15. März 2018
15.03.2018

GZSZ dreht auf Mallorca

In Cala Llombards ärgern sich Umweltschützer über einen Fehler, der im Auftrag des Rathauses passierte. Die deutsche Telenovela gerät zwischen die Fronten

20.05.2018 | 02:30
Das UFA-Filmteam bei den Dreharbeiten an der Cala Llombards.

Normalerweise verlässt Deutschlands erfolgreichste Telenovela „Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (kurz GZSZ) die Studios in Babelsberg kaum. Der Großteil der Handlung spielt in einer nicht namentlich erwähnten Stadt, dann und wann wird in Berlin gedreht, vergangenes Jahr ging es mal nach Venedig. Nach MZ-Informationen hat die RTL-Serie jetzt den Sprung nach Mallorca gewagt, um hier zu drehen. In den auf RTL ausgestrahlten Episoden spielt die Insel seit gut einem Monat eine immer wichtigere Rolle.

Ende Februar wurde eine Folge gezeigt, in der die vermisste Schwester von Handwerker Paul, gespielt von Niklas Osterloh, plötzlich auftaucht. Sie war vor 20 Jahren während eines Familienurlaubs auf Mallorca am Strand entführt worden. Ihre angebliche Mutter hatte ihr am Totenbett gebeichtet, sie entführt zu haben. Die Tochter, gespielt von Luisa Wietzorek, findet ihren Bruder Paul. Laut RTL-Vorschau planen die Geschwister einen Urlaub, um sich besser kennenzulernen... Wo der wohl stattfinden könnte?

Zum Beispiel an der Cala Llombards, wo am 6. März laut der Produktionsfirma UFA Dreharbeiten stattgefunden haben. Um welche es sich genau handelt, wollte man nicht sagen. UFA produziert unter anderen GZSZ. Die Dreharbeiten blieben nicht unbemerkt. Vor allem nicht, nachdem kurz zuvor am Strand eine 300 Quadratmeter große Düne beseitigt worden war. Der Anwohnerverband Veïnats Cala Llombards stellte auf Facebook die provokante Frage: „Ist es ein Zufall, dass wenige Tage später ein Filmteam mit seinen Lastern auftaucht?" Dazu sagte eine Sprecherin der UFA zur MZ: „Wir können Ihnen versichern, dass sich unser Produktionsteam nur auf den vorgesehenen Wegen bewegt hat und keine Dünen für unsere Dreh­arbeiten abgetragen oder in irgendeiner Weise beschädigt wurden."

Aus dem zuständigen Rathaus in Santanyí hieß es dazu, ein Bauarbeiter hätte bei den jährlichen Reinigungsarbeiten einen Fehler gemacht und die Düne weggebaggert. „Die Stadt hatte bereits vor den Dreharbeiten den jährlichen Auftrag erteilt, den Strand zu reinigen", sagte Martí Picorelli, Sprecher des Rathauses. Laut Picorelli eine Bagatelle, da es sich um keine natürliche Düne handelt. „Bei Reinigungsarbeiten in den Jahren zuvor haben die Arbeiter den Sand, der von den Strand­besuchern Richtung Straße getragen wurde, dort angesammelt." In dem Sandhaufen hätten sich dann die Pflanzen angesiedelt.

Der Umweltverband Gob zeigt Bilder mit und ohne Düne:

„Die Stadt versucht, die Angelegenheit runterzuspielen, weil sie wissen, dass sie einen Fehler gemacht haben", sagt Toni Muñoz vom Umweltschutzverband Gob, der den Vorfall beim Umweltministerium angezeigt hat. Die Düne sei sehr wohl ein Naturprodukt. „Wir haben Satellitenbilder, die die Existenz der Düne schon vor 15 Jahren belegen. Gäbe es Fotos von Zeiten vor dem Tourismus, wäre die Düne auch da­rauf zu sehen."

Der Umweltschutzverband bedauert den Verlust der Pflanzen, die auf der Düne vegetierten. Das waren einerseits das Stechende Vilfa­gras (Sporobolus pungens) und andererseits die Trichternarzisse (Pancratium maritimum). „Letztere ist eine hübsche weiße Blume", sagt Muñoz. Die Gemeinde ­versuche, die Düne wieder zu errichten, so Sprecher Picorelli. Laut Gob ist das kein einfaches Unterfangen. „Das ist nicht mit angehäuftem Sand getan." Es würde Jahre dauern, bis sich die Vegetation dort wieder ansammelt. „Das auch nur, wenn vorher die biologischen Gegebenheiten wiederhergestellt werden, und die Düne abgesperrt wird, damit keine Leute drüberlaufen." Mittlerweile ist sich auch ein Sprecher des Anwohnerverbandes nicht mehr sicher, dass das Drehteam etwas mit dem Verschwinden der Düne zu tun hatte. „Vielleicht war es ja tatsächlich nur ein merkwürdiger Zufall."

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