Parodontitis rechtzeitig behandeln

25.09.2008 | 16:55

Bei den meisten Erwachsenen ab 35 Jahre in Deutschland ist das Risikobewusstsein über Parodontitis mangelhaft, so das Ergebnis der jüngsten, repräsentativen Umfrage des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ), Köln. Danach leiden mehr als 70 Prozent an einer Parodontitis und sind sich der möglichen Folgen nicht bewusst, die damit verbunden sind: Außer Zahnverlust sind das Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Atemwegserkrankungen sowie Schwangerschaftskomplikationen.

Leider scheinen selbst Zahnärzte diese wissenschaftlich belegten Risiken einer unbehandelten Parodontitis zu unterschätzen, wie man anhand von Befunden vieler Patienten in unserer Praxis für innovative, biologische Kieferorthopädie sehen kann.

Parodontitis wird meist verwechselt mit Paradontose, die es nach ihrer Definition eigentlich nur theoretisch gibt. Während Parodontitis eine bakteriell bedingte Entzündung ist, die sich in einer Zerstörung des Zahnhalteapparates – dem Parodontium – zeigt, bezeichnet man als Parodontose einen nicht-entzündlichen Schwund des Zahnbettes ohne vertiefte Zahnfleischtaschen und ohne Bltungsneigung des Zahnfleisches.

Parodontose haben wir bei unseren Patienten bislang nicht diagnostizieren können, Parodontitis dagegen häufig. Sie wird wie die Gingivitis – eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleisches, der Gingiva – durch bakterielle Plaque, also Zahnbelag, ausgelöst. Hauptunterscheidungsmerkmal zur Gingivitis ist der vorhandene, röntgenologisch nachweisbare Knochenabbau. Charakteristisch für Gingivitis, die keine Schmerzen verursacht, ist gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, das bei Berührung leicht blutet. Chronifiziert kann sie in eine Parodontitis übergehen, oder bei einer bestehenden Parodontitis deren Verlauf beschleunigen.

In den meisten Fällen verläuft Parodontitis chronisch sowie schubweise und tritt vorwiegend bei Erwachsenen auf. Sie ist nur selten schmerzhaft und führt, von den Betroffenen zumeist unbemerkt, erst nach Jahren zu Zahnlockerungen. Wegen der hohen Parodontitis-Risiken nehmen wir kieferorthopädische Korrekturen von Zahnfehlstellungen, die von Natur aus bei mehr als 90 Prozent bei Geburt programmiert sind und heute auch bei erwachsenen Patienten auch noch nachhaltig durchgeführt werden können, nur dann vor, wenn sich die Patienten zuvor einer kostenlosen Parodontitis-Basis-Kontrolle unterziehen und eventuell behandeln lassen. Denn rechtzeitig und richtig behandelt, kann einer Parodontitis fast immer Einhalt geboten werden.

Carmen Gunkel, MSc, ist Kieferorthopädin in Palma (Clínica Ortodoncia)

Tel : 971-71 75 53.

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