Helfen auf Mallorca will organisiert sein

Die Fundació Monte-Sion hilft jede Woche gut 1.000 sozialschwachen Menschen in Palma. Ohne Chef, ohne Gehalt, ohne Verwaltungs­angestellte. Ein logistischer Kraftakt, und wie er gelingt

28.12.2017 | 14:17
Joan Vidal und Georgina Rabassa sind nur zwei von vielen Ehrenamtlern, die die Hilfen anschieben.

Es ist laut und voll in den Räumlichkeiten, die die Fundació Monte-Sion Solidària in der Calle Lluís Marti in Palma de Mallorca angemietet hat. Dutzende Ehrenamtler wuseln durcheinander, Lebensmittel, Spielzeuge und Kleidung stapeln sich bis zu den Decken der Lagerräume. Sie liegen bereit für die Bedürftigen, die jeden Donnerstag zu Hunderten hier erscheinen und fast jeden der 860 Quadratmeter bevölkern. „Es wirkt manchmal ganz schön chaotisch, aber wir haben alles im Griff", sagt Joan Vidal und fügt grinsend hinzu: „Na ja, zumindest meistens."

Vidal ist bei der gemeinnützigen Stiftung für die Logistik zuständig. „Ja, es braucht Logistik, um zu helfen", sagt er. Vor allem, wenn man an so vielen verschiedenen Ecken und Enden helfen möchte wie die Fundació Monte-Sion Solidària. Es begann im Jahr 2008 mit der Essensausgabe für Sozialschwache. Damals fand sich eine Handvoll Ehemaliger der Jesuitenschule Colegio Montesion zusammen, um Gutes zu tun. Mittlerweile sind knapp 120 Ehrenamtler für die Stiftung tätig, mehr als die Hälfte von ihnen ist regelmäßig jeden Donnerstag vor Ort und hilft wöchentlich etwa 1.000 Menschen.

„Leicht ist es nicht, alles am Laufen zu halten", sagt Vidal und lässt seinen Blick über die emsigen Mitarbeiter schweifen. „Vor allem, weil wir keine Firma sind und praktisch keine Hierarchie herrscht", fügt er hinzu. „Niemand hier bekommt auch nur einen Cent für seine Arbeit, jeder von uns ist Ehrenamtler. Deshalb kann man die Menschen nicht zwingen, etwas zu tun." Das erschwere die Planung. Doch anstatt an der Herausforderung zu zerbrechen, wuchs die Stiftung immer weiter an.

„Wir haben heute zahlreiche Abteilungen und jede davon hat einen Leiter, der natürlich auch ehrenamtlich arbeitet", erklärt Georgina Rabassa, die mit Vidal durch die Räume geht. Sie führt die Erstgespräche mit neuen Ehrenamtlern. „Wir sind froh über jeden, der mitmachen will. Aber er sollte sich schon verbindlich bereit erklären, donnerstags hier zu sein", berichtet sie. Ein älterer Herr, der mit schnellen Bewegungen Backwaren auf ein Papptablett packt, zuckt die Schultern. „Ich bin Rentner, ich habe Zeit. Ich freue mich, hierhin zu kommen und nützlich zu sein."

„Achtung", ruft ein Mann mit Bart und schiebt einen Einkaufswagen voller Kakaopulver-Dosen an Vidal und Rabassa vorbei. Insgesamt 200 Lebensmittel-Paletten lagern in der Halle. „Wir holen sie drei Mal jährlich aus einem Sammelplatz in Llucmajor, der von der europäischen Essensausgabe gefüllt wird", so Vidal. H-Milch, Kakao, Öl, ­Tomatensauce, Kekse, Reis, Thunfisch­dosen, Linsen, Nudeln und Obst und Gemüse in Konserven­dosen gibt es dort. Vidal: „Um das zu transportieren, haben wir uns ­Lieferwagen zugelegt."

Ordnung ist auch bei der Verteilung der Lebensmittel geboten: Mit jedem Hilfesuchenden klären die Ehrenamtler in einem Erstgespräch, was er benötigt, und händigen entsprechende Lebensmittelkarten aus. Auch Anspruch auf Kleidung können die Bedürftigen hier erheben. Vor allem Frauen mit Kindern sind in der Textil-Ecke zu finden. „Das hier gefällt mir", sagt eine junge Dunkelhäutige mit Kopftuch und hebt ein Sweatshirt hoch. Eine Ehrenamtlerin notiert auf der Bedarfskarte der Frau die Ware. „Alles muss genau dokumentiert sein, sonst bricht hier ­Chaos aus und wir Verlieren den Überblick", so Rabassa.

In einem der von den Lagerhallen abgetrennten Nebenzimmer ist es wohltuend still. Hier führen Angehörige der Juristenkammer und Studenten der Juristischen Fakultät der Balearen-Universität Einzelgespräche mit Sozialschwachen – ebenfalls ehrenamtlich. Drei junge Nordafrikaner sitzen dort, wollen wissen, wie sie die Número de Identificación Extranjera bekommen können. Keine leichte Angelegenheit ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. „Die Menschen, die hier hinkommen, leben oft in schwierigen Bedingungen", erklärt Joan Vidal. Auch häusliche Gewalt, Drogen und soziale Ausgrenzung spielen oft eine Rolle. Und auch hier versuchen die voluntarios zu helfen: In einem weiteren abgetrennten Zimmer hören sich zwei Psychologinnen die Probleme der Menschen an und geben ihnen praktische Ratschläge und Denkanstöße. „Auch dieses Angebot darf jeder der Bedürftigen annehmen. Aber er muss vorher einen Termin machen", so Vidal.

Um den Menschen eine Grundlage zu bieten, finden auch immer wieder Schulungskurse für die Bedürftigen statt. „Anfangs haben wir Spanischkurse angeboten, sind dann aber umgestiegen auf Hausarbeitskurse", so Vidal. Viele der Bedürftigen seien Spanier oder Südamerikaner, die ohnehin der Sprache mächtig seien. Und die Nordafrikaner seien meist auch oft schon lange hier und könnten sich verständigen. „Deshalb machen wir Vorbereitungskurse für Haushältertätigkeiten und Altenpflege, wenn auch nicht professionelle Ausbildungen." Auch angemessenes Auftreten bei Vorstellungsgesprächen wird hier geübt.

Draußen auf der Straße vor den Lagerräumen wird die Schlange der Wartenden immer länger. Genervt stehen sich die Menschen die Beine in den Bauch. Trotz der guten Organisation – ohne Warten geht es nicht, wenn alle Menschen gleichzeitig die Räume stürmen würden, würde die Logistik zusammenbrechen. Die Mienen hellen sich auf, als einige der Helfer herauskommen und Brote an die Kinder verteilen, die mit ihren Eltern ausharren. Beherzt beißen die Kleinen hinein. „Diese Leistung bieten wir erst seit Kurzem an", berichtet Joan Vidal. Einer der Ehrenamtler habe die Idee dafür gehabt und sie dann auch umgesetzt. „Wenn Leute mit neuen Ideen kommen, sage ich fast immer: Toll – dann mach das." Planung sei gut, doch durch Worte allein bewege sich nichts. Es scheint die Mischung aus guter Organisation und tatkräftigem Anpacken zu sein, die die Logistik der Hilfe ausmacht – und Monte-Sion weiter wachsen lässt: Bald sollen neue, größere Räumlichkeiten bezogen werden. Um noch mehr Menschen zu helfen.

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