Mit Gelblicht zum deutschen Patienten

19-09-2008  
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Einsatzbereit: Dr. Luai Chadid mit Paramedic Jan Kasprowicz und Thorsten Anker (v.li.).  Foto: Feldmeier

FRANK FELDMEIER Die Ärzte der Clínica Picasso wollen zusammen mit einem Unternehmen aus Deutschland ein eigenes Rettungswagensystem auf der Insel etablieren.

Die Feuerprobe ist bereits bestanden, die ersten Einsätze auf Mallorca sind absolviert – mit deutschem Team, allerdings mit landestypischem Gelb- statt Blaulicht bei der Anfahrt. „Da war alles dabei, von der Prellung bis zum Herzinfarkt“, sagt Thorsten Anker, Geschäftsführer von Incentive Med. Das Unternehmen hat begonnen, zusammen mit den Ärzten der Clínica Picasso auf Mallorca ein Rettungswagensystem nach deutschem Vorbild zu etablieren. Nach den einjährigen Vorbereitungen seien nun alle Genehmigungen erteilt, sagt Anker.

Es sei höchste Zeit für ein solches Projekt, sagt Dr. Luai Chadid von der Clínica Picasso und verweist dabei auf medizinische Standards genauso wie auf Sprachprobleme deutscher Residenten. „Wir wollen uns nicht ins spanische System einmischen, sondern eine Unterstützung in deutscher und englischer Sprache bieten“, sagt der Kardiologe und Internist.

Als Beispiel nennt er deutsche Residenten mit Herzproblemen, die auf einer abgelegenen Finca wohnten. Wie lange würde es dauern, bis ein Ambulanzwagen über die Feldwege dorthin findet? In welches Krankenhaus wird man gebracht? Und die Sprachprobleme? „Solche Fragen kriege ich fast jeden zweiten Tag auf den Tisch“, sagt der Arzt.

Das neue System soll darauf nun Antworten geben. Beispiel Anfahrt: Neukunden sucht das Team nach der Anmeldung zu Hause auf – Hinweise zur Anfahrt werden im System abgelegt, die Adresse im GPS-Navigationssystem eingegeben und mit den Kundendaten gespeichert. Im Notfall ginge so keine Zeit durch komplizierte Wegbeschreibungen für nicht beschilderte Feldwege verloren, sagt Chadid: „Schneller kann man nicht anfahren.“

Zum Service gehöre zudem, dass schon vorab alle Patienteninfor-mationen aufgenommen würden. Wenn dann wirklich etwas passiert, könnten die Rettungsmediziner beispielsweise sofort abrufen, welche Medikamente der Patient eingenommen habe, sagt Chadid: „Das ist ein unschätzbarer Vorteil, zum Beispiel, wenn der Patient bewusstlos ist.“

Zum Konzept gehört außerdem, dass sich Patienten und ihre Angehörigen in ihrer Muttersprache verständigen können: Das Notfallteam besteht aus sechs Personen, die alle Deutsch, Englisch und Spanisch sprechen, wie Anker betont. Die Einsatzkräfte haben die Ausbildung zu sogenannten Paramedics durchlaufen und seien somit besser qualifiziert als etwa Rettungssanitäter, sagt Anker. Patienten müssten im Übrigen nicht automatisch ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden wie bei der staatlichen Versorgung. Vielmehr werde das Anfahrtsziel in Absprache mit Patient und Arzt festgelegt: „Wir sind kein Transportunternehmen, sondern Dienstleister.“

Die Notruf- und Servicenummer 900-66 68 88 steht zwar allen Mallorca-Residenten zur Verfügung. Wer jedoch den Service der Adress- und permanenten Patientendokumentation in Anspruch nehmen will, muss Abonnent sein. Die Gebühr gibt Chadid mit monatlich 39 Euro an, für Paare und Familien gebe es Rabatt. Die Anmeldung koste einmalig 95 Euro. Da außerdem bislang nur ein Krankenwagen mit Standort in Palma im Einsatz sei, könne die akute Notfallversorgung derzeit nur in einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern rund um Palma geleistet werden.

Dafür aber auf dem allerneuesten Stand der Technik, wie Anker betont. Die Mediziner im Notfallwagen könnten beispielsweise ein Zwölfkanal-Elektrokardiogramm (EKG) erstellen und es genauso wie auch die Ergebnisse einer Ultraschalluntersuchung an den Arzt in der Clínica Picasso senden. Die neueste Technik bietet zudem einen mobilen Notruf, eine Art Handy mit GPS-Funktion, das gegen Aufpreis erhältlich ist: Mit nur einem einzigen Knopfdruck setzt das Gerät den Notruf ab und übermittelt die Patientenkoordinaten auf fünf Meter genau – und die Rettungskräfte bekommen sie automatisch im Kartenprogramm Google Earth auf den Bildschirm. Für die Erste Hilfe wird zudem über eine Freisprecheinrichtung Kontakt mit dem Patienten aufgenommen.

Mallorca ist für Incentive Med eine weitere Station im Ausland – das Unternehmen, das in Deutschland Entwicklung und Ausbildung betreibt oder etwa Großveranstaltungen betreut, ist mit Projekten in der Ukraine oder den Vereinigten Arabischen Emiraten präsent und war auch für die UN im Sudan. Auf Mallorca wird es nun darum gehen, die Versorgung älterer Residenten abzusichern. So müssten Patienten nicht mehr voreilig nach Palma oder gar zurück nach Deutschland ziehen, sagt Chadid. Schließlich habe er es schon oft erlebt, dass deutsche Senioren ihre Traumfinca aufgaben, um sich keine Sorgen mehr um die medizinische Versorgung machen zu müssen.

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