, wenn Einzelne da nicht mitreden können", findet Puigserver.

Er selbst hat keine Kinder, freut sich aber fast genauso wie seine Neffen auf das Fest. „Ich äußere nie konkrete Wünsche, sondern lasse mich überraschen", verrät er und grinst wie ein Schuljunge. „Dann bleibt auch als Erwachsener ein Rest Magie."

Wer Wunschzettel-Pate werden möchte, kann mit Somnis Reciclars auf Facebook Kontakt aufnehmen: www.facebook.com/SomnisReciclats.

Zudem sind folgende Veranstaltungen geplant:
2.12.: Bierverköstigung, Can Dulce, Sóller,
10.12.: Weihnachtsmarkt, Campanet,
15.12.:Bunyols-Verkauf, Dorfplatz Binissalem.
Jeden Samstag im Dezember hat Somnis Reciclats auch einen Stand auf dem Marktplatz in Sóller.

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