13. Mai 2018
13.05.2018

Spurensuche bei deutschen Katholiken auf Mallorca

Die deutschsprachige katholische Pfarrgemeinde auf Mallorcas wird 50. Vor dem Feiern steht aber noch Archivarbeit an – und die gestaltet sich schwierig

14.05.2018 | 01:00
Der Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Kirchengemeinde auf Mallorca, Andreas Falow

Wenn Pfarrer Andreas Falow seine Archivbestände sichtet, ist das schnell passiert. Im Pfarrbüro Santa Cruz in der Altstadt von Palma de Mallorca finden sich ein unbeschriftetes Fotoalbum sowie gerahmte Bildergalerien, die seine Vorgänger im Amt, Impressionen der Christvespern in der Kathedrale und das frühere Gemeindezentrum Sankt Michael zeigen. Während so manches Pfarrarchiv in Deutschland Auskunft über die vergangenen hundert Jahre gibt und die Akten bis zurück zum Dreißigjährigen Krieg erhalten sind, reichen die Tauf-, Erstkommunions-, Vermählungs- und Totenbücher in Palma gerade mal bis zum Jahr 2001 zurück. „Die weiteren Aktenbestände sind nach Bonn verlagert worden", erklärt Falow – vor acht Jahren, als das Gemeindehaus an der Playa de Palma aufgelöst wurde.

Keine leichte Ausgangslage für das Jubiläumsjahr: Seit mittlerweile 50 Jahren besteht die deutschsprachige katholische Auslandsseelsorge auf Mallorca. Ende 1968 war erstmals offiziell ein deutscher Pfarrer auf die Insel entsandt worden. Für Herbst ist auch der große Festakt mit Würdenträgern der Kirche aus Deutschland geplant. Eingeläutet wurde das Jubiläumsjahr bereits mit einem Konzert der Choralschola Virga Strata aus Berlin und einem Wallfahrtsgottesdienst nach Lluc in den vergangenen Tagen.

Um Licht in die vergangenen 50 Jahre zu bringen, steht nun eine Recherchereise nach Deutschland an. Dirk Dietzel, der als Chronist der Pfarrei fungiert, hat eine Genehmigung zur Arbeit im Archiv des Auslandssekreta­riats in Bonn erhalten. Er muss nicht bei Null beginnen: Bereits zum 40-jährigen Bestehen hatte er Archivmaterial gesichtet, das damals noch in Sankt Michael abgestellt war. „Das Haus an der Playa mit seinen 40 Gästezimmern hatte ganz andere Kapazitäten", meint Dietzel, der nun auch eine Ausstellung plant.

Im Mittelpunkt dürfte Heinrich Hollemann stehen, der Ende 1968 seinen Dienst als erster offizieller Auslandspfarrer seinen Dienst antrat. „Er war eigentlich gekommen, um ein Lungenleiden auszukurieren, ist aber dann 18 Jahre geblieben", meint Dietzel über den Geistlichen, den er als charismatischen Vollblutseelsorger beschreibt. Abgestiegen war Hollemann damals in einer Pension an der touristisch noch wenig erschlossenen Playa de Palma, die später zum Gemeindehaus ausgebaut werden sollte. Praktisch vom ersten Tag an habe er als Pfarrer gewirkt.

Hatten zuvor pensionierte deutsche Pfarrer ein bisschen Seelsorge geleistet und mallorquinische Pfarrer ein wenig Deutsch gesprochen, entstand nun eine offizielle Anlaufstelle. „Die deutschsprachige katholische Pfarrei Mallorcas errichtet hier im Auftrag der deutschen Bischofskonferenz mithilfe des Albert-Büttner-Vereins, Bonn, ein Gemeindezentrum mit Kapelle, Bibliothek und Club­räumen für deutschsprachige Urlauber und Residenten", verkündete ein Schild vor der Baustelle. Offiziell eingeweiht werden sollte das Gemeindezentrum am 16. Februar 1977 in Anwesenheit von Mallorcas damaligen Bischof Teodoro Ubeda.

Auf Hollemann folgten Theobald Schmid – der Mallorca-Pfarrer der Jahre 1981 bis 1998 ist vergangene Woche im Alter von 92 Jahren gestorben – und Niklas Bosshard. Unter dem Stichwort „Hausbetreuung und Gemeinde­referentin" ist für die Jahre 2000 bis 2002 mit Marianne Kruit die erste Frau im Gemeindehaus dokumentiert. Sie alle führten das Erbe Hollemanns fort. Ab dem Jahr 2001 setzte dann Monsignore Robert Kramer als Seelsorger Akzente, ab 2004 stand ihm Gemeindereferentin Beate Schmid zur Seite. Ihr kam eine Schlüsselrolle zu, als sich Kramer von einem Herzinfarkt erholen musste und sie viele seiner Aufgaben übernahm.

Mit Walter Eith begann Ende 2007 ein schwieriges Kapitel im Gemeindehaus Sankt Michael. Der Pfarrer, der nur zwei Jahre auf der Insel bleiben und später in Deutschland wegen Vorwürfen des Kindesmissbrauchs von seinem Amt zurücktreten sollte, verkrachte sich mit seinen Mitarbeitern. Hinzu kam eine finanzielle Schieflage gerade auch wegen des immer größeren Sanierungsbedarfs im Gemeindehaus. Das deutsche Auslandssekretariat schickte schließlich 2009 Peter Wehr, der die einschneidendste Entwicklung der 50-jährigen Geschichte einleiten sollte; Sankt Michael wird aufgelöst, die Pfarrgemeinde zieht um in Palmas Zentrum neben die Kirche Santa Cruz, in deren Krypta seitdem der Sonntagsgottesdienst stattfindet. Mit der Rückkehr von Beate Schmid nach Deutschland 2010 wird auch ihre Stelle gestrichen. Eine Lücke hinterlassen zudem die Schwestern Ignatia Maria und Agneta nach ihrem Weggang 2015 aus Cala Ratjada.

Hatte die Pfarrgemeinde bislang die Strandurlauber vor der Tür, fällt nun der Blick aus dem Pfarrbüro auf die altehrwürdige Kathedrale, die mit ihrer alljährlich dort stattfindenden deutschsprachigen ökumenischen Weihnachtsvesper einen roten Faden der vergangenen Jahrzehnte darstellt. Die Ökumene sei von Anfang an stark ausgebildet gewesen, betont Dietzel. Eine Konstante all dieser Jahre ist auch der Domkapitular und Tourismus-Beauftragte Joan Bestard, der direkte Draht der deutschen Pfarrer ins Bistum Mallorca.

Ansonsten ist die Fluktuation hoch – „man findet sich auf Mallorca immer wieder neu", meint Falow, der seit vergangenem Jahr Dienst auf der Insel tut und wieder die Präsenz der deutschen Pfarrgemeinde in den Deutschen-Hochburgen stärken will. Finden derzeit Gottesdienste in Santa Cruz, an der Playa de Palma und in Peguera statt, ist nun auch wieder ein Angebot in Cala Millor geplant. Während der Hochsaison sollten Urlauber dort wieder einen deutschsprachigen Gottesdienst besuchen können, meint Falow: „Wir suchen eine Pfarrei, die uns liebend in die Arme schließt." Und auch in Cala Ratjada will der Pfarrer wieder Präsenz zeigen.

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