Pilzinfektionen: Kein Grund zur Scham

Wie man sich die Keime einfängt und wie man sie wieder loswird

11.05.2012 | 14:20
Pilzinfektionen: Kein Grund zur Scham
Pilzinfektionen: Kein Grund zur Scham

Pilzerkrankungen sind in unserer Gesellschaft mit einem äußerst negativen Image verbunden, sie werden oft mit Unsauberkeit und mangelnder Hygiene assoziiert.

Die Vorstellung, dass sich die Pilze immer weiter „fressen" und die gebildeten Giftstoffe organschädigend, sogar tödlich sein können, löst Unbehagen und Furcht aus. Dabei handelt es sich bei Pilzkeimen ausdrücklich nicht um in Badematten lauernde Erreger, die nur auf ihr nächstes Opfer warten. Im Gegenteil! Pilze können uns nur dann krank machen, wenn wir ihnen eine geeignete Umgebung bieten.

Diese Tatsache gilt auch für das Ansteckungsrisiko beziehungsweise für die Übertragbarkeit von Pilzerkrankungen. Der Klassiker sind feuchtwarme Füße, die täglich in Turnschuhen und Synthetiksocken schmoren. Das ist das Milieu, welches Pilze lieben, sie vermehren sich und lösen dann die spür- und sichtbare Infektion aus. Bei einem trockenen, gut belüftetem Fuß haben die Keime keine Überlebenschance! Deswegen hilft es Fußpilzkranken auch nicht, Socken und Schuhe mit desinfizierenden Sprays und Waschmitteln zu malträtieren. Vielmehr müssen saugfähige Baumwollsocken und luftiges Schuhwerk getragen werden. Das ist die sinnvolle Pilzprophylaxe und/oder unterstützt die eingeleitete Therapie. Wer unter Diabetes und schlechter Durchblutung leidet, ist ebenfalls anfälliger für Pilzinfektionen. Hier muss durch Sport die Durchblutung und Abwehrkraft der Füße gefördert werden.

Eine weitere sehr häufige Pilzerkrankung ist der Kleienflechtepilz. Er macht sich durch weißliche oder rötliche Flecken – betont an Brust oder Rücken – bemerkbar. Auch hier gilt die Regel: Nur Wärme und Feuchtigkeitsstau ermöglichen es dem Pilz, sein Unwesen zu treiben. Demnach sollte auf Kleidung mit Synthetikfasern verzichtet werden, längeres Verweilen auf Plastikliegen wirkt ebenfalls pilzfördernd. Richtig wohl fühlt sich dieser Pilz bei allen Menschen, die ihm durch intensive Hautpflege mit fettenden Cremes einen geeigneten Lebensraum bieten. Wie ein Sonnenschirm hemmt dieser Pilz auf der Haut die Pigmentbildung, das Resultat sind die beschriebenen hellen Flecken. Ist der Pilz durch geeignete Behandlung erst einmal abgetötet, stellt sich die reguläre Pigmentierung rasch wieder ein.

Die unkritische Verordnung von Antibiotika bahnt Pilzinfektionen ebenfalls den Weg, da diese Medikamente leider auch „gute", pilzhemmende Bakterien beseitigen und so das Pilzwachstum begünstigen. Wir verfügen heutzutage über hervorragend wirksame und gut verträgliche Antipilzmittel, mit denen sich jede Pilzinfektion beseitigen lässt. Dies gilt insbesondere für den scheinbar therapieresistenten, hartnäckigen Nagelpilz. Bei der Auswahl von Tabletten ist es wichtig, den Pilz zunächst durch Laboruntersuchungen zu identifizieren. Reicht eine äußerliche Pilzbehandlung aus, so ist nicht nur der geeignete Wirkstoff, sondern auch seine Darreichungsform entscheidend für den Erfolg. Lösungen und wässrigen Cremes ist Vorzug zu gewähren, da fettige Salben die Wärme und Schwitzigkeit der Haut fördern und damit kontraproduktiv wirken.

Pilzerkrankungen sind also kein Grund zur Scham und stellen durch fachgerechte Maßnahmen ein gut lösbares Problem dar.

Dr. Jens D. Löhnert ist Hautarzt und Allergologe am Int. Facharztzentrum und in der Clínica Picasso in Palma.

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