Wie gesund ist Mallorca?

Licht- und Schattenseiten der Trauminsel: Was tut dem Körper auf der Insel gut, was nicht? Wir haben Ärzte zu medizinischen Vor- und Nachteilen befragt

03-06-2011  
Die frische Meeresbrise tut gut
Die frische Meeresbrise tut gut Foto: Nele Bendgens

GABRIELE RICKE Milde Winter, lange Sommer, frische Luft dank fehlender Schwerindustrie, Meeresbrise und rund 300 Sonnentage pro Jahr – nicht zuletzt wegen des Klimas leben rund 60.000 Deutsche lieber auf der Insel als in der Heimat. Mallorca heißt aber oft auch schlecht funktionierende Heizungen, Feuchtigkeit im Winter und unerträgliche Hitze im Sommer. Deutsche Ärzte, die seit Jahren auf der Insel leben, erklären, wofür das sogenannte gemäßigte, subtropische Klima gut ist – und wofür weniger.

Andreas Leonhard, Facharzt für Innere Medizin vom Deutschen Facharzt-Zentrum: „Auf Mallorca gibt es nur eine geringe Feinstaubbildung, wenig Allergene außer von Pinien- und Olivenblüten. Wer in Deutschland unter Heuschnupfen leidet, allergisch ist gegen Birkenpollen oder Gräser, hat das Problem hier seltener." Sein Kollege Johannes Gessner, Facharzt für Hals-­Nasen-Ohren-Heilkunde vom Centro Médico Porto Pi, ergänzt: „Allergiker gibt es trotzdem, vielleicht etwas weniger. Wer Kilometer entfernt vom Meer auf dem Land wohnt, profitiert natürlich weniger von der allergenarmen Luft." Es könne durchaus sein, dass Allergiker hier plötzlich eine neue Aller­gie entwickeln. Einige Gräser blühten hier sogar länger. Zudem seien, genau wie in Deutschland, Hausstaubmilben ein großes Problem.

Größter Unterschied in seiner Praxis sind Ohr-Infektionen, begünstigt durch häufiges Schwimmen und den kräftigen Wind. Generell beo­bachtet Gessner aber weniger Erkältungskrankheiten als in Deutschland. Für Erkrankungen der oberen Atemwege ist auch der hohe Salzgehalt der Luft sehr gut: „Die Atemwege schwellen hier ab."

Verborgene Tücken: Feuchtigkeit und Schimmel
Die Feuchtigkeit auf der Insel hat aber auch ihre Tücken. Vor allem Rheuma-Patienten macht sie zu schaffen. Andreas Leonhard bestätigt: „Natürlich haben Rheumatiker hier im Winter auch Beschwerden." Allerdings seien sie nicht so schlimm wie in Deutschland. Die Probleme hingen außerdem weniger mit dem Klima zusammen als mit der Bauweise und der fehlenden Heizung in vielen Häusern, die oft zu Feuchtigkeit und Schimmel führen. Der Schimmel sei potenziell krankheitsbegünstigend: „Nicht jeder reagiert darauf gleich. Wenn aber Menschen, die zu Allergien neigen, Sporen und Milben einatmen, kann das unter anderem zu Bronchitis führen."

Ein alter Glaube, dass Salzwasser bei der Wundheilung helfe, stimme nicht. Andreas Leonhard: „Im Gegenteil. Das Meerwasser wirkt eher verzögernd. Davon sollte man sich während der Heilung von Wunden fernhalten." Größter Unterschied zur alten Heimat seien, vor allem im Sommer, Fälle von Hautverletzungen und Geschwüren durch Mückenstiche oder Quallen: „So heftig kennt man die in Deutschland nicht."

Probleme haben auch Menschen, die zu Kopfschmerzen neigen. Fritz Nobbe, Neurologe von der Clínica Picasso, meint dazu: „Mallorca hat eine Fönwetterlage. In Deutschland ist das vergleichbar mit dem nördlichen Alpenrand, etwa der Gegend um den Chiem- oder Bodensee. Von den Bergen der Tramuntana geht es in nur wenigen Kilometern zum Meer. Die Zahl der Menschen, die hier an Migräne leiden, ist deshalb deutlich höher." Vermutet wird, dass auch Epileptiker unter diesen Klimabedingungen zu häufigeren Anfällen neigen: „Das sind Beobachtungen, die noch nicht eindeutig bewiesen sind."

Einen Pluspunkt sieht Nobbe in der mediterranen Ernährung mit vielen ungesättigten Fettsäuren. Die trägt bei zu weniger Herz- und Gefäßerkrankungen. Unter älteren deutschen Residenten ist die Anzahl dieser degenerativen Erkrankungen allerdings trotzdem überdurchschnittlich hoch. „Was eher auf Lebenswandel und Alter zurückzuführen ist als auf die hiesigen äußeren Umstände", so Nobbe. Während die ungesättigten Fettsäuren gesund sind, sieht sein Kollege Andreas Leonhard in der oft schweren, mallorquinischen Küche auch einen Auslöser für Magen- und Darmprobleme. Es kommt also, wie überall, auf die richtige Mischung an.

Einer der größten Vorteile Mallorcas ist, ohne Zweifel, die Sonne. Nachweislich ist die Sonnen­einstrahlung deutlich intensiver als im nördlichen Europa. In Maßen genossen, tut sie dem Körper gut und trägt zum Wohlbefinden bei. Sonnenlicht ermöglicht die Produktion von Vitamin D, das den Kalziumhaushalt im Körper bestimmt. Es ist wichtig für Knochen und Zähne, beugt Osteoporose vor. Außerdem senkt Sonnenlicht den Blutdruck und regt das Immunsystem an. „Wer in Deutschland unter Bluthochdruck leidet, muss auf Mallorca seine Medikamente umstellen", sagt Andreas Leonhard. Die meisten Patienten benötigten hier weniger Medikamente, weil der Blutdruck sinkt. „Wer hingegen sowieso unter niedrigem Blutdruck leidet, sollte Kreislauftraining machen."
Das viele Licht, dass man in Deutschland oft so schmerzlich vermisst, wirkt sich auch positiv auf die Psyche aus. „Die Sonne aktiviert die körpereigenen Glückshormone und sorgt damit für gute Laune", bescheinigt Andreas Leonhard.

Und der heiße Sommer? Ist der keine Belastung? „Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten auf Mallorca nicht häufiger auf als in anderen westlichen Ländern", sagt Luai Chadid. Der Kardiologe der Clínica Picasso erklärt: „Vor allem Temperaturen über 30 Grad, verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit, können aber massive Auswirkungen haben. Besonders bei älteren, übergewichtigen Menschen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben." Durch die vermehrte Schweißneigung verlören sie besonders viel Flüssigkeit und Salze. „Bei zu starkem Verlust kann das zu Müdigkeit, Schwindel bis hin zu einem Zusammenbruch des Blutkreislaufs kommen (Kreislaufkollaps)."
Häufig käme es auch zu teils gefährlichen Herzrhythmusstörungen oder Muskelkrämpfen: „Vor allem bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter blutdrucksenkender oder wassertreibender Medikamente kann es verstärkt zu diesen Beschwerden kommen."

Gefahr Nummer eins: Hautkrebs
Die Freude am vielen Licht kann allerdings auch schnell vergehen. Cordula Ahnhudt von der mySkin-
Hautarztpraxis über die medizinischen Licht- und Schattenseiten der Sonne: „Das Klima hier wirkt sich positiv auf chronische Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis aus. Ein Hauptgebiet in unserer Praxis sind aber Hautkrebsvorstufen, Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung." Verantwortlich dafür sei die übermäßige chronische Sonnenexposition. „Im Vergleich zu führenden deutschen Hautzentren sehen wir deutlich mehr Patienten, die an Hautkrebs oder dessen Vorstufen leiden. Dabei sind oft Menschen mittleren Alters betroffen.

Das war vor zehn Jahren noch anders, als vor allem der weiße Hautkrebs eine Erkrankung des hohen Lebensalters war." UV-Strahlen sind eine der Hauptursachen für Schäden an der „zellulären Festplatte" der Haut, der DNA. „Viele unterschätzen die UV-Intensität. Oft höre ich, dass die Leute ja nie am Strand liegen. Sie vergessen aber, dass sechs Stunden Golf spielen, Stunden auf der Yacht oder beim Schnorcheln auch Sonnenexposition bedeuten." Heute ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass jeder Sonnenbrand zu Zellschäden führt, die Hautkrebs begünstigen. Noch schlimmer: Das UV-Licht schädigt die Haut auch unterhalb der Sonnenbranddosis. Regelmäßiger Hautcheck (mindestens einmal im Jahr) und Sonnenschutz (Faktor 50, auch im Schatten) sind unabdingbar.
Auch die Hautalterung wird durch die UV-Strahlen beschleunigt. Ahnhudt: „UV-A-Strahlen zerstören das Kollagen, ein wichtiges Strukturprotein der Haut, welches für Elastizität und Festigkeit der Haut sorgt. Hohe Luftfeuchtigkeit und Kälte machen die Haut besonders trocken. Gute Pflege ist deshalb für die Haut – auch für Männer – sehr wichtig." Schutz vor Falten bieten Sonnencremes (auch im Winter!), hochwertige Seren sowie Regenerationstherapien in den sonnenärmeren Zeiten.

Fazit: Mallorca tut gut und bietet alle Möglichkeiten, gesund zu leben – vorausgesetzt, man ist sich gewisser Risikofaktoren bewusst und weiß, damit umzugehen.

http://www.pressekatalog.de/Mallorca+Zeitung-ebinr_2083781.html

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