Die Stimme von "Yes Sir, I can boogie" lebt auf Mallorca

Seit 40 Jahren trällern Baccara schon ihren Megahit und touren damit quer durch Europa. Eine Deutsche ehrte das Duo jetzt in Palma für dieses Durchhaltevermögen

17.12.2017 | 19:43
Simone Jancke (Mi.) mit ihren Idolen Mayte Mateos (li.) und Paloma Blanco und den Preisen.

Der Song hat ein gewaltiges Ohrwurmpotenzial, man wird ihn so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Die Rede ist von „Yes Sir, I Can Boogie", der Discohymne aus den späten 70er-Jahren. Er gehört zu den zehn meistverkauften Singles der Musikgeschichte und ist der berühmteste Song von Baccara. Das Duo bestand aus den beiden Spanierinnen Mayte Mateos und María Mendiola. Mateos, heute 66, lebt inzwischen in Palma de Mallorca und hält mit ihrer neuen Duo-Partnerin Paloma Blanco Baccara am Leben. Auch nach 40 Jahren tritt Mateos noch mit dem Song auf. Vor allem in Skandinavien, Russland und Georgien. Am Dienstag (12.12.) fanden die beiden zwischen zwei Auftritten Zeit für ein Treffen mit Simone ­Jancke vom offiziellen Deutschland-Fanclub. Jancke hatte zwei Pokale mitgebracht, um ihre Idole zu ehren – Mayte ­Mateos für 40 Jahre Baccara, und Paloma Blanco dafür, dass sie nun schon seit zwölf Jahren mit Mateos gemeinsam tourt. Die MZ sprach nach der Ehrung mit dem Duo.

Frau Mateos, wie oft haben Sie heute schon „Yes Sir, I Can Boogie" gesungen?
Noch gar nicht. Ich singe nie zu Hause. Paloma trällert den ganzen Tag, sie singt schließlich schon ihr ganzes Leben. Ich bin ja Tanzlehrerin und habe keine Gesangsausbildung.

Simone Jancke wirft ein: „Vor Auftritten von Baccara weiß man immer genau, wo die Umkleidekabine ist. Man muss nur dem Gesang von Paloma nachgehen."

Sie haben einmal gesagt, Sie würden gern so singen können wie ABBA. Sind Sie unzufrieden mit Ihrer Stimme, Frau Mateos?
Ich habe keine so große Stimme wie ABBA. Aber ich mache mir nichts draus, meine Stimme ist vielleicht genau richtig, um kommerziell Erfolg zu haben. Und den hatten und haben wir ja ohne Zweifel.

Können Sie Ihren Erfolgshit eigentlich selbst noch hören?
Es wäre ziemlich vermessen, etwas sattzuhaben, was uns zu so großem Ruhm verholfen hat. Wir können auch heute noch keinen Auftritt ohne diesen Song bestreiten, die Leute wollen ihn immer wieder hören.
Paloma Blanco ergänzt: Ich kann es manchmal kaum glauben, wie Mayte das fertigbringt, seit 40 Jahren ein- und dasselbe Lied zu singen.

Woran denken Sie, wenn Sie Ihre Anfänge vor dem geistigen Auge noch einmal durchgehen?
Vor allem an Deutschland. Alles begann in Deutschland. Der Name Baccara wird immer untrennbar mit diesem Land verbunden sein. Dort haben uns die Leute so grandios behandelt, während uns in Spanien kein Mensch kannte.

Die Formation Baccara, die nach der gleichnamigen Rose mit besonders langem Stiel benannt ist, wurde 1977 geboren. Mayte Mateos und María Mendiola hatten sich ein paar Jahre zuvor auf einer Tanzschule in Madrid kennengelernt. Beide wurden ausgewählt, im spanischen Fernsehballett aufzutreten. María Mendiola schlug 1976 Mayte Mateos vor, das Ballett zu verlassen und eine Karriere auf eigene Faust zu starten. Die beiden gründeten das Duo „Venus". Gemeinsam traten sie in Flamenco-Montur in Hotels auf und wurden auf Fuerteventura von Leon Deane entdeckt, der in Deutschland für das Label RCA, heute BMG Ariola, arbeitete. Er nahm die beiden jungen Frauen kurzerhand mit nach Hamburg, wo Produzent Rolf Soja bereits mit einem fertigen Lied wartete. Bisher hatte er bloß noch nicht die richtige Besetzung dafür gefunden. Von den beiden Spanierinnen war er auf Anhieb begeistert. Nach acht Wochen stand „Yes Sir, I Can Boogie" in Deutschland auf Platz eins der Charts.

Wie war die erste Zeit in der Hansestadt Hamburg?
Vor allem abenteuerlich. Deutsch konnten wir ja überhaupt nicht. María sprach zwar ein bisschen Englisch, aber ich konnte quasi nichts. Ich fühlte mich wie in einem Stummfilm. Zwar sah ich die Bilder, verstand aber nichts. Ich habe mir dann vier Kassetten mit Englischunterricht gekauft und Vokabeln gepaukt wie blöde.

Obwohl man ja sagt, der Erfolg rühre gerade von dem etwas unbedarften Englisch in dem Lied.
Ja, das war sicher ein Schlüssel zum Erfolg. Die Leute mochten unseren Akzent. Bei RCA sagte man uns auch, wir sollten bloß aufhören, richtig Englisch lernen zu wollen.

Nord- und Mitteleuropa lagen Ihnen bereits zu Füßen, während man in Ihrem Heimatland den Song noch nicht mal kannte.
Wir waren längst in halb Europa auf Platz eins und haben immer wieder mal beim Label nachgefragt, ob sich schon jemand aus Spanien gemeldet habe. Und immer hieß es nein. Dann, sechs Monate, nachdem wir „Yes Sir, I Can Boogie" heraus­gebracht hatten, war die Single auch endlich in Spanien erhältlich.

Warum dauerte das so lange?
Es lag vor allem daran, dass wir auf Englisch gesungen haben. Das war für die damalige Zeit in Spanien zu fortschrittlich. Die Spanier empfanden es als befremdlich, dass wir einer anderen Sprache sangen.

Trotz des Erfolges war bereits 1982 Schluss mit der Zusammenarbeit von Mayte Mateos und María Mendiola. Mendiola beklagte sich, dass ihr Gesangspart auf der neuen Single „Sleepy Time Toy" nur marginal sei und strengte einen Gerichtsprozess gegen die Plattenfirma an. Sie gewann die gerichtliche Auseinandersetzung, das Album musste aus dem Verkauf genommen werden. Seitdem sprechen die beiden früheren Freundinnen kein Wort mehr miteinander.

Frau Mateos, haben Sie nie ans Aufhören gedacht?
Doch, ich hatte 2004 tatsächlich beschlossen, es endgültig sein zu lassen, nachdem ich monatelang auf der Suche nach einer neuen Duo-Partnerin gewesen war. Dann kam ein befreundeter Radiojournalist auf mich zu. Er sagte: Ich habe die Baccara deiner Träume. Er stellte mich Paloma Blanco vor, und seit zwölf Jahren sind wir nun als Duo unterwegs.
Paloma Blanco: Ich war zu der Zeit noch solo auf Tournee und musste mir das reiflich überlegen. Aber ich kannte Baccara natürlich und konnte mich mit der Musik identifizieren. Trotzdem weiß man ja nie, ob es auch menschlich passt. Aber es passte.

Gibt es irgendwann eine Versöhnung mit Ihrer früheren Partnerin María Mendiola?
Nein, das plane ich nicht. Für mich ist dieses Kapitel abgeschlossen, ich habe keine Erinnerungen mehr an unsere gemeinsame Zeit. Ich wurde zigfach darum gebeten, dass wir uns noch einmal zusammentun und gemeinsam singen. Aber daraus wird nichts.

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