Heilend und schädlich zugleich

Sonne tut einfach gut – in Maßen genossen

10.05.2012 | 22:16
Heilend und schädlich zugleich
Heilend und schädlich zugleich

Antyllus, römischer Arzt und Sonnenverehrer, wusste es schon vor 2.000 Jahren: Die Sonne stärkt Körper und Seele. Sonnenbäder erhöhen die Abwehrbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der Menschen.

Für die meisten Mitteleuropäer ist jeder Tag mit Sonnenschein ein Grund zur Freude. Gerade nach langen trüben Wintertagen möchte man die Sonne so richtig genießen. Sie ist eine Intensiv-Kur für die Seele, wirkt auch gegen winterliche Stimmungstiefs. Sonne tut einfach gut. Außerdem ist der gebräunte Körper Symbol für Gesundheit, Dynamik, Sportlichkeit und Sex-Appeal.

Der wohltuende Effekt der Sonne ist auch medizinisch belegt. Ihre UV-B-Strahlen setzen das körpereigene Wohlfühl-Vitamin D3 frei – auch wenn die Sonne aus der Sonnenbank kommt! Das Sonnen-Vitamin D3 stimuliert das Immunsystem, wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf aus, steigert die körperliche Leistungsfähigkeit und kann helfen, Depressionen zu lindern.

Die Haut allerdings lässt sie mit ihren schädlichen Strahlen auf Dauer alt aussehen. Dabei kann die Hautbräunung im Sonnenstudio der Haut ebenso schaden wie die Bräunung in der Sonne. Das betrifft sowohl akute Wirkungen wie den Sonnenbrand, als auch chronische Wirkungen, beispielsweise vorzeitiges Altern der Haut, Faltenbildung und Erhöhung des Hautkrebsrisikos. Daher gilt: Sonnenbäder unter freiem Himmel und im Bräunungsstudio nicht übertreiben, besonders bei empfindlicher Haut.

Die Haut vergisst nicht – mit jedem Sonnenbrand steigt das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Die Zahlen steigen jährlich, Hautkrebs hat die höchste Zuwachsrate aller bösartigen Tumore. Neben den Schäden an der Haut können aber auch Entzündungen des Auges durch zu viel Sonne ausgelöst werden, zudem wird die Hautalterung beschleunigt. Gute Gründe also, die Sonne vernünftig mit entsprechendem Schutz und in Maßen zu genießen. Dabei muss der eigene Hauttyp ebenso beachtet werden wie die zu erwartende Strahlungsintensität der Sonne
(UV-Index). Besonders gefährdet sind kleine Kinder. Deshalb sind Hut, Hemd und Hose sowie ein Hautschutz mit hohem Lichtfaktor für die Kleinen ein absolutes Muss – besser noch ist das Spielen im Schatten.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Sonnenlicht die einzige Quelle für ultraviolette Strahlung. Heute werden UV-Strahler zur Inaktivierung von Bakterien und Viren, für therapeutische Zwecke und als Heimsonnen und Solarien zur Bräunung eingesetzt.

In Solarien überwiegt der Anteil der UV-A-Strahlung, deren schädigende Wirkung geringer ist als die des UV-B-Anteils. Dadurch werden aber größere Bestrahlungsstärken zur Bräunung benötigt, so dass das Risiko bei gleicher Bräunung gleich hoch bleibt. Der Eigenschutz der Haut wird durch UV-A nicht verbessert, so dass eine Vorbräunung mit UV-A-Strahlen in Solarien als Schutz gegen Sonnenbrand nicht sinnvoll ist.

Die solare UV-Strahlung stellt für die Haut ein sehr großes Gefährdungspotenzial dar. Die Haut hat daher eigene Schutzmechanismen entwickelt: die Hornschichtverdickung (Lichtschwiele) und die Pigmentierung durch Melanin (Hautbräunung). Die Höhe des Eigenschutzes der Haut hängt vor allem von der individuellen Konstitution ab und passt sich der jeweiligen UV-Intensität an.

UV-A kann Sonnenallergien und andere Lichtüberempfindlichkeits-Reaktionen auslösen, insbesondere wenn gleichzeitig Kosmetika oder Sonnenschutzmittel verwendet werden. Langfristig bewirkt eine erhöhte UV-A-Bestrahlung die vorzeitige Alterung der Haut, Photo-Aging genannt, einhergehend mit Verlust der Elastizität, Pigmentflecken. Sonnenbrand wird durch UV-B verursacht. Sobald sich die Haut rötet, ist die Sonnenbrandschwelle überschritten und in der Folge entsteht ein Sonnenbrand.

Dr. med. Cordula Ahnhudt, Fachärztin für Dermatologie, mySkin-Haut- und Laserzentrum Mallorca, Bendinat, Tel.: 971-70 07 77.

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