Mein kleines Wunder mit Eremit Benet

Der jüngst auf Mallorca verunglückte Mönch von Valldemossa hatte viele Bewunderer. Unsere Autorin hat er in einer unglücklichen Situation auf den richtigen Weg gebracht

23.01.2018 | 19:41
Der Mönch Benet in der kleinen Kirche bei der Ermita de la Trinitat auf Mallorca, aufgenommen 1997.

Es war ein herrlicher Frühlingstag im März 2007, als mein Mann Tonio und ich mit zwei befreundeten Paaren von unserer Finca in Valldemossa auf Mallorca aus zu der zerklüfteten Bucht der Cala de Deià aufbrachen, den Blick auf das Meer bei Son Marroig genossen und schließlich die Autos im Steineichenwald an der Ermita de la Trinitat abstellten. Wir wollten dem Ort einen weiteren Besuch abstatten, an dem Tonio und ich uns 1967 das Jawort gegeben hatten und seit unserer Silberhochzeit alle fünf Jahre eine Gedenkfeier veranstalten. Wir zeigten unseren Freunden die Terrasse mit dem wunderbaren Ausblick über die Küste und das Meer, die kleine Kirche und ihr buntes Fenster, welches der Maler Nils Burwitz 1997 in unserem Auftrag schuf und das wir der kleinen Gemeinde schenken durften.

Wie immer hielt ich Ausschau nach Eremit Benet, der eigentlich Pedro Matamalas Sbert hieß und auf so tragische Weise am 21. Dezember 2017 verunglückte, als er Moos für die Weihnachtskrippe suchte und von den Klippen oberhalb der Ermita stürzte. Eremit Benet strahlte wie kein anderer die Ruhe und den Frieden aus, den diese Einsiedelei ausmacht. Er war immer auch ein oft und gern gesehener Gast in Valldemossa, wo ihm die Dorfbewohner von ihren Sorgen und Nöten berichteten. Auch ich würde mich bald in einer unglücklichen Situation an ihn wenden. Doch davon ahnte ich bei unserem Besuch zu dem Zeitpunkt noch nichts.

Es war schon längst dunkel, eine feine Mondsichel stand am Himmel, als wir wieder zu Hause ankamen. Ich wollte gerade meinen Schmuck ablegen, als ich zu meinem Schrecken entdeckte, dass mein Ehering fehlte. Wo konnte er sein? Ich erinnerte mich, dass mir während des Laufens, ­irgendwann an diesem schönen Tag, die Finger so angeschwollen waren, dass ich den Ring abnahm und ihn auf den kleinen Finger steckte – wohl wissend, dass das gefährlich sein könnte, wenn die Finger abschwellen. Oh je, ich habe meinen Ring verloren!

Wo anfangen zu suchen? Natürlich rückwärts vorgehen. Also mit zwei Taschenlampen entlang des Gartenwegs – ziemlich sinnlos in der Dunkelheit. In der Mülltonne, er könnte ja auch in eine der Tüten gerutscht sein, als ich den Abfall hinausbrachte. Nix, nada. An Schlaf war nicht zu denken, wir fuhren einen Teil unseres Weges zurück bis zum Waldweg zur Ermita und hofften, ein Aufblitzen im Lichte unserer Scheinwerfer würde uns zu meinem Ring führen – vergeblich.

Sehr betroffen ging ich schließlich ins Bett. Tonio hatte nicht einmal geschimpft, aber ich wusste selbst, dass es meine eigene Dummheit gewesen war. Ich ärgerte mich sehr. Schon einmal hatte ich einen Ring vom kleinen Finger verloren: vor drei Jahren ein schmales durchbrochenes Goldband von Mamá, über das ich mich sehr gefreut hatte, als es bei der Aufteilung des Schmucks zwischen den Töchtern und
Schwiegertöchtern durch Los an mich fiel.

Sehr früh am nächsten Morgen fingen wir wieder an zu suchen. Noch einmal der Gartenweg, die Mülltonne. Nichts. Dann fuhren wir zuerst nach Son Marroig, denn dorthin würden bald die ersten Touristen kommen. Ich versuchte, jeden Schritt zu rekonstruieren. Schließlich machten wir uns ein weiteres Mal auf zur Ermita. Ich ging das letzte Stück alleine zu Fuß. Tonio meinte, ich hätte den Ring sicher in Deià verloren und fuhr dorthin, fragte im Restaurant, beim Polizisten ...

Langsam suchend näherte ich mich der Einsiedelei und ­begegnete Eremit Benet, der gerade in ein kleines Auto stieg. Ich erzählte ihm von meinem Unglück, und er zeigte Mitgefühl. Aber: „Den gibt ja heute niemand zurück, wenn er ihn findet", sagte er. Warum sollte jemand einen solch kleinen Ring behalten, der doch nur für mich einen Wert habe, fragte ich ihn. Eremit Benet zuckte mit den Achseln und schloss vor dem Wegfahren das Tor für mich auf. Ich suchte auf dem Hof und der Terrasse, in der Kirche.

Dann setzte ich mich traurig auf eine der Holzbänke und erinnerte mich an den Tag vor vielen Jahren, als wir uns hier die Ringe an die Finger steckten, uns der damalige Pfarrer und Domherr Don Bruno als erstes „konfessions-gemischtes" Paar in einer Kirche traute und Tonios Eltern, mein Vater, seine Frau Eva und seine Schwester Hilde hinter uns saßen. Außer Don Bruno und Eva hatten uns nun alle schon verlassen.

Gesenkten Hauptes verließ ich die Kirche, ging durch das Tor der Einsiedelei hinaus und machte mich auf den Rückweg – wieder mit konzentriertem Blick auf den Wegesrand. Ein Auto kam mir entgegen, ich schaute auf und sah den Eremiten Benet am Steuer. Er lächelte mir freundlich zu, vielleicht ein wenig mitleidig, und ich schaute ihm nach und dachte, ob vielleicht ein Gebet von ihm an die Valldemossiner Heilige Catalina Tomas helfen würde? Ich tat den nächsten Schritt – lag da nicht etwas Metallenes? Ich bückte mich, hob einen schmalen goldenen Reifen aus dem welken Eichenlaub auf, zog ihn mir – noch immer zweifelnd – auf den Finger: Er passte! Es war mein Ring. Sofort rief ich Tonio an: „Ich hab ihn, ich hab ihn!"

Ich lief zurück in die Ermita, setzte mich in die Kirche und weinte vor Freude. Mir war der Ring in all den Jahren noch nie abhandengekommen, und nun hatte ich ihn unmittelbar bei der Ermita verloren und wiedergefunden, dort wo ich ihn einst bekommen hatte! Als ich Eremit Benet von meinem Glück berichtete, war er sich sicher, dass es sich um ein Wunder handle. Ein kleines Wunder, dass mich seither an jedem Tag begleitet, gut sichtbar an meinem Ringfinger.

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