09. Mai 2018
09.05.2018

Geplatzte Träume – so geht es den Protagonisten nach der Sendung

Bei der ZDF-Sendung "37 Grad" haben uns drei Auswanderer ihr Leben gezeigt. TV-Produzentin Iris Bettray sagt der MZ, wie es ihnen ergangen ist

09.05.2018 | 17:21
Christine und ihr Mann Dieter auf Mallorca.

Iris Bettray (54) realisiert fürs Fernsehen Reportagen, Dokumentationen und non-fiktionale Serien. Sie ist Geschäftsführerin ihrer eigenen Produktionsfirma Sagamedia in Köln. Seit 18 Jahren arbeitet sie immer wieder für die ZDF-Sendung „37 Grad". Am Dienstag (8.5.) lief in dieser Reihe ihr Film „Neue Heimat Mallorca – Geplatzte Träume im Urlaubsparadies". Es geht darin um drei deutsche Schicksale auf der Insel.

Wie findet man auf Mallorca Menschen, die ihr Leben für eine Dokumentation offen legen?
Gott sei Dank ist es eine Eigenart der Deutschen, dass sie sich gerne in Vereinen treffen, Gemeinschaften gründen, deutsche Anlaufstellen aufsuchen. Auf Mallorca gibt es viele deutsche Communitys, über die man Kontakte knüpfen kann. Und dann muss man sich erst einmal kennenlernen. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass man seine sehr sensible Lebensgeschichte mit dem Fernsehen teilt. Da finde ich es sehr wichtig, dass ich keinen Film über die Menschen mache, sondern mit den Menschen. Die Geschichten, die in der Sendung auftauchen, bin ich dann auch im Einzelnen mit den Protagonisten durchgegangen.

Nach was für Menschen haben Sie gesucht?
Ich habe keine Auswanderer-Sendung gemacht, sondern eine Sendung über Menschen, die viele Jahre in die deutsche Rentenkasse eingezahlt haben und die zum Teil schon im Rentenalter sind und gehofft haben, dass sie ein gemütliches und sorgenfreies Rentnerdasein auf Mallorca haben können. Das gilt zumindest für Ulla und Ralf, und das gilt auch für Christine und ihrem Mann Dieter, wobei Christine noch arbeitet. Bei Tina ist es eine etwas andere Situation. Sie hatte ein gutes Leben in Deutschland, sie war nicht unerfolgreich und hat gedacht, sie könnte mit 45 Jahren daran anknüpfen und sich auf Mallorca noch einmal eine neue Existenz aufbauen, ohne viele Rücklagen zu haben. Das ist leider nicht gut gegangen. Man darf nicht verkennen, dass die Insel eben auch eine Saison-Insel ist. Ich durfte Mallorca im Winter, Sommer und Herbst kennen lernen. Da zeigt sich das Gesicht der Insel ja sehr unterschiedlich. Ich hätte nicht gedacht, dass es im Januar tatsächlich so leer ist, so vieles geschlossen hat. Das zum Teil ganze Landstriche wie ausgestorben sind. Das ist ein Mallorca, auf das viele nicht so vorbereitet sind, wenn sie die Insel nur aus dem Sommerferien kennen.

Und bei zwei Fällen kommen die Krankheiten hinzu. Was ist Ihr Eindruck vom spanischen Gesundheitssystem?
Ich glaube, dass die Gesundheitszentren super organisiert sind. Fachärzte gibt es auch genug. Es ist aber auch wichtig, gute Spanisch- oder Englisch-Kenntnisse zu haben. Sonst muss man zu den deutschen Ärztezentren oder einen Dolmetscher finden. Schwierig wird es erst, wenn das ganze Thema Pflegeversicherung aufkommt. Man hat, wenn man Mitglied der Europäischen Gemeinschaft ist, in Spanien Anspruch auf Pflegegeldleistungen, das wird in der Regel ohne Probleme ausgezahlt. Die Sachleistungen muss man sich aber von der Seguridad Social holen. Und das erfordert wirklich, dass man sich in der spanischer Bürokratie zurechtfinden muss. Schwierig ist es auch, wenn man in einen höheren Pflegegrad eingestuft werden will. Wir haben in Deutschland ja fünf Pflegegrade. Und für einen Wechsel braucht man ein Gutachten. Da fängt das erste Problem an: Die deutsche Pflegekasse zahlt 25 Euro für den Gutachter. In Spanien kann der Gutachter aber deutlich mehr kosten, bis zu 125 Euro. Diese Leistung bekommt man nicht erstattet. Eigentlich wird erwartet, dass die Patienten nach Deutschland kommen und sich begutachten lassen. Das können die Patienten aber zum Teil nicht. Das sind Kosten, mit denen man rechnen muss. Und auch die Leistungen, die von der Seguridad Social bezahlt werden, sind nicht so scharf umrissen, wie das in Deutschland der Fall ist.

Besonders betroffen von der Pflege-Problematik ist Ihre Protagonisten Christine. Wie ist es ihr seit den Dreharbeiten ergangen?
Ihr Mann ist mittlerweile höher eingestuft wurde. Dabei hat ihr ein deutscher Arzt auf Mallorca geholfen. Sie bekommt jetzt ein Pflegegeld von 545 Euro, vorher waren es 316 Euro. Das macht für jemanden, der den Partner alleine pflegt, schon eine Menge aus.

Wie es den anderen Protagonisten ergangen ist, lesen Sie ab Donnerstag (10.5.) in der neuen Mallorca Zeitung am Kiosk oder im E-Paper.


Hier geht es zum Trailer der Sendung.

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