Weniger Pollen auf Mallorca: Urlaub von der Allergie

Das wär´ doch was, um die Nebensaison zu beleben: Eine Biologin der UIB schlägt vor, die Insel offensiv als Reiseziel mit geringer Pollenbelastung zu bewerben

29.03.2012 | 17:48
Hat an ihrem Fachgebiet viel Freude: Biologin und Pollenexpertin Marzia Boi
Hat an ihrem Fachgebiet viel Freude: Biologin und Pollenexpertin Marzia Boi

Die Nase läuft, die Augen tränen, das Atmen fällt schwer – dass der Frühling naht, merken Allergiker ganz unmittelbar am eigenen Körper. Heuschnupfen wird im Volksmund die extreme Reaktion des Körpers auf Blütenstaub in der Luft genannt. Doch auf ­Mallorca lebt es sich für die Betroffenen vergleichsweise gut. So gut, dass die Biologin Marzia Boi von der Balearen-Universität die geringe Pollenbelastung für die Insel-Vermarktung nutzen will: ­„Pollen-Tourismus" könne vor allem allergie­geplagten Mittel- und Nordeuropäern eine zeitweilige Erholung verschaffen.

„Die Menschen in Nord- und Mitteleuropa und sogar die Festlandspanier leiden besonders unter den Pollen von Süßgräsern, zu denen auch alle Getreidesorten gehören. Diese blühen vor allem zwischen März und Juni." Auf Mallorca hingegen gebe es kaum Süßgräser, die Konzentration ihrer Pollen in der Luft sei entsprechend niedrig. „Die Urlauber könnten auf der Insel also unbeschwert durchatmen", sagt die aus Sardinien stammende Wissenschaftlerin.

Dass die Heuschnupfen­urlauber, die auch noch die Nebensaison beleben würden, auf die ­mallorquinischen Pollen allergisch reagieren, sei unwahrscheinlich: „Jede Pollenart setzt andere Proteine frei. Wer auf die Proteine von Nadelbäumen allergisch reagiert, bemerkt Oliven–Pollen gar nicht", so die Biologin.

Allein in Deutschland leiden über 20 Prozent der Erwachsenen an einer Pollenallergie. Eine Zielgruppe für den „Urlaub vom Heuschnupfen" wäre also durchaus vorhanden. Deutsche Urlaubsregionen wie die Nordseehalb­insel Eidersted oder Usedom locken Allergiegeplagte bereits jetzt offensiv mit ihrer besonders ­pollenarmen Luft.

Ähnliches schwebt Marzia Boi für Mallorca vor. Sie hat in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Pollenbelastung um fast 20 Prozent festgestellt. Eine schlüssige Erklärung dafür hat sie bisher noch nicht gefunden. Für ihre Arbeit analysiert sie regelmäßig die aktuelle Blütenstaubkonzentration in der Luft. Gemessen wird der Pollenflug auf der Insel mit zwei so genannten Pollenfängern. Die Apparate saugen Luft an, etwa so viel wie eine menschliche Lunge. Die angesaugte Luft wird an einem Klebeband vorbeigeleitet, an dem sich die Pollenkörner festsetzen. Da die Konzentration im Laufe des Tages unterschiedlich hoch ist, wird der Klebestreifen auf einer Trommel befestigt, die sich in 24 Stunden einmal um sich selbst dreht. So kann die Wissenschaftlerin genau beobachten, welche Pflanzenarten gerade besonders viele Pollen freisetzen. Faktoren, die den Pollenflug beeinflussen, sind Temperaturschwankungen, Wind und Regen. Die Daten veröffentlicht sie wöchentlich, um Betroffene zu warnen.

Denn gänzlich pollenfrei ist die Luft auf Mallorca auch nicht. Momentan ist beispielsweise eine schwache bis mäßige Konzentration von Zypressenpollen festzustellen. Zudem finden sich bereits schwache Spuren von Glaskrautpollen (Parietaria). Die Samensporen dieser Pflanze, die vor allem in Steinmauern gedeiht, sind besonders klein und deshalb Allergieauslöser Nummer Eins auf der Insel. Zudem blüht das Glaskraut von März bis Juni, betroffene Allergiker leiden also besonders lange. An zweiter Stelle steht der Blütenstaub des Olivenbaumes, der von April bis Mitte Juni in der Luft zu finden ist. Zypressen­pollen liegen auf Platz drei der Allergieliste, die Blütezeit dauert von Februar bis Mai.

Auf die Idee mit dem Pollen-Tourismus kam Boi aus eigener Erfahrung heraus: „Ich habe vor vier Jahren eine Allergie auf ­Olivenpollen entwickelt." Im Mai, wenn besonders viele Pollen in der Luft sind, findet die Biologin kaum Schlaf und wird von asthmaähnlichen Anfällen geplagt. Seitdem flieht sie in der Olivenpollen-Hochsaison für eine Woche von der Insel, mal nach Afrika, mal nach Norditalien. „Nur eine Woche ohne Pollen ist eine wahre Erholung für den Körper."

Für diejenigen, die wie sie selbst trotz geringer ­Pollendichte auf der Insel unter Heuschnupfen leiden, hat die Biologin einige Ratschläge parat. „Auf keinen Fall die Wäsche im Freien trocknen, da die Pollen sich sonst im Stoff festsetzen", rät sie. Zudem sollen die Betroffenen bei Aufenthalten im Freien eine Sonnenbrille tragen, damit die Pollen nicht so leicht in die Augen gelangen. Außerdem rät sie zu einem Arztbesuch. Die frühzeitige Einnahme von Antihistaminen könne die allergische Reaktion deutlich abmildern. Unbehandelt könnten Allergien dagegen zu chronischen Krankheiten wie etwa Asthma führen.

Marzia Boi, die über die Pollen der auf der Insel heimischen Pflanzen promoviert, geht in ihrem Fachgebiet so richtig auf. Pollenspuren, erzählt sie, würden andernorts auch zur Lösung von Mordfällen beitragen. „In Großbritannien, Neuseeland oder Hawaii werden Pollenexperten regelmäßig zur Lösung von Kriminalfällen hinzugezogen." Auch in der Archäologie spielen Pollen eine wichtige Rolle. Die angebliche Authentizität des Grabtuch Jesu bestätigten israelische Wissenschaftler 1999 anhand der Analyse von Pollen, die auf dem Stoff gefunden wurden. Ende April findet in Valencia ein wissenschaftlicher Kongress über das Grabtuch statt. Boi will die Kollegen dort mit einem Vortrag gehörig aufmischen. Sie grinst vergnügt. „Mehr möchte ich aber noch nicht verraten".

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