Von Klaus Zeumer
Dreiviertel aller Deutschen leiden laut neuesten Studien an Schmerzen des Bewegungsapparates. Die häufigsten Beschwerden sind wohl Rückenschmerzen. Daneben finden wir vielerlei Syndrome, beispielsweise das Schulter-, Arm-, Halswirbel- oder Lendenwirbelsäulensyndrom. Als häufigste medizinische Erklärung für den schmerzgeplagten Patienten gibt es den Verschleiß, der schon jungen Menschen diagnostiziert wird.
Verschleiß ist kein biologisches Gesetz, sondern eine natürliche Folgeerscheinung mit ganz konkreten Ursachen. Unser Körper wurde zum ständigen Gebrauch geschaffen, Knochengerüst und Gelenke auch. Wie alle Zellen müssen sich auch Knochen- und Gelenkzellen fortwährend regenerieren. Warum also beginnt die Arthrose beispielsweise nur an einer Hüfte oder der Verschleiß nur an einem Knie, nur an einem Schultergelenk oder nur an einem Wirbel? Sind nicht beide Knie, beide Hüften gleich alt?
Einseitig abgefahrene Reifen beim Auto veranlassen eine sofortige Vermessung von Spur und Sturz und die notwendigen Neueinstellungen. Einseitig abgelaufene Schuhsohlen werden in den allermeisten Fällen ignoriert oder allenfalls zum Schuhmacher gebracht.
Die ersten leichten Schmerzen werden ebenfalls gern übersehen und können sich über Jahre hinziehen. Erst starke Schmerzen im Rücken, Nacken, Knie, in der Leiste oder ein Hexenschuss führen den Kranken zum Therapeuten. Dort wird untersucht und gespritzt und die Diagnose ist meistens klar: Abbau, Verschleiß, eine Degenerationserscheinung, auf jeden Fall irreparabel. Man greift also zu Spritzen verschiedenster Wirkungsweise und Schmerzmitteln und operiert, falls möglich, im späteren Verlauf, in dem Prothesen eingepflanzt werden.
Wer käme nun auf die Idee, alle oben genannten Zustände auf ein und dieselbe Ursache zurückzuführen? Und zwar den Beckenbodenschiefstand. Obwohl die Indikation dafür durchaus nicht unbekannt ist, nämlich unterschiedlich lange Beine, erschöpft sich die therapeutische Behandlung allenfalls in der Erhöhung einer Schuhsohle. Eine schiefe Statik kann lange Zeiträume überdauern, wie der Turm von Pisa beweist.
Der Mensch, in dessen Körper eine fein abgestimmte Harmonie von verschiedenen Kreisläufen besteht, kann hier nicht sehr lange mithalten. Neben den vordergründigen Schmerzen und Einschränkungen des Bewegungsapparates, mit denen man sich vielleicht abgefunden hat, kommen nun unerträgliche
Migräne-oder Trigeminusanfälle, Kopfschmerzen, Herz- und Nierenleiden, Verdauungs-und Unterleibsbeschwerden und häufig, vor allem bei Frauen diagnostiziert, sogenannte psychosomatische Störungen im weitesten Sinn.
Erst wird eine Hüfte ausgetauscht, dann die andere - und niemand kommt auf die Idee, sich einmal darüber Gedanken zu machen, warum die Arthrose von Gelenk zu Gelenk wandert, der Arm kaum noch beweglich ist und schon jahrelang Kopfschmerzen bestehen. Sind Operationen, Bewegungseinschränkungen aller Art mit den meist nur symptomatisch wirkenden Therapien wirklich unausweichliches Schicksal?
Einige Therapeuten kennen sich aus mit der Korrektur des Beckenschiefstands sowie der Wiederherstellung der gesamten Körperstatik von Fuß bis Kopf. In vielen Fällen sind damit spontan oft jahrelange und anscheinend therapieresistente Schmerzen verschwunden.
Steht der Mensch wieder gerade, reparieren sich die degenerierten Gelenke, sofern sie nicht zu weit zerstört sind, allmählich von selbst. Dieser Aufbauprozess kann sich über einige Jahre hinziehen und lässt sich durch Ernährung und Bewegung unterstützen.
Wirbelsäulentherapie, Akupunkturmassage, Yoga usw. können den Rehabilitationsprozess wirksam fördern. Ohne vorherige Statikkorrektur bringen sie jedoch nur kurzfristige Erleichterung, ohne das Übel an der Wurzel zu packen. Rechtzeitige Behandlung - schon in jungen Jahre - lässt dem Verschleiß kaum eine Chance.
Der Autor ist Heil- und Chiropraktiker in Palma, www.labalance.net, Tel.: 971-71 77 81.